Websites von Kommunal- und Landesverwaltungen

Zugang für alle Bürger

| Autor: Susanne Ehneß

Was sind die ersten Schritte, wenn eine Landes- oder Kommunalverwaltung ihren Internetauftritt barrierefrei gestalten möchte?

Meixner: Wichtig ist, die Anforderung „Barrierefreiheit“ direkt in die Ausschreibungen mit aufzunehmen. So können die Verwaltungen sicherstellen, dass der ausgewählte Dienstleister bei dem Thema auch Erfahrung hat. Um für Menschen mit Behinderungen ein gut nutzbares Portal zu erstellen, sollten Öffentliche Verwaltungen außerdem neben der BITV 2.0 weitere Kriterien formulieren, die auf die konkrete Nutzbarkeit, mit verschiedenen Hilfsmitteln, ab­zielen.

Wir konnten bei der Beratung ­vieler Software-Hersteller und Web-Agenturen drei Best Practices ­herausarbeiten:

  • die Sensibilisierung der Beteiligten zu Projektbeginn zum Thema Barrierefreiheit und deren Anforderungen,
  • die Berücksichtigung der Bar­rierefreiheitsanforderungen bereits in Konzept und Design sowie
  • die regelmäßige Prüfung von Entwicklungsständen, sodass Fehler frühzeitig erkannt und behoben werden können.

Zusammenfassend bedeutet das: Landes- und Kommunalverwaltungen sollten Barrierefreiheit grundsätzlich im Projektplan verankern. Wenn ein Dienstleister den Internetauftritt erstellt, empfehlen wir zudem einen abschließenden Abnahmetest, den entweder die Kommune selbst macht oder durch einen anderen Anbieter durchführen lässt.

Welche zentralen Services sollten auf einer barrierefreien Website verfügbar sein?

Weber: Barrierefreiheit umzusetzen, bedeutet nicht zwingend, zusätzliche Services zur Verfügung zu stellen. Vielmehr müssen die vorhandenen Services richtig strukturiert und programmiert werden. Die Anordnung aus Menü, Überschriften, Tabellen, Listen, Formularen et cetera muss in eine Programmstruktur überführt werden, die Benutzer durch Hilfsmittel, wie Bildschirmlese-Software oder Bildschirmlupen, lesen können. Das Wahrnehmen ist allerdings nur der erste Schritt.

Genauso wichtig ist, dass die Elemente sinnvoll und semantisch korrekt verwendet werden. Es gibt also immer zwei Ebenen, die berücksichtigt werden müssen: die programmtechnische Einhaltung von Standards und die verständliche und logische Aufbereitung der Inhaltsstruktur.

Meixner: Für gehörlose und hörgeschädigte Nutzer sollten Webseiten der Öffentlichen Hand zusätzliche Inhalte anbieten. Dazu gehören Untertitel für Videos, die Bereitstellung von Inhalten in Leichter Sprache und Gebärdensprachvideos.

Ein oft vernachlässigtes, aber wichtiges Thema ist die barrierefreie Gestaltung von Dokumenten, die Nutzer auf der Webseite finden. Insbesondere PDF-Dokumente kommen im Zuge der digitalen Kommunikation verstärkt zum Einsatz, um Broschüren, Studien, Handbücher und Formulare bereitzustellen. Sind die PDFs nicht entsprechend optimiert, können blinde Menschen diese weder lesen noch bedienen.

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