Interview

Wirtschaftliche Prosperität durch Verwaltungsreform

Seite: 3/6

Firmen zum Thema

Welche IT-Projekte spielen dabei aus welchem Grund eine wichtige Rolle?

Freise: Zentral für die Wirtschaft ist die elektronische Verfahrensabwicklung über einen Einheitlichen Ansprechpartner. Von dieser klaren Front-Office-Struktur infolge der Umsetzung der EU-Dienstleistungsrichtlinie werden Dienstleistungsunternehmen aus dem europäischen Raum, aber auch inländische Unternehmen erheblich profitieren. Für die Bürgerinnen und Bürger besonders wichtig ist die Umsetzung des Projekts „Online-Bürgerdienste“, wodurch zahlreiche Leistungen der Berliner Verwaltung online erhältlich sind. Eine Voruntersuchung hat uns zunächst gezeigt, welche Leistungen besonders häufig nachgefragt werden. Elf dieser Leistungen der Bürgerämter wie Kfz-Halterdatenänderungen können relativ problemlos – nach derzeitigem Stand 2009 – auch online bereitgestellt werden. Bei anderen Leistungen gestaltet sich die Bereitstellung schwieriger, da hier allein eine qualifizierte elektronische Signatur das persönliche Erscheinen im Bürgeramt ersetzen kann. Voraussichtlich 2011 sollte es dann aber möglich sein, unter anderem eine der häufigsten Dienstleistungen, das An- und Abmelden einer Wohnung, über das Internet zu erledigen. Die Bundesregierung hat mit ihrem Beschluss vom 23. Juli 2008 über den Entwurf des Gesetzes über Personalausweise und den elektronischen Identitätsnachweis eine wichtige Entscheidung getroffen. Der neue Personalausweis soll den elektronischen Geschäftsverkehr für Bürger, Wirtschaft und Verwaltung sicherer und einfacher machen.

Welche Rolle spielt in diesem Zusammenhang das Open-Source-Projekt des Landes Berlin?

Freise: Software auf Basis von Open Source wird in der Berliner Verwaltung in den unterschiedlichsten Bereichen eingesetzt. Das reicht von OpenOffice im Clientbereich bis hin zu IT-Verfahren, die auf einer Open-Source-Basis aufbauen. Ein Beispiel ist das elektronische Verfahren zur Inventarisierung und Registrierung von Anfragen (ELVIRA) bei der ordentlichen Gerichtsbarkeit oder das Start-Infosystem der Berliner Bürgerämter. Open-Source-Anwendungen finden sich aber auch noch in anderen Bereichen der Berliner Verwaltung, insbesondere zur Unterstützung von Administrationsaufgaben oder bei der IT-Sicherheit. Insofern kann man nicht von einem Open-Source-Projekt sprechen.

Bildergalerie

Im Rahmen der dezentralen Verantwortung der einzelnen Behörden der Berliner Verwaltung für den IT-Einsatz ist selbstverständlich auch immer die Frage zu prüfen, ob durch den Einsatz von Open-Source-Software eine wirtschaftliche und anforderungsgerechte IT-Unterstützung erreicht werden kann. So hat beispielsweise der Bezirk Tempelhof-Schöneberg in den zurückliegenden Jahren einzelne Versuche unternommen, die IT-Infrastruktur auf ein Linux-System umzustellen.

Von großer Bedeutung ist auch ein laufendes Projekt des zentralen IT-Dienstleisters des Landes Berlin, des IT-Dienstleistungszentrums (ITDZ). Der Senat hat mit dem ITDZ vereinbart, den Prototyp eines PC-Arbeitsplatzes auf Basis von Open-Source-Software bereitzustellen. Das ITDZ hat diesen Arbeitsplatz mit externer Unterstützung eines Berliner Unternehmens entwickelt. Er bietet neben dem Open-Source-Betriebssystem (Linux) Standardfunktionalitäten wie Bürokommunikation (OpenOffice) und Virenschutz an. Ich sehe darin einen wichtigen Schritt, um eine Herstellerunabhängigkeit der Betriebssysteme und Bürokommunikationssoftware von IT-Standardarbeitsplätzen zu erreichen.

Artikelfiles und Artikellinks

(ID:2014597)