Interview

Wissen, was Ämter und Behörden brauchen

| Autor: Manfred Klein

Juan Perea Rodríguez ist Head of Public Sector Central Europe und setzt für weiteres Wachstum auf mehr Services
Juan Perea Rodríguez ist Head of Public Sector Central Europe und setzt für weiteres Wachstum auf mehr Services (© CHRISTOPH VOHLER MUNICH GERMANY)

Der Public-Sector-Chef von Fujitsu, Juan Perea Rodriguez, setzt für mehr Wachstum auf den Ausbau von Dienstleistungen und Services. eGovernment Computing sprach mit Perea Rodriguez darüber, wie dies umgesetzt werden soll.

Herr Perea Rodriguez, Sie haben vor rund einem halben Jahr die Leitung des Geschäftsbereichs Öffentliche Verwaltungen bei Fujitsu übernommen. Was wird sich unter Ihrer Ägide verändern?

Perea Rodriguez: Dazu muss ich ein wenig ausholen. Ich bin seit 18 Jahren bei Fujitsu, seit 18 Jahren bin ich im Bereich Öffentliche Auftraggeber tätig. Deswegen konnte ich in unterschiedlichen Führungspositionen die Strategie von Fujitsu im Public Sector mit gestalten. Insofern ist im Geschäftsbereich der Öffentlichen Verwaltungen keine strategische Neuausrichtung erforderlich, wohl aber müssen wir weiter justieren. Ein radikaler Wechsel wäre kontraproduktiv und gefährlich. Wir haben über Jahrzehnte stabile Kundenbeziehungen und ein enormes Fachwissen aufgebaut. Deswegen behalten die regionale Nähe zu den Verwaltungen und öffentlichen Einrichtungen. Querschnittsthemen werden wir überregional behandeln und auch die internationalen Kompetenzen und das Know-how zielgerichteter nutzen. Mit dem strategischen IT-Consulting und mit dem strategischen Account-Management verfügen wir über zwei Bereiche, die sich überregional um die neuen Entwicklungen in der IT und der Digitalisierung kümmern wird. Das bauen wir aus, ebenso das Business Development.

Was steckt genau dahinter?

Perea Rodriguez: In den strategischen Accounts begleiten wir die Entwicklungen in den Bundesländern und beim Bund. Diese Herangehensweise hat sich besonders bewährt, wenn Bundesländer bei Projekten – wie zum Beispiel KONSENS – zusammenarbeiten. Die strategischen Account Direktoren bewegen sich auf einem hohen politischen Level und sehen, wie sich die Sachlage in ihren jeweiligen Spezialgebieten – wie Renten- und Steuerverwaltung, Innere Sicherheit oder Gesetzliche Krankenversicherungen – entwickelt. Hinkommen unsere strategischen IT-Consultants. Sie entwickeln neue Konzepte und Lösungen und beraten Öffentliche Verwaltungen in neuen Projekten und Digitalisierungsvorhaben.

Warum diese Anpassungen?

Perea Rodriguez: Wir haben erkannt, dass es im Rahmen der digitalen Transformation nicht mehr genügt, nur die IT-Abteilungen in den Verwaltungen zu bedienen. Immer häufiger haben bei großen Projekten die Verantwortlichen auf der Fachebene das Sagen. Künftige Projekte in der Digitalisierung werden strategisch sein. Sie müssen flexibel und agil gestaltet werden. Teilweise muss man auch ergebnisoffen neue Themen angehen. Diese Themen werden nicht mehr in den Beschaffungsbereichen und in den der Rechenzentren entschieden. Hier geht es um Themen der Fachverwaltung. Die Verantwortlichen für die Fachprozesse und die politischen Verantwortlichen sind hier gefragt. Wir müssen mehr und mehr wissen und verstehen, was die Verwaltungen bewegt, was ihre Ziele sind, wie sie ihren Dienstleistungsauftrag künftig erfüllen können.

Gut, das Bewährte bleibt. Aber was ändert sich?

Perea Rodriguez: Auf der Basis eines starken Infrastrukturgeschäfts wollen wir in Zukunft vor allem bei Dienstleistung und Services wachsen. Hierzu haben wir einen Service-Wachstumsplan erstellt. Dieser Wachstumsplan ist aus Kundenbefragungen, aus Marktanalysen und einer von uns in Auftrag gegebenen Studie zu den wichtigsten Marktthemen entstanden. Uns geht es darum, richtigen Entwicklungen zu unterstützen und nachhaltig zu sein. Dabei werden wir den Wachstumsplan immer wieder agil anpassen, an die politische, gesellschaftliche und ökonomischen Herausforderungen und die Entwicklungen in der Technik.

Was hat die Studie gezeigt?

Perea Rodriguez: Für uns waren zwei zentrale Ergebnisse sehr interessant: Verwaltungen und Bürgern ist es besonders wichtig, den Nutzer beziehungsweise Anwender in den Mittelpunkt zu stellen. Das hat unsere Strategie einer so genannten „Human Centric Intelligent Society“ bestärkt. Zudem haben wir klare Erkenntnisse darüber gewonnen was die künftigen Topthemen in den deutschen Verwaltungen sind.

Und wie können Sie die Ergebnisse nutzen?

Perea Rodriguez: Wir werden unsere Kapazitäten – auch unsere personellen Kapazitäten proaktiv auf diese Bereiche ausrichten und gemeinsam mit den Verwaltungen Know-how aufbauen. Unser Strategisches IT-Consulting (SITC) konnten wir entsprechen ausbauen und weiter optimieren. Hierzu haben und werden wir weitere Mitarbeiter einstellen und qualifizieren. Diese arbeiten in gemischten Teams mit erfahrenen Kollegen ausschließlich im Bereich der Öffentlichen Verwaltung und beschäftigen sich intensiv mit den gesetzlichen, politischen und gesellschaftlichen Anforderungen.

Welche Wachstumsbereiche konnten durch die Studie noch identifiziert werden?

Perea Rodriguez: Lassen Sie mich noch kurz etwas zur Digitalisierung der Verwaltung sagen. Wir bauen in diesen Bereichen – wie zum Beispiel bei der eAkte – Ecosysteme und strategische Partnerschaften auf. Das ermöglicht es uns, in einem kooperativen Vorgehen gemeinsam mit Verwaltungen und öffentlichen Einrichtungen zukunftsfähige Lösungen zu entwickeln.

Wie gehen Sie den zahlenmäßig großen Markt der Kommunen an?

Perea Rodriguez: Im Bereich der Kommunen arbeiten wir mit vielen mittelständischen Systemhäusern und Beratungsunternehmen zusammen. Fujitsu hat in Deutschland im Geschäftsfeld der öffentlichen Auftraggeber rund 160 Vertriebs-Mitarbeiter. Das ist mehr Personal als viele andere große Anbieter in Deutschland in diesem Umfeld beschäftigen. Aber auch wir können nicht jede Kommune einzeln betreuen. Das können lokale Partner gemeinsam mit uns deutlich besser.

Arbeiten Sie auch mit dem Channel zusammen?

Perea Rodriguez: Ja, und auch beim Channel-Vertrieb haben wir uns sukzessive weiter entwickelt. Ich komme noch einmal auf die eAkte zurück, weil dieses Thema auch in den Kommunen zunehmend wichtig wird. Deswegen werden wir dieses spezielle Segment weiterhin pflegen, ausbauen und mit Blick auf unsere Strategie an der einen oder anderen Stelle flexibel und agil anpassen.

Und die anderen Säulen des Wachstumsprogramms von Fujitsu?

Perea Rodriguez: Die zweite Säule ist die IT-Sicherheit. Fujitsu-Mitarbeiter arbeiten rund um die Welt – übrigens auch an unseren deutschen Standorten – an Fragen der IT-Sicherheit. Dabei können wir zusammen mit unseren Partnern von Hard- über Software sowie Services alle Bereich bedienen, der sicherheitstechnisch für die öffentliche Hand relevant sind. Das dritte Thema ist Smart Government.

Wie kommen Sie darauf?

Perea Rodriguez: Auch dieses Thema wurde in der anfangs erwähnten Marktstudie bestätigt. Denn die Ergebnisse haben unsere Erfahrungen gestützt, dass gerade in den Bereichen Smart Cities, Bürgerservices oder der Versorgung vor Ort die Nachfrage der Verwaltungen und von Unternehmen stark ansteigen wird.

Haben Sie das Thema IT-Konsolidierung im Blick?

Perea Rodriguez: Ja, denn das ist unser vierter Fokus- und Wachstumsbereich. Wobei wir die Konsolidierung unter zwei Aspekten betrachten. Den einen Aspekt kennen wir aus unserer Firmenhistorie besonders gut: die Konsolidierung im Rechenzentrum. Auf der anderen Seite sind wir auch im Bereich der Organisationsberatung aktiv, unterstützen Öffentliche Verwaltungen in Bund-, Ländern und Kommunen bei Konsolidierungsprojekten oder bei der Optimierung und Digitalisierung ihrer Prozesse.

Wie sieht das Smart-City-Konzept von Fujitsu aus?

Perea Rodriguez: Wir haben uns hier zunächst einmal angesehen, was in anderen Ländern bei Fujitsu passiert. Schließlich ist es nicht ideal und außerdem zu teuer, das Rad in allen Regionen neu zu erfinden. Besonders mit unseren Kollegen in Japan, aber auch in den europäischen Nachbarländern, arbeiten wir intensiv zusammen. Wir setzen auf etablierte Entwicklungen und Verfahren auf und entwickeln diese gemeinsam mit unseren Kunden vor Ort weiter.

Ein Beispiel: Kollegen in Japan haben eine KI-Anwendung entwickelt, die es Stadtverwaltungen erlaubt, ganz unterschiedliche Bereiche einer Stadt zu steuern. Das reicht vom Verkehrsnetz über die Energieversorgung bis hin zur Parkraumbewirtschaftung und zum Katastrophenschutz. Eine Katastrophe wie bei der Love Parade in Duisburg hätte sich mit diesem System aller Voraussicht nach verhindern lassen. Hier kommt unsere Beratungskompetenz wieder ins Spiel. Solche Lösungen können Sie nicht im Labor entwickeln. Sie müssen in jedem Einzelfall an die spezifischen Bedürfnisse der Kunden in Kommunen, bei den Ländern oder im Bund angepasst werden. In gewisser Weise schließt sich hier also der Kreis.

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