eGovernment-Wettbewerb

Wissensmanagement ebnet den Weg

11.03.2009 | Autor / Redakteur: Manfred Klein / Manfred Klein

Die schnelle Sichtung und effiziente Nutzung digital hinterlegter Informationen wird auch in Verwaltungen immer mehr zur Herausforderung. Das österreichische Bundesministerium der Finanzen hat dafür ein Wissensmanagementsystem für Behörden entwickelt, das der Jury des eGovernment-Wettbewerbs einen Preis in der Kategorie „Preis der Wissenschaft – Innovativste eGovernment-Anwendung“ wert war.

Das System wurde vom österreichischen Bundesministerium für Finanzen in Zusammenarbeit mit einem Forschungskonsortium (bestehend aus m2n Consulting and Development, Know-Center Graz, Institut für Wissensmanagement der TU Graz, HP Austria) entwickelt und im Rahmen eines Pilotprojekts eingesetzt: Das Wissensmanagementsystem Dyonipos (DYnamic ONtology based Integrated Process OptimiSation) sammelt mithilfe moderner Technologien selbstständig Informationen und stellt diese, entsprechend dem Bedarf der Benutzer, zusammen. Recherche- und Analyseaufwand lassen sich so reduzieren, ohne dass für die Verwaltungsmitarbeiter zusätzliche Arbeit anfällt.

Eine Entwicklung, die beim eGovernment-Wettbewerb 2008, ausgerichtet von der Management- und Technologieberatung BearingPoint und dem Technologieanbieter Cisco, von der Expertenjury honoriert wurde. Für das Projekt „Dyonipos Use Case BMF“ wurde das Bundesministerium für Finanzen, Österreich, mit dem „Preis der Wissenschaft – Innovativste eGovernment-Anwendung“ ausgezeichnet.

Intelligente IT kann Berge versetzen

Möglich machen dies ein intelligenter Prozess und ausgeklügelte IT: So basiert Dyonipos auf semantischen Technologien, Methoden des Knowledge Discovery und Methodologien wie Knowledge Flow Analysis. Damit lässt sich Wissen aus von Mitarbeitern produzierten Artefakten, zum Beispiel aus Texten, eMails und elektronischen Akten, erschließen und in einer organisationsweiten Wissensbasis abbilden. Ein intelligenter, selbstlernender Assistent, stellt den Mitarbeitern aktuell benötigtes Wissen interaktiv zur Verfügung und schlägt kontextabhängig nächste Arbeitsschritte vor.

Dyonipos erkennt aus den Interaktionen der Mitarbeiter, welche Tätigkeiten Benutzer ausüben und analysiert die Informationsressourcen, auf die sie zugreifen. Das System leitet daraus dann den konkreten Arbeitskontext ab. So identifiziert es zum Beispiel, ob der Benutzer im Internet nach Informationen sucht oder etwa an einer Präsentation arbeitet. Aus Inhalten, extrahierten Konzepten, Verknüpfungen sowie Interaktionen entsteht dadurch „on the fly“ eine persönliche Wissensbasis. Dyonipos unterstützt so nicht nur die Weitergabe von öffentlichem Wissen, sondern verbessert auch den Wiederzugriff auf individuelles Wissen (zum Beispiel gespeichert auf einem Mitarbeiter-PC, einsehbar nur vom jeweiligen Mitarbeiter). Das System erkennt durch seine kontextsensitive Herangehensweise auch implizites Wissen – also Wissen, das bis dato nur in den Köpfen der Mitarbeiter gespeichert war. So gibt es Mitarbeitern auch Namen von Personen weiter, die passendes implizites Wissen besitzen. Um den Datenschutz zu gewährleisten, werden selbstverständlich nur Namen von Personen weitergegeben, die in einer „Whitelist“ als Teilnehmer von Dyonipos geführt sind. Aus dem ermittelten Kontext identifiziert das intelligente System anschließend den Informationsbedarf des Nutzers und setzt selbstständig automatisch optimierte Abfragen an eine semantisch konsolidierte Wissensbasis ab. Der intelligente persönliche Assistent sucht nach Informationen – zum Beispiel nach Dokumenten, Webseiten, Akten oder Kollegen, die bei der aktuellen Arbeit weiterhelfen können sowie nach verwandten Begriffen („Konzepten“) und Organisationen. Diese Informationsressourcen bietet Dyonipos den Verwaltungsmitarbeitern dann von sich aus umgehend, also „just in time“ an. Darüber hinaus haben die Mitarbeiter die Möglichkeit, durch Eingabe von Suchbegriffen selbstständig zu suchen, was die Kontextsensitivität des Systems erhöht.

Interessante Ressourcen – wie etwa gefundene Internet-Seiten – können Benutzer ganz einfach für die organisationsinterne Wissensbasis freigeben. Dieses dynamisch wachsende Gedächtnis der Organisation beinhaltet zentrale Datenbestände, wie etwa verschiedene Datenbanken oder Akten des Ministeriums, und analysiert und verknüpft deren Inhalte mithilfe semantischer Methoden. Die derart angereicherte Wissensbasis wird dem Benutzer wiederum proaktiv zur Verfügung gestellt.

 

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