Zukunftsfähigkeit

Zu viel Asphalt und Beton – zu wenig Bildung und IT

27.04.2009 | Autor / Redakteur: Franz-Reinhard Habbel / Manfred Klein

Nur ein Bruchteil der Mittel aus den zwei Konjunkturpaketen der Bundesregierung geht in die Informationstechnologie. Manche Politiker fordern gar schon, man solle das Geld nicht in den Aufbau einer flächendeckenden Breitbandversorgung stecken, sondern damit lieber Milchbauern alimentieren. Man mag das als eingefahrene Politikerreflexe im Superwahljahr belächeln. Die Krise wird mit solchen Handlungsmustern jedoch nicht zu bewältigen sein.

Deutschland und die Welt haben ein Problem. Die Wirtschaft kommt ins Stottern. Rund um den Globus schlägt die Finanzmarktkrise auf die Realwirtschaft durch. Fast wöchentlich werden die Wachstumsraten der Volkswirtschaften nach unten korrigiert. Die Arbeitslosigkeit steigt rapide an. Unternehmen fahren ihre Produktion zurück und verzeichnen Gewinneinbußen bis zu 80 Prozent. Weltweit ist mit 50 Millionen weiteren Arbeitslosen zu rechnen. Ganze Volkswirtschaften wie in Ungarn und Rumänien geraten ins Wanken und müssen vermutlich durch die Hilfe anderer Staaten stabilisiert werden. Kettenreaktionen sind die Folge. In Europa ist die Krise noch gar nicht richtig angekommen. Das mag auch dem Sozialsystem geschuldet sein, welches auf hohem Niveau zum Beispiel im Gegensatz zu den USA die Menschen hier besser abfedert. Milliarden von Steuergeldern pumpen die Staaten in den Wirtschaftskreislauf und gewähren Bürgschaften. Die Staatsverschuldung steigt auf Rekordhöhen. Die Balance zwischen Staat, Wirtschaft und Zivilgesellschaft steht vor ihrer größten Herausforderung seit der Mitte des letzten Jahrhunderts. Die Rolle des Staates verändert sich, Banken werden enteignet, neue weltweit geltende Regelwerke für die außer Kontrolle geratenen Finanzmärkte werden angemahnt. Die G20-Staaten treffen verbindliche Absprachen, um die Wirtschaft zu retten. In Deutschland ist es seit 1928 nicht mehr vorgekommen, dass der Frühling keine Belebung am Arbeitsmarkt bringt. Experten sagen, dass die Rezession ein ungeahntes Ausmaß annehmen wird und dass die Arbeitslosenzahl bald schon über die Marke von fünf Millionen klettert.

Zu diesen aktuellen Turbulenzen kommen mittelfristige Probleme. Aufgrund der demografischen Entwicklung wird es in Deutschland immer weniger Arbeitskräfte geben. Das ist angesichts hoher Arbeitslosenzahlen eine gute Nachricht, aber für die Wirtschaft verheerend. Wir werden weniger produzieren und weniger exportieren. Unsere alten Modelle laufen nicht mehr. Die Lösung kann nur lauten, die Bereiche Bildung und Innovation massiv zu stärken, wenn wir international wettbewerbsfähig bleiben wollen. Alle staatlichen Maßnahmen sollten daran gemessen werden, ob sie die Bereiche Bildung und Innovation fördern. Das gilt auch für die Konjunkturpakete.

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