Schleswig-Holstein gründet mit Partnern das Joint Innovation Lab

„Wir wollen Neues schaffen“

| Autor: Manfred Klein

(v. l.) Bürgermeister Jan Lindenau, Präsidentin der Universität zu Lübeck Prof. Dr. Gabriele Gillessen-Kaesbach, Minister-präsident Daniel Günther, Chef der Staatskanzlei Dirk Schrödter und MACH-Vorstandsvorsitzender Rolf Sahre bei der Eröffnung des Joint Innovation Lab
(v. l.) Bürgermeister Jan Lindenau, Präsidentin der Universität zu Lübeck Prof. Dr. Gabriele Gillessen-Kaesbach, Minister-präsident Daniel Günther, Chef der Staatskanzlei Dirk Schrödter und MACH-Vorstandsvorsitzender Rolf Sahre bei der Eröffnung des Joint Innovation Lab (© Fotowerker– Ganzer&Berg GbR)

Schleswig-Holstein unterstützt die Gründung des Joint Innovation Labs in Lübeck und will das Lab auch als „Kaderschmiede“ für künftige „eGovernment-affine“ Verwaltungsfachleute nutzen. eGovernment Computing sprach mit dem Chef der Staatskanzlei in Kiel, Dirk Schrödter, über die Hintergründe.

Herr Schrödter, das Land Schleswig-Holstein hat kurz vor dem Jahreswechsel zusammen mit der MACH AG, der Stadt Lübeck und der Universität Lübeck das Joint Innovation Lab (JIL) eröffnet. Wie passt das Innovation Lab in die Digitalisierungsstrategie des Landes Schleswig-Holstein?

Schrödter: Die Digitalisierung erfasst in einem atemberaubenden Tempo alle Lebens- und Politikbereiche, und ihre Folgen sind durchaus mit denen der industriellen Revolution vergleichbar. Schleswig-Holstein will in allen Bereichen der Digitalisierung eine Vorreiterrolle einnehmen. Wir wollen hier gestaltend tätig sein, um den Anschluss nicht zu verlieren. Die Koalition hat dazu ein Digitalisierungsprogramm verabschiedet, das konkret Maßnahmen und Projekte beschreibt und mit einem strategischen Überbau versieht.

Der Chef der Kieler Staatskanzlei, Dirk Schrödter, sieht im Joint Innovation Lab eine Möglichkeit, die Standortqualität von Schleswig-Holstein zu verbessern
Der Chef der Kieler Staatskanzlei, Dirk Schrödter, sieht im Joint Innovation Lab eine Möglichkeit, die Standortqualität von Schleswig-Holstein zu verbessern (© Frank Peter)

Nehmen Sie als Beispiel die Entwicklungen im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI). Daten, die automatisch und intelligent verarbeitet werden, versprechen völlig neue Anwendungen – mit riesigen Chancen für unsere Wissenschaft, Wirtschaft und Verwaltung. Die KI wird sich schon in wenigen Jahren zur Basistechnologie der Digitalisierung entwickeln – und damit quasi zur Dampfmaschine des Informationszeitalters. In der Folge werden sich neue Berufs- und Tätigkeitsfelder entwickeln. Von dieser Entwicklung darf sich auch die Öffentliche Verwaltung nicht ausnehmen, denn hier liegen große Potenziale, und die wollen wir nutzen.

Wir wollen – auch weil wir darin einen ganz erheblichen Standortvorteil im internationalen Wettbewerb sehen – eine moderne Verwaltung. Die wird über eGovernment-Anwendungen für Bürger sowie Unternehmen schnelle und vertrauenswürdige Verwaltungsdienstleistungen erbringen.

Mit dem Joint Innovation Lab schaffen wir – wenn Sie so wollen – ein Ökosystem, in dem sich die unterschiedlichen Akteure über bedeutsame Entwicklungen austauschen und neue Anwendungen erproben können. So arbeitet etwa die MACH AG bereits an Lösungen für den Einsatz von KI-Systemen in der Öffentlichen Verwaltung. Das heißt für uns in der Verwaltung: Wir werden unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zur Fort- und Weiterbildung in das Joint Innovation Lab schicken. Hier sollen sie bei verschiedenen Digitalisierungsprojekten mitarbeiten. Von den im Lab gesammelten Erfahrungen kann anschließend die Verwaltung profitieren. Und über eine Kooperation mit der Universität Lübeck wollen wir Anwendungsaspekte der Digitalisierung in die Ausbildung unserer Verwaltungsangestellten und Beamten integrieren. An diesem Projekt arbeiten die Uni Lübeck, das JIL und unsere Verwaltungsfachhochschule. Sie sehen, wir haben viele Gründe, das Joint Innovation zu unterstützen.

Das Joint Innovation Lab wird derzeit von den eingangs erwähnten Partnern getragen. Wie werden die unterschiedlichen Interessen der Träger aufeinander abgestimmt?

Schrödter: Neues kann nur entstehen, wenn unterschiedliche Interessenslagen aus Wirtschaft, Ingenieur- und Verwaltungswissenschaften zusammenkommen. Das Joint Innovation Lab soll ja neue Ideen kreieren. Ich bin überzeugt, dass uns das auch gelingen wird.

Erklärt dieses Vertrauen auch das finanzielle Engagement des Landes für die kommenden Jahre?

Schrödter: Ja, natürlich. Wobei dabei zwei Dinge unterschieden werden müssen. Wir haben zum einen das Joint Innovation Lab mit einer Landesförderung in Höhe von 200.000 Euro ausgestattet. Zum anderen finanzieren wir – zunächst für die kommenden fünf Jahre – an der Universität Lübeck einen eGovernment-Lehrstuhl. Wie schon erwähnt, beinhaltet letzteres auch eine Kooperation mit der Verwaltungshochschule des Landes Schleswig-Holstein. Damit stellen wir sicher, dass unser Verwaltungsnachwuchs auch fit für die Herausforderungen der Digitalisierung ist. Die Professorin, die jetzt den Ruf erhalten hat, ist Informatikerin und hat darüber hinaus einen betriebswirtschaftlichen Hintergrund. Das heißt, dieser Lehrstuhl wird nicht nur IT-Techniker „ausspucken“, sondern vor allem eGovernment-affine Verwaltungsmitarbeiter schaffen.

Die MACH AG ist ja ein rein schleswig-holsteinisches Gewächs, steht das Joint Innovation Lab dennoch auch anderen Partnern aus der Wirtschaft offen?

Schrödter: Ich finde, in der heutigen Zeit müssen wir viel mehr auf Vernetzung achten. Wir müssen Wirtschaft, Wissenschaft, Verwaltung zusammenbringen. Nehmen wir die Wind-Energie-Branche; da funktioniert das etwa an der Westküste vielfach sehr gut. An der Fachhochschule in Heide gibt es genau diesen Gedanken: Wirtschaft, Wissenschaft, Verwaltung zusammenbringen. Hier im Joint Innovation Lab mit seinen eigenen Räumlichkeiten ist der Geist, mit dem wir solche Projekte im Land umsetzen wollen, natürlich besonders präsent.

Herr Schrödter, kommen wir abschließend noch einmal auf die Digitalisierungsstrategie von Schleswig-Holstein zurück. Die Strategie soll das Land ja fit machen für die Herausforderungen der Digitalisierung. Da sind zahlreiche und vor allem komplexe Aufgaben zu erledigen. Da kann das Joint Innovation Lab nur ein Baustein unter vielen anderen sein, der aber in übergeordnete Maßnahmen eingebettet sein muss. Wie werden die einzelnen Maßnahmen also abgestimmt?

Schrödter: Ich habe ja eingangs schon unser Digitalisierungsprogramm erwähnt, das Programm spielt auch bei der Koordination unserer verschiedenen Projekte und Aktivitäten eine ganz wesentliche Rolle. Immerhin hat die Landesregierung inzwischen rund 250 Einzelmaßnahmen definiert, das muss natürlich auch über alle Politikbereiche hinweg entsprechend koordiniert werden.

Ein ganz wesentlicher Teilbereich ist dabei die Öffentliche Verwaltung. Hier kümmern wir uns auch um die Weiterentwicklung von eGovernment. Unser Ziel ist es, moderne und umfassende Online-Dienstleistungen für Bürger und Unternehmen zu schaffen. Dabei spielt die Umsetzung des Online-Zugangsgesetzes (OZG) eine entscheidende Rolle.

Schleswig-Holstein hat übrigens für den OZG-Themenkomplex „Umwelt“ zusammen mit Rheinland-Pfalz die Federführung übernommen. Das passt bei uns auch ganz gut, da die Digitalisierungsaufgaben in Schleswig-Holstein auch im Umweltministerium verankert sind, da lassen sich also zahlreiche Schnittstellen nutzen.

Damit wollen wir nicht nur einen Beitrag zur OZG-Umsetzung leisten, ich kann ohne Übertreibung sagen, dass wir im Rahmen des Projektes bereits gute Fortschritte erzielen konnten.

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