Verpflichtende elektronische Kommunikation

Zwischen eHealth-Gesetz und Breitbandausbau

| Redakteur: Manfred Klein

Immer wieder stellen sich die Ärztevertretungen den Neuerungen des eHealth-Gesetzes in den Weg. Wie könnte man zu einem Interessenausgleich kommen?

Rohleder: Mein Eindruck ist, dass da viele Ärzte sehr viel weiter sind als ihre Standesvertreter. Insgesamt muss sich die Einsicht durchsetzen, dass eine stärkere Vernetzung im Sinne der Ärzte und Patienten ist, weil sie die medizinische Versorgung verbessert und Bürokratie abbaut. Einen wichtigen Ausgleich schafft zudem das eHealth-Gesetz. Darin ist vorgesehen, dass der Arzt für die Dokumentation des Notfalldatensatzes ein Honorar bekommt. Es ist richtig, diese Mehrarbeit zu vergüten.

Und wie ließe es sich Ihrer Meinung nach erreichen, dass eHealth in Deutschland mehr Fahrt aufnimmt?

Rohleder: Viele Patienten würden sich heute schon mehr wünschen, an den Bürgern liegt es nicht. Der Leistungskatalog der Gesetzlichen Krankenversicherung sollte daher schnellstmöglich um weitere telemedizinische Leistungen ergänzt werden. So wird die telemedizinische Betreuung bei Volkskrankheiten möglich, und diese ist gerade in strukturschwachen Regionen und mit Blick auf den demografischen und soziografischen Wandel unverzichtbar.

Derzeit ist im eHealth-Gesetz nur eine Gebührenziffer für Teleradiologie vorgesehen. Dabei gibt es viele weitere, nachgewiesenermaßen sinnvolle telemedizinischen Leistungen, etwa bei chronischer Herzinsuffizienz und Diabetes oder zur Schlaganfallversorgung. Der Gemeinsame Bundesausschuss hatte mit dem Versorgungsstrukturgesetz 2011 den Auftrag bekommen, diese bis März 2013 auf Erstattungsfähigkeit zu prüfen.Diesem Auftrag ist die Selbstverwaltung nicht nachgekommen. Das muss jetzt dringend nachgeholt werden.

Im Gesundheitswesen krankt die Einführung der Informationstechnologie daran, dass für die Einführung zu viel Zeit verstreicht. Die Technologien sind dann meist schon veraltet oder genügen den Sicherheitsanforderungen nicht mehr. Wie ließe sich dieser Teufelskreis durchbrechen?

Rohleder: Einen solchen Teufelskreis sehe ich nicht. Die Sicherheitsanforderungen an die Telematikinfrastruktur werden ja laufend angepasst. So müssen etwa die Verschlüsselungskonzepte immer wieder mit den Anforderungen der Bundesnetzagentur abgeglichen werden. Das führt dazu, dass ab 2017 eine zweite Generation der Gesundheitskarte, die sogenannte G2-Karte, ausgegeben wird, die dann sicherheitstechnisch auf dem neuesten Stand ist.

eHealth, eGovernment, Industrie 4.0 und Breitbandausbau werden immer noch isoliert betrachtet. Die Ziele der Agenda 2020 der Bundesregierung werden so wohl nicht zu erreichen sein. Wie lässt sich diese Spaltung Ihrer Meinung nach aufheben?

Rohleder: Ich teile Ihre Einschätzung nur bedingt. Die Potenziale des Breitbandausbaus für eHealth und eGovernment wie auch für Industrie 4.0 wurden durchaus erkannt. Und es sind ja, wie gesagt, gute Fortschritte beim Breitbandausbau erkennbar. Jetzt geht es darum, in allen Bereichen noch mehr Tempo zu machen.

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