Verpflichtende elektronische Kommunikation

Zwischen eHealth-Gesetz und Breitbandausbau

| Redakteur: Manfred Klein

Der Hauptgeschäftsführer des Bitkom, Dr. Bernhard Rohleder, fordert einen Leistungskatalog der Krankenkassen für telemedizinische Verfahren
Der Hauptgeschäftsführer des Bitkom, Dr. Bernhard Rohleder, fordert einen Leistungskatalog der Krankenkassen für telemedizinische Verfahren (Bild: Bitkom)

Traditionell wird das Vorfeld der CeBIT zur Positionsbestimmung in Sachen Informations­gesellschaft genutzt. eGovernment Computing sprach mit Dr. Bernhard Rohleder, dem Hauptgeschäftsführer des Branchenverbands Bitkom, über die spezifischen Anforderungen des digitalen Wandels im Healthcare- und eGovernment-Bereich.

Dabei zeigten sich erstaunliche Parallelen zwischen eHealth und eGovernment.

Herr Rohleder, vor dem Hintergrund der CeBIT wird auch der Entwicklungsstand der Informationsgesellschaft diskutiert werden. Aktuell sind neben dem eHealth-Gesetz, eGovernment und die Breitband-Entwicklung im Gespräch. In welchen Bereichen sehen Sie den größten Handlungsbedarf? Welche Hausaufgaben muss die Bundesregierung – Ihrer Meinung nach – in dieser Legislaturperiode noch machen?

Rohleder: Ein flächendeckendes Breitbandnetz ist die Lebensader der Informationsgesellschaft und damit Voraussetzung für die erfolgreiche Digitalisierung in vielen gesellschaftlichen Bereichen, auch im Gesundheitswesen und in den Behörden. Mit der Versteigerung der 700-Megahertz-Frequenzen, die für das zweite Quartal 2015 angekündigt ist, ist ein erster wichtiger Schritt für eine noch bessere Breitbandversorgung getan. Nun geht es darum, dass die Frequenzen zügig für die Nutzung freigemacht werden. Außerdem müssen wir auch beim Ausbau des Festnetzes in der Fläche vorankommen. Und natürlich sind 50 Megabit pro Sekunde nur ein Etappenziel.

Mittelfristig werden wir höhere Bandbreiten und weitere Investitionen benötigen. In den Bereichen eHealth und eGovernment gibt es ebenfalls wichtige Fortschritte, aber es bleibt auch hier viel zu tun.

Nämlich?

Rohleder: Der neue Personalausweis ist dank der neuen Ausweis-App für den Bürger leichter nutzbar geworden. Nun müssen wir dafür sorgen, dass Bürger ihre Smartphones und Tablets künftig mittels der NFC-Schnittstelle als Kartenleser einsetzen können. Dann werden die Dienste, die heute schon online mit dem Personal­ausweis genutzt werden können, mit Sicherheit stärker nachgefragt. Wenn das gelingt, mache ich mir um die Akzeptanz des neuen Personalausweises keine Sorgen.

Mit dem eHealth-Gesetz, das als Referentenentwurf vorliegt, sind einige wichtige Voraussetzungen dafür geschaffen worden, dass die elektronische Gesundheitskarte künftig für mehr als nur den Abgleich von Stammdaten genutzt werden kann – zum Beispiel für den Notfalldatensatz, einen Medikationsplan und den elektronischen Arztbrief. Allerdings fehlt noch eine Strategie zur Einführung einer freiwilligen elektronischen Patientenakte, die schon seit 2004 im Gesetz steht. Auch beim Aufbau einer einheitlichen Telematikinfrastruktur gibt es noch Nachholbedarf. Hier müssen wir deutlich an Tempo zulegen.

Welche Vorgehensweise schlägt der Bitkom hier vor, und wie soll der freie Marktzugang für die Anbieter gewährleistet werden?

Rohleder: Die Telematikinfrastruktur ist im vorliegenden Entwurf als optionales Parallelnetz angelegt. Das geht aus unserer Sicht nicht weit genug. Die Einführung der elektronischen Kommunikation zwischen Leistungserbringern muss verpflichtend sein. Der Gesetzesentwurf lässt zudem offen, wie Kliniken und Praxen vernetzt werden sollen. Es muss uns gelingen, diese Systemgrenzen zu überwinden.

Um intersektorale und telemedizinische Versorgung über räumliche und technische Grenzen hinweg verfügbar zu machen, bedarf es der permanenten Standardisierung. Das Bundesministerium für Gesundheit hat Vorschläge hierzu erarbeitet. Im Entwurf werden diese aber nicht aufgegriffen. Stattdessen sollen die Sektoren weiter ihre Standards selbst definieren. Das wird auf Kosten der Interoperabilität gehen – und damit letztlich zu Lasten der Versicherten und Patienten.

Inhalt des Artikels:

Kommentar zu diesem Artikel abgeben

Schreiben Sie uns hier Ihre Meinung ...
(nicht registrierter User)

Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
Kommentar abschicken
copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 43258084 / Infrastruktur/Kommunikation)