Smart Mobility Zukunftsorientierte Mobilität braucht Plattformen

Ein Gastbeitrag von Frank Zahn

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Die intelligente Vernetzung von Verkehrsmitteln ist die Voraussetzung dafür, um nutzerfreundliche und umweltgerechte Mobilitätskonzepte umzusetzen. Doch das setzt voraus, dass Daten aus unterschiedlichen Quellen ausgewertet werden. Frank Zahn, Delivery Director bei Endava, sieht hier die Möglichkeit, dass zentrale Plattformen diesen Prozess übernehmen.

Erst eine ganzheitliche Sicht auf diese Daten ermöglicht es, eine tragfähige digitale Mobilitätsstrategie umzusetzen
Erst eine ganzheitliche Sicht auf diese Daten ermöglicht es, eine tragfähige digitale Mobilitätsstrategie umzusetzen
(© j-mel – stock.adobe.com)

„Mit welchen Verkehrsmitteln komme ich heute am schnellsten zu meinem Arbeitsplatz?“ oder „Stehen an der S-Bahnstation ein Parkplatz für mein Auto sowie ein E-Scooter bereit, mit dem ich weiterfahren kann?“ Auf solche Fragen wollen Bürger Antworten. Sie wünschen sich Mobilitätslösungen, mit denen sie sich auf zeitsparende, effiziente und umweltschonende Weise fortbewegen können.

Doch daran mangelt es offenkundig, wie eine Studie belegt, die der Digitalverband Bitkom Ende 2021 veröffentlichte. Ihr zufolge sind nur 42 Prozent der Bundesbürger mit den Mobilitätsangeboten in ihrer Region zufrieden. Nicht einmal ein Drittel (31 Prozent) hält diese Services für innovativ. Um die Qualität der Angebote zu verbessern und die Entwicklung innovativer Smart-Mobility-Dienste zu fördern, würden 90 Prozent der Befragten eigene Mobilitätsdaten zur Verfügung stellen.

Nutzerdaten reichen nicht aus

Doch die Daten von Nutzern sind nur ein Baustein einer multimodalen Mobilitätsstrategie. Zusätzlich müssen Informationen aus weiteren Quellen ausgewertet und in eine zentrale Smart-Mobility-App integriert werden. Dazu zählen Daten des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) und Informationen über den Individualverkehr (Pkw, Lkw), außerdem Daten der Anbieter weiterer Verkehrsmittel. Dies sind beispielsweise Leihfahrräder, E-Scooter und Carsharing-Services.

Hinzu kommen Informationen von Verkehrsleitsystemen und einer „smarten" Mobility-Infrastruktur, die auf IoT-Komponenten (Internet of Things) wie Sensoren und Kameras zurückgreift. Sie geben beispielsweise Aufschluss darüber, auf welchen Routen mit Staus zu rechnen ist, wo Parkplätze vorhanden sind und an welchen Stromtankstellen ein Nutzer sein Elektroauto oder E-Bike aufladen kann.

Erst eine ganzheitliche Sicht auf diese Daten ermöglicht es, eine tragfähige digitale Mobilitätsstrategie umzusetzen. Ein Beispiel: Bevor er sich auf den Weg zur Arbeit oder zum Supermarkt macht, erhält ein Nutzer über eine App Informationen über die Verkehrslage, die Auslastung von Bussen und Bahnen sowie die Verfügbarkeit von Leihrädern. Auf Basis dieser aktuellen Daten kann er über die App ein Ticket beim ÖPNV-Betreiber buchen und ein E-Bike an einer bestimmten Haltestelle reservieren.

Plattformen als Basis

Um ein solches Konzept umzusetzen, ist eine zentrale Daten- und Services-Plattform nötig. Solche Lösungen sind im kommerziellen Umfeld bereits seit Jahren im Einsatz. Bekannte Beispiele sind E-Commerce-Marktplätze wie Amazon, eBay und Alibaba, aber auch Streaming-Services wie Netflix und Spotify. Sie nutzen Daten, um ihre Angebote auf die aktuellen Anforderungen von Nutzern zuzuschneiden. Außerdem binden sie auf ihren Plattformen Partner mit ein.

Von vergleichbaren Plattformkonzepten können auch Unternehmen im Bereich Mobilität profitieren, in Verbindung mit Dienstleistungen externer Partner. Dazu zählen nicht nur Anbieter von Verkehrsmitteln wie Bahnen, Bussen und Leih-Scootern. Auch Automobilhersteller haben bereits mehrfach signalisiert, dass sie Smart-Mobility-Konzepte mittragen wollen. Die Basis dafür liefern die Daten, die Fahrzeuge bereitstellen, etwa Geschwindigkeit, Fahrstrecke und Zeitverluste durch Staus.

Echtzeitanalysen und KI

Aus technischer Sicht muss eine solche Plattform mehrere Anforderungen erfüllen. Erforderlich ist, dass sie die Daten erfasst, konsolidiert und in verwertbare Informationen umsetzt. Dies stellt angesichts der unterschiedlichen Datenformate eine nicht zu unterschätzende Herausforderung dar. Weiterhin sollte die Auswertung der Daten in Echtzeit erfolgen. Dies setzt nicht nur entsprechende Rechenkapazitäten voraus, sondern auch schnelle Datenverbindungen, etwa 5G-Mobilfunknetze.

Ein weiteres Kriterium ist, dass die Plattform Technologien wie Künstliche Intelligenz (KI) unterstützt. Mithilfe von KI können die Anbieter von Mobilitätsdiensten und Verkehrsplaner Prognosen über die Verkehrsentwicklung und die Umweltbelastung erstellen. Solche Informationen lassen sich beispielsweise dazu nutzen, die Zahl und den Standort von Stellplätzen für Leihfahrräder, Scooter und E-Tankstellen zu optimieren.

Der Umwelt kommt wiederum zugute, wenn mithilfe intelligenter Ampeln die Zahl der Staus reduziert wird und wenn die Plattform Autofahrer automatisch zu einem freien Parkplatz leitet. Dies reduziert den Treibstoffverbrauch und schont die Nerven der Nutzer.

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Herausforderung: Austausch von Mobilitätsdaten

Smart-Mobility-Plattformen sehen sich jedoch auch mit Vorbehalten konfrontiert. So befürchtet der Bitkom, dass durch die zentrale Bereitstellung von Mobilitätsdaten über die Mobilithek des Bundesministeriums für Digitales und Verkehr den Anbietern von Mobilitätsdiensten wirtschaftliche Nachteile entstehen können. Die Mobilithek ist seit Juli 2022 verfügbar.

Der Verband kritisiert, dass durch das Teilen von Daten Unternehmen Einblick in Geschäftsmodelle anderer Anbieter erhalten könnten. Dies lasse sich nur durch eine einheitliche Rechtsordnung für alle Marktteilnehmer vermeiden. Andererseits ist eine solche Datenbasis die Voraussetzung dafür, dass öffentliche Einrichtungen in Verbindung mit Smart-Mobility-Plattformen innovative Verkehrskonzepte entwickeln können.

Fazit

Klar ist, dass Kommunen und Regionen ihre Verkehrskonzepte überdenken müssen. Ansonsten können sie weder die Emissionen reduzieren noch eine optimale Nutzung aller Verkehrsmittel sicherstellen. Dies ist jedoch angesichts des Trends zur Urbanisierung unverzichtbar. Datenplattformen sind ein probates Mittel, um „smarte“ Mobilitätslösungen zu entwickeln, die diese Vorgaben erfüllen. Nun sind die Entscheidungsträger in Politik und Wirtschaft am Zuge. Sie sollten die Optionen nutzen, die ihnen solche Plattformen an die Hand geben.

Frank Zahn
ist Delivery Director bei Endava

Bildquelle: Endava

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