Zukunftsfähigere Struktur geplant

Zentrales Bundesmelderegister für ein sicheres eGovernment

08.01.2008 | Autor / Redakteur: Dr. Peter Blönnigen / Gerald Viola

In ihrem „Aktionsplan Deutschland-Online“ haben sich Bund und Länder dafür ausgesprochen, das Meldewesen in eine neue zukunftsfähigere, zentrale Struktur zu überführen. Dadurch sollen das Rückmeldeverfahren weiter vereinfacht, die Daten konsolidiert, die Aktualität der Daten erhöht, die Nutzung für öffentliche Stellen erleichtert und eine zentrale Online-Melderegisterauskunft ermöglicht werden. Der vorliegende Beitrag skizziert Nutzeneffekte und identifiziert funktionale Komponenten.

Bei näherer Betrachtung des Themas wird deutlich, dass es sich bei diesem Projekt um mehr als nur ein klassisches Register im engeren Sinne handelt, vielmehr kann das zentrale Bundesmelderegister das Herzstück einer modernen eGovernment-Lösungsarchitektur werden. Der Einsatz moderner eGovernment-Methoden im Verwaltungsalltag setzt eine verlässliche Handhabung von Personendaten im elektronischen Rechtsverkehr voraus. Exponentielle Wachstumsraten, kriminell motivierter Angriffe, wie Spams oder Pishing, bei denen auf die persönlichen Daten privater Personen oder Unternehmen zugegriffen wird, verdeutlichen potenzielle Gefahren, die bisher in der Bevölkerung nur unvollkommen wahrgenommen werden. Laut einer Interpolstudie aus dem Jahr 2004 verursacht ID-Kriminalität jährliche Kosten von 140 Milliarden US-Dollar.

Fokus auf Identity Management

Die Veröffentlichungen der Bundesregierung zu den von ihr vorgelegten eGovernment-Programmen betonen die Bedeutung des Identity Managements für die weitere Entwicklung des Themas. Vorhaben zur Einführung des elektronischen Personalausweises und die Schaffung eines Bundesmelderegisters sind hierzu wichtige Bausteine. Sie liefern die Grundlage zur Bereitstellung einer eindeutigen, ortsunabhängigen, elektronischen Identifizierungslösung für Bürger, Wirtschaft und Verwaltung und schaffen eine Möglichkeit zur rechtsverbindlichen elektronischen Willenserklärung.

Daten des Mikrozensus zeigen nach Angaben des Statistischen Bundesamtes, dass 5,8 Prozent aller Meldedaten fehlerhaft sind; dies entspricht 4,8 Millionen Personen. Es gibt viele Gründe zur Verschleierung von Identitäten. Neben persönlicher Nachlässigkeit sind dies unter anderem illegale Migration, Sozialversicherungsbetrug und organisierte Kriminalität. Internationale Verflechtungen verbunden mit veränderten Bedrohungsszenarien stellen neue Anforderungen an die Genauigkeit der Behandlung von Namen, ihre Umschriften, Kurzformen, Bestandteile und Varianten.

Betrachtet man das gesamte Feld der Identitäten, so zeigt sich, dass jeder Einzelne nicht allein über die im Melderegister gespeicherte Identität verfügt. Vielmehr wird jeder Bürger in zahlreichen Verfahren redundant und mit Ergänzungen erfasst und gespeichert: im Melderegister, im Ausländerregister, in Rentenversicherungen, Sozialversicherungen und weiteren Verwaltungsorganisationen. Alle diese Identitäten basieren grundsätzlich auf den im Melderegister erfassten Grunddaten, ergänzen sie um fachlich begründete Informationen und schaffen so abgeleitete Identitäten eines Individuums. Es ist zu prüfen, inwieweit in modernen IT-Architekturen diese grundsätzlichen Verbindungen im Sinne eines Master Data Managements berücksichtigt werden können und sollen. Mithilfe eines solchen Tools wird nicht nur den Entwicklungsaufwand reduziert, sondern die Datenqualität verbessert und der Verwaltungsaufwand durch Vermeidung redundanter Dateneingaben vermindert. Darüber hinaus bietet sich die Chance, die Qualität des Verwaltungshandelns durch sogenannte intelligente Bürgerprofile signifikant zu verbessern.

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