Verwaltungsweiter Umstieg auf virtuelle Desktops Zauberwürfel regiert in Borken

Autor / Redakteur: Frank Zscheile / Gerald Viola

Wer schätzen soll, wie viele PCs in der Verwaltung einer normalen deutschen Kleinstadt täglich ihren Dienst versehen, kann leicht zu niedrig liegen. Im westfälischen Borken etwa sind es allein 900 an den 14 städtischen Schulen, hinzu kommen noch einmal 260 im Rathaus und den verschiedenen Ämtern.

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Im Rathaus Borken werden PCs nicht mehr durch PCs ersetzt
Im Rathaus Borken werden PCs nicht mehr durch PCs ersetzt
( Archiv: Vogel Business Media )

Viel Wartungsaufwand für eine kleine IT-Abteilung wie in Borken, die sich deshalb Anfang 2008 für die Virtualisierung ihrer Desktops entschieden hat und alle städtischen PCs nach und nach durch Zero Clients von Pano Logic ersetzt.

Der Pano Zero Client ist ein kleiner Edelstahlwürfel, mit dem sich Servervirtualisierung auf Ebene des Endgerätes/Frontends ergänzen lässt. Auf Benutzerseite muss dabei nichts verwaltet und gepflegt werden; das Gerät verbindet Tastatur, Maus, Bildschirm, Audio und USB Endgeräte mit einem virtuellen Windows System und verbraucht nur 3 bis 5 Watt – drei Prozent des Energieverbrauchs eines herkömmlichen PCs. 120 solche Geräte sind in Borken mittlerweile im Einsatz, in Klassen- und Schulungsräumen von vier städtischen Schulen, im Sozial- und Jugendamt und in der Volkshochschule.

„Wir haben Anfang 2006 damit begonnen, unser Storage-System in der Zentralverwaltung zu erneuern und gemeinsam mit der Zenk GmbH aus München eine Servervirtualisierung auf Basis von VMware realisiert“, erklärt Reinhard Decker, Systemadministrator in der EDV-Abteilung der Stadt Borken. Bei der Server Virtualisierung wird zwischen Benutzer und Speicher-Ressourcen eine logische Abstraktionsschicht gezogen, welche die physikalischen Eigenschaften der zugrunde liegenden Hardware verbirgt. Der IT-Abteilung in Borken ermöglicht es, die realen Server- und Netzwerkressourcen im IT-System der Stadtverwaltung intelligenter zu verteilen.

Schlanker und günstiger als Thin Clients

Auch auf Seiten des Frontends wollte man in Borken aber künftig schlanker und flexibler werden und dachte wiederholt an die Einrichtung von Citrix Thin Clients – ein Plan, der wegen der zu hohen Kosten dieser Lösung jedoch nie realisiert wurde. Als Alternative brachte die Zenk GmbH das Pano System auf den Plan. Zwei Testgeräte wurden in der IT-Abteilung installiert, einer davon an einem GIS-Arbeitsplatz; das Prinzip überzeugte und so entschied sich die Stadtverwaltung für die großflächige Einführung der Pano-Technologie. Die konsequente Desktop Virtualisierungstrategie lautet: Sobald ein PC abgeschrieben ist und ersetzt werden muss – in der Regel nach fünf Jahren – wird er durch ein Pano Device ersetzt; Ausnahme sind Einzelarbeitsplätze, die nicht am Netzwerk arbeiten.

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Schulungsräume als Einstieg

Begonnen wurde an der Cordula-Grundschule, wo Lehrer und Schüler an 16 Pano Devices in allen acht Klassenräumen Zugang zum Netzwerk, zum Internet und zu ihren Anwendungen haben. In den Sommerferien 2008 statteten Reinhard Decker und sein Team einen neuen Schulungsraum der Josef-Grundschule mit 20 Pano-Würfeln aus, im Sommer 2009 sind die Duesberg-Hauptschule, die Remigius-Hauptschule und die Maria-Sybilla-Merian-Realschule an der Reihe. „Schulungsräume sind ein guter Start und der ideale Einsatzort für die Pano-Technologie, weil dort bereits viele Endgeräte auf einem Server arbeiten“, erklärt der 46-Jährige, „im Vergleich zu einer Neuausstattung mit PCs sparen wir dort am meisten bei den Einrichtungskosten sowie dem Installationsaufwand.“

Da die Stadt bereits virtuelle VMware Server betreibt, ließ sich der Pano Manager, eine webbasierende Verwaltungsoberfläche, mit der sich virtuelle Desktops generieren und verwalten lassen, binnen kurzer Zeit auf der vorhandenen VMware ESX Installation einrichten. Die Schüler arbeiten heute weiter in der gewohnten Windows-Oberfläche, der Unterricht läuft aber flüssiger, da keine Endgeräte mehr ausfallen können, und die Administration der Desktops ist von der zentralen IT-Abteilung im Borkener Rathaus möglich.

Die Schulen waren der Einstieg und nun stellen die einzelnen Verwaltungsabteilungen peu à peu auf die Technologie um. Wann immer ein PC ausgedient hat, erhält der Mitarbeiter stattdessen ein Pano Device. Den ersten Schritt machten das Jugendamt mit 20 und das Sozialamt mit 29 Arbeitsplätzen. Die solchermaßen Ausgestatteten waren zunächst verwundet, zeigen sich aber inzwischen umso begeisterter von der neuen Technik. Uwe Zachej, Sachbearbeiter im Jugendamt: „Kein Brummen und Rauschen mehr, keine Abwärme und mehr Platz ist auch auf meinem Schreibtisch – das Pano Device ist nicht nur viel praktischer, sondern sieht auch noch schöner aus als mein alter Rechner.“

Angebunden über WAN waren neun Monate nach Einführung außerdem externe Archivkräfte und eine Kollegin der Kulturabteilung, deren Telearbeitsplatz aus einem Pano Device besteht, sowie die Hälfte der VHS-Schulungsrechner. Jede Schule verfügte zu diesem Zeitpunkt über einen VMWare Server, außerdem das Rathaus und der Volkshochschul-Schulungsraum. Bis zu 45 virtuelle Desktops kann ein Server versorgen.

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Investitionskosten um bis zu 20 Prozent gesunken

Überall wo die Möglichkeit besteht, wird die Stadt Borken ihre PCs durch Pano ersetzen, insgesamt an knapp 1.200 Arbeitsplätzen. In einigen Abteilungen sei dies schwieriger – im CAD-Bereich etwa, wo hohe Grafikleistung auf den Desktop transferiert werden muss – dort aber will das IT Team noch an der Ausstattung von Server und virtuellem Desktop feilen, um auch solche Engpässe zu bewältigen. Gerechnet nach Investitionskosten liegt die Stadt mit ihrer Pano-Lösung um 15 bis 20 Prozent günstiger als mit herkömmlichen PCs, hat man ausgerechnet. Hinzu kommen die niedrigeren Energiekosten: 3 Watt Leistungsaufnahme pro Pano Device versus 250 Watt für einen Standard-PC.

So geht auch die Stadt Borken konsequent Richtung Green IT. Die neue Arbeitsweise mit Pano will Reinhard Decker deshalb auch unter seinen Kollegen in der Anwendergemeinschaft KAAW, einem Zusammenschluss von 40 autonomen EDV-Kommunen der Region, künftig noch stärker publik machen.

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