Soziale Medien

Zwischen Aufklärung und Desinformation (5)

| Redakteur: Jürgen Sprenzinger

Bei der Nutzung sozialer Medien im beruflichen Umfeld sollte man sich als Arzt deren AGBs genau ansehen und sich anschließend einige Fragen stellen ...
Bei der Nutzung sozialer Medien im beruflichen Umfeld sollte man sich als Arzt deren AGBs genau ansehen und sich anschließend einige Fragen stellen ... (Bild: Twitter)

Datenschutz und Datensicherheit – oder anders ausgedrückt: Welche Daten werden wem preisgegeben? Hier heißt es: Vorsicht walten lassen, denn sensible Inhalte wie beispielsweise Fotos und sonstige persönliche Beiträge in sozialen Medien machen sich leicht selbständig und entgleiten der Kontrolle.

Bei der Nutzung sozialer Medien im beruflichen Umfeld sollte man sich als Arzt folgende Fragen stellen: Wie können die eingestellten Daten im Rahmen der AGBs des sozialen Netzwerks genutzt werden? Oft ist es so, dass die AGBs von den Nutzern der sozialen Medien einfach überlesen oder weggeklickt werden, da sie als lästig empfunden werden. Ein schwerer Fehler, der große Unannehmlichkeiten nach sich ziehen kann, denn was oft nicht bedacht wird: Ist das Häkchen erst einmal gesetzt, können dem Betreiber unter Umständen weitreichende Nutzungsmöglichkeiten dieser Daten eingeräumt werden – auch das Recht, Dritten diese Informationen zugänglich machen zu dürfen. In diesem Fall kann es dann auch durchaus passieren, dass die Informationen aus dem Kontext gerissen werden – beispielsweise für individualisierte Werbezwecke. Ergo: Man sollte prüfen, ob mit der Nutzung des sozialen Netzwerkes eine (weitreichende) Zustimmung zur Nutzung der veröffentlichten (personenbezogenen) Daten erteilt wird.

Ein paar Fragen ...

Die erste Frage, die man sich stellen muss, lautet: Welcher Personenkreis sieht die Einträge? Arbeitgeber – aktuelle wie auch zukünftige – können diese Webseiten aus unterschiedlichen Gründen beobachten – beispielsweise um ein Profil von einem Bewerber zu erstellen. Aber auch für Versicherungsgesellschaften und andere kommerzielle Nutzer können diese Informationen interessant sein, um beispielsweise mehr über das Risikoprofil oder das Verhalten ihrer Kunden zu erfahren.

Eine weitere Frage tut sich auf: Welche technischen Möglichkeiten habe ich, meine Privatsphäre in sozialen Medien zu wahren? Die Privatsphäre jedes Beteiligten in sozialen Medien ist entscheidend von den technischen Schutzmöglichkeiten abhängig, sie variieren stark zwischen den unterschiedlichen Medien und hängen zudem von den individuellen Einstellungen des jeweiligen Nutzers ab. Der Schutz der Privatsphäre kann daher sowohl durch die fehlende technische Voraussetzung als auch durch die unangemessene Nutzung der vorhandenen Möglichkeiten beeinträchtigt werden.

Zudem unterliegen die Nutzungsbedingungen und Einstellungen zum Schutz der Privatsphäre stetigen Veränderungen. Die regelmäßige Überprüfung des aktuellen Status der Nutzungsbedingungen und Privatsphäre-Einstellungen sind also ein absolutes Muss.

Auch der NSA könnte lauschen ...

Schließlich Frage Nummer drei: Was kann mit den Daten möglichweise noch passieren? Die Daten in sozialen Netzwerken sind meist nicht so gut geschützt wie zum Beispiel die Daten beim Internetbanking. Es sollte also auch bedacht werden, dass eingestellte Daten auch außerhalb des Rahmens der AGBs Dritten zugänglich sein könnten – durch Suchmaschinen, Hacker-Angriffe oder undichte Stellen bei den Netzwerkbetreibern selbst.

Spätestens seit Edward Snowden und der NSA-Affäre ist klar geworden, dass auch andere Institutionen Zugriff auf persönliche Daten im Internet haben könnten. Eingestellte Daten können demnach leicht in die Hände unberechtigter Dritter gelangen, obwohl zuvor alle Einstellungen zum Schutz der Privatsphäre durch den Nutzer korrekt eingestellt waren.

Kopieren? Kein Problem!

Informationen aus sozialen Medien können auch als Kopie auf andere Computer und an andere Stellen im Internet kopiert werden – eine dauerhafte Entfernung von solchen Daten aus dem Internet ist somit fast unmöglich. Zusätzlich besteht das Problem, dass derzeit nur eingeschränkte juristische Gegenmaßnahmen existieren: So haftet beispielsweise nach der aktuellen Rechtsprechung der Betreiber eines Social Network Portals grundsätzlich nicht als Täter für urheberrechtsverletzende oder andere absolute Rechte verletzende Inhalte. Begründet wird dies damit, dass nicht angenommen werden kann, dass sich der Betreiber diese Inhalte zu eigen macht. Ihn trifft danach erst dann eine Prüfpflicht, wenn er durch einen hinreichend konkreten Hinweis Kenntnis von der Rechtsverletzung bekommt. (Quelle: Bundesärztekammer)

Fortsetzung folgt.

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