Analyse und Umsetzung Zwei Jahre Digitalpakt

Autor / Redakteur: Dirk Hetterich* / Susanne Ehneß

Im Mai 2019 trat der Digitalpakt Schule nach zähen Verhandlungen zwischen Bund und Ländern in Kraft. Seitdem hat sich einiges getan. Tausende Schulen in Deutschland liefern den Beweis, dass es mit der Schuldigitalisierung vorangeht. Die Digitalisierung stellt Schulen aber auch vor Herausforderungen, etwa in puncto Datenschutz. Nachvollziehbar, dass die Umsetzung mancherorts mehr Zeit in Anspruch nimmt.

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Ein tragfähiges pädagogisches Konzept ist die Grundlage jeder sinnvollen Techniknutzung in der Schule
Ein tragfähiges pädagogisches Konzept ist die Grundlage jeder sinnvollen Techniknutzung in der Schule
(© Gorodenkoff - stock.adobe.com)

Das ursprünglich fünf Milliarden ­Euro schwere Förderprogramm legte der Bund vor zwei Jahren für den Aufbau digitaler Infrastrukturen an Schulen auf. Bezieht man die pandemiebedingten Sondermittel mit ein, ist das Budget auf mittlerweile über sieben Milliarden Euro angewachsen. Davon sind nach Angaben von Bund und Ländern bis Ende 2020 jedoch erst insgesamt 1,363 Milliarden Euro abgeflossen und bewilligt worden. Es ist nachvollziehbar, dass von vielen­ Seiten Kritik laut wird, da es vielen nicht schnell genug geht.

Dabei bilden die nackten Zahlen die Realität nur ungenügend ab. Der Mittelabfluss wird nur zweimal pro Jahr erfasst und hinkt damit aktuell um rund ein halbes Jahr zurück. Hinzu kommt, dass die Schulprojekte teils lange Vorlaufzeiten haben. Schließlich gilt es nicht nur, ein tragfähiges pädagogisches Konzept vorzulegen, sondern auch die Anforderungen an die Technik genau zu definieren und in den meisten Fällen Ausschreibungen vorzubereiten und juristisch sauber durchzuführen. Erst dann dürfen WLAN & Co. bestellt und installiert werden.

Die richtige Entscheidung braucht Zeit

Die digitale Infrastruktur ist das Herzstück der Schuldigitalisierung. Sie steht vor allem anderen und muss sicher, leistungsfähig, im Einsatz wirtschaftlich und nachhaltig, aber auch datenschutzkonform ausgestaltet werden. Nur so kann ein zeitgemäßer digitaler Unterricht überhaupt ermöglicht werden.

Ist die Hardware für das Schul-WLAN definiert, stellt sich eine weitere entscheidende Frage: Wer kümmert sich um die laufende ­Pflege des Netzwerks, wichtige Updates, die Einbindung neuer Geräte? Oftmals sind die Ressourcen und das Know-how dafür nicht vorhanden. Viele Schulnetze werden deshalb heute zentral in der Cloud verwaltet und gewartet. Damit lässt sich diese zentrale Aufgabe weitgehend automatisieren, was für einen unterbrechungsfreien Betrieb sorgt und gleichzeitig die Betriebskosten senkt.

Allerdings muss der Entscheidung für ein Cloud-managed WLAN eine sorgfältige datenschutzrecht­liche Prüfung vorangehen. Mit dem Aus des Privacy-Shield-Abkommens im Sommer 2020 ist diese Herausforderung noch größer geworden, da die Nutzung vieler Cloud-Lösungen von US-amerikanischen Anbietern quasi über Nacht unzulässig wurde.

Von Best Practices lernen

Trotz der fordernden Rahmenbedingungen belegen zahlreiche ­Projekte in Deutschland in beeindruckender Weise, dass es mit der Schuldigitalisierung vorangeht – trotz unterschiedlicher Ansätze und Voraussetzungen. Als Infrastrukturausstatter beraten und unterstützen wir Schulen seit vielen Jahren bei der Umsetzung von entsprechenden Projekten. Diese ­Beispiele zeigen, wie mit WLAN-Infrastrukturen die technischen Voraussetzungen für einen modernen digitalen Unterricht geschaffen werden, der gleichzeitig Be­langen des Datenschutzes und der IT-Sicherheit gerecht wird – insbesondere beim Einsatz Cloud-­basierter Lösungen.

Beispiele aus der Schul-Praxis

Die Grundschulen der Stadt Helmstedt waren mit die ersten, die in Niedersachsen den Digitalpakt-Förderbescheid in ein High-Tech WLAN umwandelten. Im Zentrum stand der Wunsch, im Unterricht auch mit schuleigenen mobilen Endgeräten, in diesem Falle Notebooks, arbeiten zu können. Und so war Helmstedt einer der ersten Antragsteller im Kontext Digitalpakt Schule und freute sich über insgesamt 50 neue Access Points (4 bis 12 pro Schule) sowie WLAN Controller und Switches für die fünf Grundschulen.

In allen Räumen kann jetzt per WLAN vom Schulserver gestreamt, recherchiert und zusammengearbeitet werden. Die Stadt Helmstedt setzt dabei auf eine sichere Lösung, die höchsten europäischen Datenschutzbestimmungen entspricht, so sind die Zukunftsfähigkeit des Unterrichts sowie die Daten im Schulnetz sicher.

Die Gemeinde Helgoland setzt in der James-Krüss-Schule, der kleinsten Schule Deutschlands, auf ein hochmodernes WLAN „aus der Wolke“. Das Kernstück ist die Lancom Management Cloud (LMC), die dank intelligenter Technik dabei hilft, zeitaufwendige Aufgaben, wie das Aufspielen aktueller Firmware-Updates oder das Ausrollen neuer Netze, auf ein Minimum zu reduzieren. Verwaltet wird das Netz der Grund- und Gemeinschaftsschule von der IT-Abteilung der Gemeinde Helgoland. Die Cloud-Lösung ist für den Schul­träger ein absoluter Gewinn: „Wir steuern nicht nur das Schulnetz zentral über die Cloud, sondern können dort auch alle anderen Netzwerke, die mit Lancom-Hardware laufen, abbilden“, so Tobias Wutschke, EDV-Manager in der Kommunalverwaltung.

Neben der Schule wird auch das Netz im Rathaus und der Lesehalle über die Cloud gemanagt. „Jetzt haben wir alle Netze in einer Management-Instanz abgebildet“, erläutert Wutschke. „Das ist für uns sowohl übersichtlich als auch komfortabel. Mit der Cloud-Lösung sparen wir eine Menge Zeit und müssen als Administratoren nicht einmal direkt vor Ort sein. So spielen wir Updates für die Hardware innerhalb weniger Minuten aus der Ferne auf, eine Arbeit, die früher viel Zeit in Anspruch genommen hat.“

Auch das WLAN an der Aachener Viktoriaschule wird aus der Cloud verwaltet. Hier übernimmt allerdings die Schule das Netzwerk­management in Eigenregie. Informatiklehrer Guido Hinz betreut das Drahtlosnetzwerk für Schülerschaft und Lehrkräfte. Er zeigt sich von der Lösung angetan: „Das ist für uns eine tolle Lösung. Wir haben immer einen Überblick darüber, welche Netze wo verfügbar sind und ob Flächen mit besonders stark belasteten Netzen optimiert werden müssen. Änderungen oder Erweiterungen können dann einfach und schnell vorgenommen werden.“ Mit der Management Cloud spart Hinz viel Zeit und stellt den reibungslosen Betrieb sicher. Schließlich muss das Netz äußerst zuverlässig als Unterrichtsmedium zur Verfügung stehen.

Fazit

Die Beispiele zeigen, dass bereits an vielen Schulen leistungsfähige Netzwerke und WLAN-Infrastrukturen geschaffen wurden – in vielen Fällen dank der Mittel aus dem Digitalpakt Schule. Denn ein stabiles und flächendeckendes WLAN ist Voraussetzung jeder Digitalisierung und Rückgrat des digitalen Unterrichts. Allerdings ist Schul-WLAN nicht gleich Schul-WLAN: Die Gegebenheiten der Schulen spielen bei der Auswahl der richtigen Lösungen und des richtigen Management-Ansatzes – Cloud-basiert oder nicht – eine zentrale Rolle.

Dass Digitalisierung unverzichtbar ist, ist bei den Schulen und Schulträgern längst angekommen. Bedenken bei der Umsetzung, vor allem in puncto Datenschutz, können mit einer sorgfältigen Soll-Ist-Analyse und der Entscheidung für die richtigen Hersteller, ausgeräumt werden. Einer zügigen Umsetzung aus den Mitteln des Digitalpakts steht dann nichts mehr im Wege.

*Der Autor: Dirk Hetterich, Director Public bei LANCOM Systems

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