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11. Kongress neueVerwaltung Wissensmanagement in Zeiten von Web 2.0

Autor / Redakteur: Dr. Volker Franke, dbb akademie / Manfred Klein

Der bundesweit größte eGovernment-Kongress, an dem in diesem Jahr rund 1.100 Besucher aus allen Bereichen der Öffentlichen Verwaltung teilnahmen, fand am 18. bis 19. Mai in Leipzig unter der Schirmherrschaft des Niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulff statt. In 50 Foren und Roundtabels mit fast 140 Vorträgen und Diskussionsrunden wurden alltagstaugliche Lösungen, praktische Erfahrungen, neue Projekte und Zukunftsvisionen vorgestellt. Zahlreiche kritische Diskussionsbeiträge zeigten das große Interesse der Teilnehmer.

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Podiumsdiskussion auf dem dbb-Kongress in Leipzig mit Rogall-Grothe und Christoph Lahmann
Podiumsdiskussion auf dem dbb-Kongress in Leipzig mit Rogall-Grothe und Christoph Lahmann
( Foto: Friedhelm Windmüller, dbb verlag )

Als kreative Anregung für die Diskussionen diente das zentrale Motto „Verwaltung ist Wissen“, dem die Eröffnungsveranstaltung und ein besonderer Forenstrang gewidmet war. In diesem Zusammenhang standen neue Technologien und Verwaltungsanwendungen wie die eAkte und eIdentity im Mittelpunkt des Interesses.

Zentraler Baustein der Verwaltungsreform

Zur Eröffnung des Kongresses verwies Willi Russ, Vorsitzender der dbb akademie, denn auch auf den Zusammenhang von Wissenserwerb und Fortbildung: „Die Öffentliche Verwaltung verfügt über Unmengen von Informationen. Diese zielgerichtet und mit Unterstützung modernster Technik nutzbar zu machen und Wissen daraus zu generieren, stellt eine große Herausforderung dar.“

Darüber hinaus werde die Informationstechnologie die Anforderungen an das Personal weiter verändern. „Persönliche Qualifikationen wie Teamgeist, Kommunikationsfähigkeit, Kreativität und ein hohes Maß an Eigenverantwortung sind in modernen Arbeitswelten mehr denn je gefragt“, erklärte Willi Russ und appellierte an die besondere Verantwortung der Führungskräfte für die Entwicklung und Fortbildung des Personals.

Dr. Christoph Lahmann, IT-Beauftragter des Landes Niedersachsen , betonte in seinem Eingangsvortrag „eGovernment und Web 2.0“ die Notwendigkeit, eine geänderte Verwaltungskultur zu schaffen, um das vorhandene Wissenspotenzial effizient zu nutzen. Nach seiner Einschätzung sind die Web-2.0-Technologien aber noch nicht sehr weit vorgedrungen. Bei den drei entscheidenden fachlichen Schwerpunkten – der technischen Dimension, „social media“ und den Geschäftsmodellen – müsse in unterschiedlicher Weise noch nachgearbeitet werden.

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Vom Wissensmanagement zur Wissensmobilisierung

Den notwendigen Wandel vom Wissensmanagement zur Wissensmobilisierung forderte Professor Dr. Helmut Krcmar von der Technischen Universität München in seinem Vortrag „Das Wissen der Verwaltung – Neue Wege des Wissensmanagements“.

Es komme darauf an, so Krcmar, Wissensmanagement in Zeiten von Web 2.0 als Instrument des Wandels zu begreifen. Ziel könne es nicht sein, immer mehr Wissen anzuhäufen, sondern vielmehr müsse ein der Situation angemessenes Wissen zur rechten Zeit zur Verfügung gestellt werden. Wissen zu teilen – das sei in Zeiten von Web 2.0 der alles bestimmende Trend.

Die anschließende Podiumsdiskussion unter Beteiligung von Cornelia Rogall-Grothe, Staatssekretärin im Bundesministerium des Innern, Volker Halsch, Mitglied der Geschäftsleitung Vivento, Dr. Josephine Hofmann, Fraunhofer Institut Arbeitswirtschaft und Organisation IAO, Marianne Wulff, Geschäftsführerin VITAKO, und Dr. Christoph Lahmann brachte viele interessante Denkanstöße.

Unter der Moderation von Manfred Klein, Redaktionsleiter der Fachzeitschrift eGovernmentComputing, diskutierten die Teilnehmenden das Kongressmotto Verwaltung ist Wissen unter den Aspekten Personal, Netzwerke und Hierarchien. Dabei ging es um das Spannungsverhältnis von rechtssicherem Verwaltungshandeln, Mitarbeiterführung, Wissensmanagement und Bürgerorientierung.

Die neue Bundes-CIO Rogall-Grothe verwies dabei auf die hohen Anforderungen, die die Informationsflut an die Öffentliche Verwaltung stelle und betonte, dass die Verwaltung schnell auf neue Entwicklungen reagieren müsse. In jüngster Zeit berücksichtige die Bundesregierung auch verstärkt Möglichkeiten der Bürgerbeteiligung bei der Beratung von Gesetzen und Projekten.

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Zwischen Rechtsstaatlichkeit und Bürgerorientierung

Dr. Lahmann plädierte dafür, dass sich die Verwaltung den modernen Entwicklungen wie dem Web 2.0 und den Social Networks stärker öffnet. Ansonsten werde man zum Getriebenen informationstechnischer Megatrends. Die Verwaltung sollte sich an der Wirtschaft orientieren und im Sinne von One-face-to-the-customer agieren. Hier sei noch erhebliches Potenzial vorhanden. Die Personalentwicklung leide unter fehlender Kongruenz zwischen Fach- und Führungslaufbahn. Es müsse zudem mehr und bessere Möglichkeiten für Team- und Projektarbeit und flachere Hierarchien geben.

Dr. Wulff verwies darauf, dass aktuelle politische Bewegungen wesentlich durch das Web 2.0 organisiert würden und die Öffentliche Verwaltung hier sehen könne, welche Themen die Bürger bewegen. Dabei könne die Verwaltung auch ein eigenes Agenda Setting lernen. Sie griff die These von Prof. Krcmar auf und plädierte für ein effizientes, abgestimmtes, föderales Wissensmobilisierungsprogramm. Die mit dem Internet aufgewachsene Generation der Digital Natives sei bereits in der Verwaltung angekommen und biete eine große Chance für interne Modernisierungen.

Volker Halsch unterstützte diese These mit dem Hinweis, dass traditionelle Hierarchien umgangen würden, wenn sie nicht reagierten. Digital Natives seien daher schwer in Hierarchien einzubinden. Andererseits benötige man sie dringend und müsse überlegen, wie man sie für die Verwaltung gewinnen könne.

Dr. Josephine Hofmann hob in diesem Zusammenhang die Bedeutung der Fortbildung innerhalb der Verwaltung hervor und verwies darauf, dass hier ein langer Atem erforderlich sei.

Skepsis ließ Rogall-Grothe am Ende der Diskussion erkennen: Hierarchien verlören zunehmend an Bedeutung, weil die moderne Verwaltungskultur die Mitwirkung aller Beteiligten im Blick habe und stark auf Teamarbeit setze. Allerdings müsse die rechtsstaatliche Verwaltung dauerhaft zuverlässig arbeiten und könne sich nicht in Projektgruppen auflösen. Das Prinzip der Zuständigkeit sei eine wesentliche Sicherung für das Verwaltungshandeln.

Fachlich und inhaltlich unterstützt wurde die Veranstaltung durch das Partnerland Niedersachsen, das Bundesministerium des Innern, das Fraunhofer eGovernment-Zentrum und die Bundes-Arbeitsgemeinschaft der Kommunalen IT-Dienstleister (VITAKO).?

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