Sachsen-CIO Dr. Bernhardt im Interview

„Wir wollen die Kommunen nicht alleine lassen“

| Redakteur: Manfred Klein

Mit dem IT-Planungsrat haben Sie schon einen Schwerpunkt der neuen Strategie genannt. Welche weiteren Schwerpunkte hat die neue Strategie?

Bernhardt: Die neue Strategie hat – auch angesichts der Ereignisse und Erkenntnisse des vergangenen Jahres – IT-Sicherheit und Datenschutz als ganz wesentliche Aspekte benannt. Wir mussten im vergangenen Jahr ja alle erleben, welche Unsicherheit und Vertrauensverluste durch das Bekanntwerden fremder Geheimdienstaktivitäten in der Bevölkerung erzeugt wurden. Daher kam es darauf an, in der Strategie den Bereich des Datenschutzes und der Datensicherheit besonders zu betonen und zu verstärken.

Wir wollen klarmachen, dass wir in Sachsen das Vertrauen der Bürger und auch der Wirtschaft in eine sichere Nutzung der Informationstechnik und des eGovernment wiedergewinnen wollen. Ebenso kam es uns darauf, an darzustellen, wie wir beispielsweise das sächsische Verwaltungsnetz fortentwickeln wollen, um den Nutzern neue technische Möglichkeiten zu geben, es aber in der Zukunft weiterhin gegen Gefahren für die IT-Sicherheit und den Datenschutz absichern zu können.

Auch Computer Emergency Response Teams, sogenannte CERTs, wollen wir im Freistaat weiter ausbauen, um die IT-Sicherheit in Sachsen gewährleisten zu können und die diesbezügliche Zusammenarbeit mit dem Bund und den anderen Ländern auszubauen. Übrigens stand das Thema IT-Sicherheit im IT-Planungsrat und im sächsischen IT-Kooperationsrat schon des Öfteren auf der Agenda. IT-Sicherheit ist auch ein ganz wesentliches Element unserer neuen IT-Strategie.

Das zweite wichtige Strategiethema widmet sich der fortschreitenden Virtualisierung der Zusammenarbeit in Sachsen. Im Zusammenhang damit formuliert die Strategie auch die Grundlagen unserer Aktivitäten beim Thema Cloud Computing. Ein weiteres Thema schließlich ist die Schaffung beziehungsweise Fortentwicklung der sogenannten modernen Bürgerservices. Auch das stand 2009 noch nicht auf der Agenda.

Doch heute – auch vor dem Hintergrund des demografischen Wandels – muss man sich intensiv mit der Frage beschäftigen, wie man auch denjenigen Bürgern den Zugang zur Verwaltung mit den Möglichkeiten des eGovernment gewährleisten kann, die nicht mit der Informationstechnik aufgewachsen sind und die vielleicht auch noch nicht die Möglichkeit hatten, Kompetenzen zur Nutzung der IT zu erwerben, die aber dennoch in Zukunft darauf angewiesen sein werden, mit der modern arbeitenden Verwaltung zu kommunizieren.

Wir haben deshalb in unserer IT-Strategie Möglichkeiten auch dargestellt, wie wir die für gerade nicht technik­affine Bürger vorgesehenen Bürgerterminals in Sachsen weiter verbreiten und ihre Akzeptanz erhöhen können.

Ferner haben wir uns des großen Themas der elektronischen Aktenführung in der Verwaltung angenommen. Wir haben in den Haushaltsbeschlüssen der letzten Jahre bereits die umfassende Einführung der eAkte in allen staatlichen Behörden bis 2016 vorgemerkt. Auch dazu haben wir uns in der IT-Strategie geäußert, weil es ja nicht nur darum geht, die elektronische Akte als formelles Instrument einzuführen, sondern sie auch so zu konstruieren, dass wir damit die ebenenübergreifenden Verwaltungsverfahren zum Beispiel mit der kommunalen Ebene elektronisch erleichtern und damit bürgerfreundlicher gestalten.

Wir haben uns darüber hinaus in der Strategie auch zur Zusammenarbeit mit den Kommunen geäußert. Wir haben ja mittlerweile einen IT-Kooperationsrat gegründet, in dem Vertreter der staatlichen und kommunalen Verwaltung die Planungen für die IT- und eGovernment-Entwicklungen absprechen. Wir bekennen uns dazu, dass – auch wenn eine IT-Strategie sich natürlich zunächst einmal an die staatliche Ebene wenden muss – wir für verwaltungsübergreifende IT-Entwicklungsplanungen mit den Kommunen offen sind. Wir wollen die Möglichkeit eröffnen, die strategischen Überlegungen der Kommunen mit unseren eigenen zusammenzubringen.

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