Soziale Medien

Zwischen Aufklärung und Desinformation (Teil 4)

| Redakteur: Jürgen Sprenzinger

Es ist Ärzten untersagt, über soziale Medien therapeutische Empfehlungen zu geben oder gar Behandlungen durchzuführen
Es ist Ärzten untersagt, über soziale Medien therapeutische Empfehlungen zu geben oder gar Behandlungen durchzuführen (Bild: Twitter)

Die Berufsordnung beinhaltet in § 7 Absatz 4 eine Regelung, die als „Fernbehandlungsverbot“ bezeichnet wird. Sie besagt, dass Ärztinnen und Ärzte individuelle ärztliche Behandlung, insbesondere auch Beratung, nicht ausschließlich über Print- und Kommunikationsmedien durchführen dürfen.

Im Klartext heißt das, dass es Ärzten untersagt ist, therapeutische Empfehlungen unter den genannten Rahmenbedingungen abzugeben. Würde ein Patient beispielsweise über ein soziales Netzwerk einen Arzt kontaktieren und dieser dann anhand der Anamnese und der Labordaten einen Eisenmangel diagnostizieren und vielleicht dann auch noch ein Eisenpräparat empfehlen, dann würde es sich um eine unzulässige Fernbehandlung handeln, da keine physische Untersuchung stattgefunden hat.

Allgemeine medizinische Fragen allerdings dürfen auf diesem Wege durchaus beantwortet werden, also zum Beispiel Fragen wie „Was ist ein Karpaltunnelsyndrom?“ oder „Ist hoher Blutdruck schädlich?“

Allerdings ist es oftmals sehr schwierig, die Grenze zwischen einer Einzelfallberatung bzw. -behandlung und der Beantwortung von allgemeinen Gesundheitsfragen zu ziehen. Im Zweifelsfall sollte jedoch dem Patienten schon seiner eigenen Sicherheit wegen der Gang zum Arzt empfohlen werden.

Und wie war das nochmal mit der Werbung?

Der Nutzung sozialer Medien im ärztlichen Bereich ist auch – was die kommerzielle Seite des Arztberufs betrifft – kritisch zu betrachten Die Berufsordnung (§ 27 Erlaubte Information und berufswidrige Werbung) erlaubt Ärzten zwar die sachliche berufsbezogene Information, anpreisende, vergleichende oder gar irreführende Werbung ist ein „no go“ und berufswidrig. Der Hauptgrund für diese Vorschriften ist die Gewährleistung des Patientenschutzes und zudem auch die Vermeidung der Kommerzialisierung des Arztberufs, die dem Selbstverständnis des Arztberufes zuwider läuft.

Laut Ärztekammer dürfen Ärzte zum Beispiel:

  • Ein sachliches Praxislogo verwenden
  • Sachgerechte und sinnvolle Patienteninformationen verbreiten
  • Tätigkeits-Schwerpunkte von Spezialisten nennen
  • Praxisorganisatorische Hinweise veröffentlichen (Telefonnummern, Sprechstunden, Lage der Praxis, Verkehrsanbindung, Parkmöglichkeiten etc.)
  • Praxisinformationen wie die Größe der Praxis und die Anzahl der Mitarbeiter darstellen
  • Abbildungen des Gebäudes der Praxisräume oder auch der technischen Ausstattung veröffentlichen, wobei alle Markennamen auf Geräten nicht erkennbar sein dürfen)
  • Hinweise auf bestimmte Zertifikate bezüglich Praxis-Organisation oder ähnliches darstellen
  • Praxisbroschüren oder Patienten-Informationen mit fachlichen und organisatorischen Informationen zur Aufklärung der Patienten verwenden
  • Leistungen wie beispielsweise Wochenend- oder Notfallsprechstunden oder Hausbesuche veröffentlichen
  • Auf Präventionsprogramme hinweisen
  • Auf Schwerpunktleistungen oder Hausarztmodelle hinweisen.

Und das dürfen Ärzte oder Praxen nicht:

  • Anpreisende und irreführende Aussagen machen sowie Alleinstellungsbehauptungen verwenden
  • Eine falsche, nicht durch die Berufsordnung geregelte Berufsbezeichnung wie Wirbelsäulenspezialist, Medium oder ähnliches verwenden
  • In der eigenen Praxis Werbung für Produkte anderer Unternehmen machen
  • Erfolgversprechende und irreführende Therapiebezeichnungen verwenden (z.B. Krebstherapie, Wachstumstherapie, Knochenheilung, usw.)
  • Vergleiche mit anderen Fachgebieten oder Kollegen anstellen
  • Krankengeschichten veröffentlichen bzw. widergeben
  • Dankesschreiben oder Empfehlungsschreiben Ihrer Patienten veröffentlichen
  • Vergleichende Darstellungen zeigen (Vorher/Nachher-Bilder und Darstellungen)
  • Markennamen auf Geräten sowie der Praxisausstattung auf Fotos oder Videos zeigen
  • Personen in Berufskleidung bei der Berufsausübung darstellen, wenn ein medizinisches Verfahren oder eine ärztliche Behandlungsmethode beworben wird
  • Darstellung von Veränderungen des Körpers oder Teile davon durch Krankheiten, Leiden oder Körperschäden
  • Ängstigende oder effektheischeinde Aussagen verwenden, die beim Patienten Angstgefühle hervorrufen können
  • Erfolgsgarantien geben, Heilungsversprechen und unsichere Prognosen machen
  • Sonderangebote, vergünstigte Leistungen, Privatkundenpreise etc. anbieten und bewerben
  • Allgemein verfügbare Leistungen bewerben (z.B. Impfungen, Zuckertests, Bluttests usw.)
  • Medikamente und Präparate bewerben (mit Ausnahme suchtmedizinischer Behandlung)
  • Direct-Mailings durchführen (Versand von Praxis-Informationen per Post oder E-Mail)
  • Werbung für die Praxis und die eigenen Tätigkeiten bei anderen Unternehmen des Gesundheitswesens, zum Beispiel Apotheken, Wellnesseinrichtungen, Massagepraxen anbieten
  • Wettbewerbe oder Gewinnspiele zu Werbezwecken oder zur Patientengewinnung veranstalten
  • Ferndiagnose oder Ferntherapien anbieten bzw. durchführen
  • Jegliche Art von Werbebannern und Pop-up-Fenster auf Internet-Seiten verwenden.

Fortsetzung folgt.

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