Interview

„Wir brauchen mehr Miteinander“

| Autor: Manfred Klein

Die Kommunen fordern bei eGovernment Unterstützung – auch vom Bund
Die Kommunen fordern bei eGovernment Unterstützung – auch vom Bund (© A. Hartung – stock.adobe.com)

Die Kommunen machen mobil. Über ihre Vertretungen fordern sie mehr Unterstützung bei eGovernment und Digitalisierungsfragen. Jüngst hat der Deutsche Städte- und Gemeindebund, DStGB, die Einrichtung eines Kompetenzzentrums Digitalisierung gefordert.

Inzwischen hat die Forderung auch Einzug in den Koalitionsvertrag der geplanten Großen Koalition gefunden. eGovernment Computing sprach mit dem neuen Präsidenten des DStGB, Dr. Uwe Brandl, über die Hintergründe.

Herr Brandl, der DStGB hat sich zusammen mit dem Bitkom für die Schaffung eines Kompetenzzentrums zur Unterstützung der Digitalisierung in den Kommunen ausgesprochen. In wie fern rechtfertigt die Situation in den Kommunen und Kreisen ein solches Zentrum?

Brandl: Deutschland droht bei der Digitalisierung im internationalen Vergleich zurückzufallen. Das betrifft auch die Städte und Gemeinden. Ein Kompetenzzentrum ist einer von vielen Schritten, die dazu beitragen können, dass wir den Anschluss nicht verlieren. Die Digitalisierung ist in allen unseren Lebensbereichen präsent. Unseren privaten Alltag gestalten wir mithilfe vieler unterschiedlicher digitaler Dienstleistungen, sei es beim Einkauf, bei der Terminkoordination oder in der Arbeitswelt. Für die Kommunen stellt die Digitalisierung ein strategisches Umbauprojekt dar, es geht um zukunftsorientierte Entwicklung in Städten und Gemeinden.

Wir betreten gewissermaßen Neuland. Dringend erforderlich ist entsprechendes Know-how vor Ort. Aber hier müssen wir auch ehrlich sein: IT- & Digitalisierungsexperten wachsen nicht auf Bäumen und sind auch nicht gleichmäßig über die Bundesrepublik verteilt. Hier gilt es also, das vorhandene Personal in den Kommunalverwaltungen digital zu ertüchtigen, Fortbildungen, technische Unterstützung und Vernetzungsmöglichkeiten anzubieten – sowohl mit anderen Kommunen, mit Bund und Ländern, aber auch mit der Wirtschaft. Ein Kompetenzzentrum, wie wir es vorgeschlagen haben, kann auf diesem Weg wertvolle Unterstützung bieten.

In welchem der genannten Bereiche sehen Sie derzeit die größten Probleme in den Kommunen und wie könnte eine erfolgreiche Hilfe aussehen?

Brandl: Nach meiner Erfahrung sind Städte und Gemeinden an den Perspektiven und Chancen, die Digitalisierung bietet, sehr interessiert. Es mangelt aber derzeit zum Teil noch schlicht an Wissen und guten Beispielen, an denen sich eine Kommune orientieren kann. Das ist bei der hohen Geschwindigkeit des digitalen Wandels auch nicht verwunderlich.

Daher ist die strategische Erstberatung durch eine neutrale Stelle, wie es ein solches Kompetenzzentrum ist, so bedeutend. Die Beratung ist der springende Punkt. Auf welche Arbeitsbereiche sich eine Kommune konzentrieren sollte, wo der Bedarf am höchsten ist und wo schnelles Handeln angezeigt ist, ist jeweils individuell und von Kommune zu Kommune unterschiedlich. Die Chance, die Lebensqualität für Bürgerinnen und Bürger zu erhöhen, wird überall gesehen. Ob eine Stadt oder Gemeinde jedoch verstärkten Bedarf an Innovation beim Bürgerservice, bei internen Verwaltungsabläufe, bei der Modernisierung von Organisationsstrukturen, im Bereich Energie oder Mobilität hat – dafür bedarf es einer Analyse sowie Beratung anhand der aktuellen Situation einer jeweiligen Stadt oder Gemeinde. Den universellen Digitalisierungsplan gibt es nicht, jede Kommune hat ihr besonderes Anforderungsprofil.

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