Wissensmanagement und Open Government

Wir müssen teilen lernen

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„Wissen teilen“ als Kulturtechnik

Die Fähigkeit und Bereitschaft, Wissen zu teilen, intern wie extern, ist mehr als ein nur „weicher Faktor“. Wissen zu teilen ist ein strategisches und geschäftskritisches Element beim Ausführen von Aufgaben und Lösen von Problemen. Denn die Verwaltung agiert künftig unter erschwerten Rahmenbedingungen: Die öffentlichen Kassen sind und bleiben klamm. Verwaltungen stehen vor der Herausforderung, mit schwindenden Ressourcen ihre komplexer werdenden Aufgaben zu erledigen. Hinzu kommt die demografische Entwicklung unserer Gesellschaft: Wir werden weniger, wir werden älter.

Das bedeutet für Unternehmen der Privatwirtschaft wie für die Verwaltung, sicherzustellen, dass das Wissen ihrer Belegschaften auch über Generationen hinweg erhalten und weitergegeben wird. Das erfordert ein vernünftiges Wissensmanagement und das Vermögen, Arbeit stärker als bisher kooperativ anzupacken. Die Maxime Wissen zu teilen, hat deshalb den Stellenwert einer Kulturtechnik, neben den traditionellen Kulturtechniken Lesen, Schreiben, Rechnen – und der noch recht neuen Kulturtechnik Internet-Kompetenz.

Partizipation schließt auch Teilhabe an Wissen ein

„Wissen teilen“ zielt auch darauf, das Wissen der Bürger in Staat und Verwaltung stärker als bisher einzusteuern. Sie sind nicht nur „Wutbürger“ oder „Dagegen-Bürger“, wie Kritiker von Bürgerbeteiligung häufig urteilen. Sie sind auch eine Quelle von Wissen und Erfahrung. Sie haben Ideen, wie man Aufgaben in der Stadt, im Quartier, in der Schule anpacken könnte. Davon können Staat und Verwaltung profitieren.

Bisher ist das Wissen der Bürger aber eine Ressource, auf die Staat und Verwaltung zu wenig zurückgreifen. Um das zu ändern, können neue Formen von netzwerkartiger Kooperation und partnerschaftlicher Verarbeitung von Wissen nützlich sein, etwa neue Kooperationsformen wie „Public Community Partnerships“. Diese können die etablierten Partnerschaften Public-Public und Public-Private ergänzen. Gemeint ist mit Public Community Partnership eine Kooperation von Staat und Bürgern, um gemeinsam an Sachverhalten oder Fragestellungen zu arbeiten.

Open Government wird in der aktuellen Debatte noch sehr technisch und mit dem Fokus auf Open Data interpretiert. Open Data bedeutet: Daten der Verwaltung werden, sofern nicht dem Datenschutz unterworfen, maschinenlesbar in Portalen veröffentlicht. Dort können sie weiterverarbeitet, ihre Informationen visualisiert werden. Bei der Bereitstellung „öffentlicher Daten“, also zu publizierender Verwaltungsdaten, gibt es natürlich noch Fragen, die geklärt werden müssen.

Doch die technische Dimension ist nicht der eigentliche kritische Faktor, der über den Erfolg von Open Government entscheidet. Technik, die bei der Erstellung von Datenportalen oder Veredelung von Datensätzen unterstützt, kann entwickelt werden. Auch ein Erfahrungsaustausch mit Städten oder Verwaltungen, die bereits Open-Data-Strategien entwickelt haben, ist hilfreich. Doch die Grundeinstellung, die nötig ist, damit Prinzipien wie die Teilhabe der Bürger am Wissen der Verwaltung gelebt werden, kann nicht in Bits and Bytes geschrieben werden.

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