Verwaltungen vernetzen, aber Eigenverantwortlichkeit erhalten

„Wir leben eGovernment-Kooperationen mit Herzblut“

27.09.2011 | Redakteur: Manfred Klein

Für Staatssekretärin Heike Raab ist Zusammenarbeit im eGovernment unverzichtbar
Für Staatssekretärin Heike Raab ist Zusammenarbeit im eGovernment unverzichtbar

Welche Rolle spielen Geodaten und -dienste in der eGovernment-Strategie des Landes?

Raab: Diese Frage beantwortet sich eigentlich von selbst. Bundesweit nutzen 72 Prozent der Bevölkerung über 14 Jahren das Internet und nach einer weit verbreiteten These besitzen rund 80 Prozent aller Daten einen Raumbezug. Dabei geht es darum, dass diese Daten nur in Verbindung mit den Geobasisdaten verständlich sind. Oft ist der Raumbezug das einzige Verknüpfungsglied, um Daten einander zuordnen zu können. Geodaten und -dienste spielen daher eine entscheidende Rolle, wenn Öffentliche Verwaltungen elektronische Medien wie das Internet für ihre Kontakte und den Dialog mit den Menschen oder Organisationen der Verwaltungen und Wirtschaft nutzen wollen. Verwaltungsvorgänge können auf diese Weise erheblich vereinfacht werden.

Wir haben schon über Kooperation und Abstimmung gesprochen. Das ist auch auf diesem Gebiet ein zentrales Thema. Deutschlandweit einheitliche Geobasisdaten sind unverzichtbar. Länderübergreifende Abstimmungen hinsichtlich Standards, Datenmodellen und Dateninhalten gehören dazu. Bund und Länder wollen bei den Geodaten bundesweit einheitliche und vernetzbare Datenbestände. Für die Neuentwicklung von Anwendungen gilt bereits ein gemeinsamer Standard.

In Rheinland-Pfalz selbst ist durch Vereinbarungen aller Ressorts, einschließlich ihrer nachgeordneten Behörden, und aller Kommunen mit der Vermessungs- und Katasterverwaltung die Verwendung und der Austausch von Geodaten auf der Grundlage internationaler Standards gestattet. Standardisierte Webdienste sind zudem die Voraussetzung für eine moderne und zukunftssichere Geodateninfrastruktur im Land (GDI-RP), in Deutschland (GDI-DE) und auf europäischer Ebene (wie etwa durch INSPIRE).

Bei allen diesen Aktivitäten spielt das Geoportal-Rheinland-Pfalz eine besondere Rolle. Es ist die Drehscheibe für die Suche nach Geodaten und deren Visualisierung. Egal ob es um die Umwelt geht, etwa bei der Luftreinhaltung und dem Hochwasserschutz, oder bei der Stadtplanung um die Errichtung von Gewerbe- und Wohngebieten sowie die Berechnung von Pendlerströmen – die Basis all dieser Erhebungen und Analysen sind Geodaten.

Standards erleichtern die Funktionsfähigkeit. Ein Thema, mit dem sich auch der IT-Planungsrat auseinandersetzt. Hier haben wir bundesweit einen guten Stand, der durch die GDI-DE sehr stark geprägt ist.

Die Bereitstellung der Geodaten und der in Abstimmung befindliche einheitliche Standard für alle GIS sind nur einzelne Schritte. Sie bringen aber für die Aufgabenbewältigung erhebliche Vorteile. Weitergehender – und das muss das Ziel sein, um die Effizienzpotenziale der Geodaten auch vollständig auszuschöpfen – ist die Integration dieser Daten in IT-gestützte Verwaltungs- oder Geschäftsprozesse. Hier unterstützen wir zum Beispiel die Kommunen durch Pilotprojekte. Gemeinsam mit den kommunalen Spitzenverbänden haben wir die Einführung von GIS in den Kreisverwaltungen und die Digitalisierung von Bauleitplänen im Rahmen der Geodateninfrastruktur Rheinland-Pfalz auf den Weg gebracht. Aktuell wird die Anwendung des X-Planungsstandards im Prozess der Aufstellung von Bauleitplanungen einschließlich der vielfältigen Beteiligungen und des Datenflusses bis zur obersten Landesplanungsbehörde in einem Projekt erprobt. Beteiligt an diesem gerade gestarteten Projekt sind außerdem das Finanzministerium und das Ministerium für Wirtschaft, Klimaschutz, Energie und Landesplanung.

Sie sehen, wir wählen bewusst einen übergreifenden Ansatz, um eGovernment-Prozesse gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern, aber auch zwischen den Verwaltungen, abzubilden.

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