Interview

Wirtschaftliche Prosperität durch Verwaltungsreform

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Welche Chancen und Risiken sind mit dem Open-Source-Einsatz verbunden?

Freise: Für einen wirtschaftlichen IT-Einsatz bilden Herstellerunabhängigkeit und Offenheit gegenüber unterschiedlichen Lösungen wesentliche Randbedingungen. Die IT-Strategie des Landes Berlin beruht daher auf offenen IT-Architekturen mit offenen, herstellerneutralen Standards. So werden die Voraussetzungen für eine Gleichberechtigung von herkömmlicher und offener Software geschaffen. Damit können, entsprechend den funktionalen Anforderungen, die jeweils geeigneten technischen Lösungen beschafft und eingesetzt werden.

Für den Einsatz von Open Source im Bereich der IT-Infrastruktur sind dabei unter Wirtschaftlichkeitsaspekten die Lauffähigkeit und die Kosten der Umstellung und Anpassung von Fachverfahren als kritische Entscheidungsfaktoren anzusehen. Denn gerade hinsichtlich der Open-Source-Fähigkeit von IT-Anwendungen wird sehr deutlich, dass die Abhängigkeiten einer Vielzahl von IT-Verfahren vom Betriebssystem und anderen proprietären Programmen sehr vielschichtig sind und deshalb noch erhebliche Anstrengungen unternommen werden müssen, bis IT-Anwendungen Open-Source-fähig sein werden.

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Ich möchte in diesem Zusammenhang noch betonen, dass aus meiner Sicht in der Senkung der Betriebs- und Bereitstellungskosten erhebliche wirtschaftliche Potenziale beim Betrieb von IT-Infrastukturen liegen. Diese Potenziale lassen sich durch eine Vereinheitlichung und Optimierung der damit verbundenen Arbeitsprozesse realisieren. Hierzu wird derzeit unter Federführung der Senatsverwaltung für Inneres und Sport ein umfassendes Projekt durchgeführt.

Berlin will mit den genannten Projekten eine „deutliche Steigerung von Service und Qualität“ erreichen. Was genau muss man sich darunter vorstellen, und wie sehen die dazu vereinbarten Ziele aus?

Freise: Wie bereits gesagt, dient Verwaltungsmodernisierung in Berlin heute vor allem der Erhöhung der wirtschaftlichen Prosperität und Lebensqualität und unterliegt nicht mehr so sehr dem Spardiktat, wie dies noch zu Beginn der Fall war. Was wir mit Verwaltungsmodernisierung erreichen wollen, dürfte bereits klar geworden sein. Ganz generell streben wir an, sämtliche Leistungen der Berliner Verwaltung möglichst kundenfreundlich anzubieten. Zunächst setzt dies voraus, dass sich unsere Kunden jederzeit über unser Leistungsangebot und die notwendigen Schritte dorthin informieren können. Auch sollen möglichst sämtliche Kommunikationskanäle, neben dem persönlichen und telefonischen Kontakt die schriftliche und elektronische Kommunikation, für eine Kontaktaufnahme zur Verfügung stehen. Die einmalige Kontaktaufnahme sollte dann möglichst ausreichen, um die gewünschte Leistung innerhalb eines angemessenen Zeitrahmens aus einer Hand zu erhalten. Für das Online-Angebot bedeutet dies, den Kunden neben der Bereitstellung von Information und dem Herunterladen von Formularen verstärkt auch elektronische Anwendungen wie am Computer auszufüllende und elektronisch zu versendende Formulare oder elektronische Bezahlmöglichkeiten einzurichten. Ein gutes Beispiel dafür, was wir unter einer Verbesserung von Service und Qualität verstehen, ist die Online-Gewerbeauskunft, die in Kürze zur Verfügung stehen wird. Dank der Umstellung auf eine Online-Anwendung werden Unternehmen künftig statt der bisher üblichen neun Tage nur noch etwa zwei Minuten auf eine Gewerbeauskunft warten müssen.

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