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Öffentliche Verwaltung steckt noch mitten in der Migrationsphase

Windows XP: Das Ende naht

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Alternative Open Source

Inwiefern eine Migration auf quelloffene Lösungen möglich und für Behörden überhaupt sinnvoll ist, bleibt umstritten. Die Stadt München hat ihre Wahl bereits vor zehn Jahren getroffen: Damals wurde die Umstellung auf Linux beschlossen, mittlerweile ist die Migration beendet.

Rund 15.000 PC-Arbeitsplätze wurden im Rahmen des „Limux“-Projekts auf Open Source umgestellt, um einerseits Kosten zu sparen und andererseits unabhängiger von Herstellern, Betriebssystemen und Produktzyklen zu werden – eben jenem Fall, wie er nun auch bei Windows XP eingetreten ist.

Nach eigenen Angaben hat München durch den Umstieg rund zehn Millionen Euro gespart. Der Verlauf des Projekts wurde vom Team der Stadtverwaltung dokumentiert, damit andere Kommunen von den gemachten Erfahrungen profitieren können. Auf der entsprechenden Internetseite wurde die Quintessenz zusammengefasst – offener geht es kaum.

Entscheidungshilfe erhalten Behörden und öffentliche Verwaltungen auch von der Open Source Business Alliance. Die Organisation hat online einen Ratgeber veröffentlicht, der auf die besonderen Bedürfnisse im Public Sector eingeht und erläutert, an welchen Stellen die „Ergänzenden Vertragsbedingungen für die Beschaffung von Informationstechnik“ (EVB-IT) mit Open-Source-Lizenzverträgen unvereinbar sind.

„Die Open Source Business Alliance hat in Gesprächen mit den Beschaffern der Öffentlichen Hand und den Anbietern von Freier und Open-Source-Software immer wieder festgestellt, dass das Lizenzierungsthema zahlreiche Fragen aufwirft“, erklärt Peter Ganten, Vorsitzender des Verbandes. „Wir haben mit Dr. Till Jaeger den ‚Open-Source-Papst unter den Juristen‘ für diesen nützlichen und wertvollen Praxisratgeber gewinnen können, der mit Hilfe von Praktikern detailliert und kenntnisreich die wichtigsten Antworten gibt.“

Schlupflöcher

Doch was, wenn die Rechner weiterhin mit XP laufen sollen oder nicht so einfach vom Netz genommen werden können? Auch nach dem 8. April funktioniert das veraltete Betriebssystem natürlich, vor allem dann, wenn kurz zuvor noch sämtliche aktuellen Updates gefahren wurden.

Antiviren-Software-Anbieter wie Kaspersky haben zudem angekündigt, bis auf weiteres Windows XP zu unterstützen und mit Definitionsdateien zu versorgen. Ein bisschen Unterstützung kommt auch noch vom Hersteller selbst: Um Organisationen bei noch laufenden Migrationsprozessen von Windows XP auf ein neueres Betriebssystem zu unterstützen, will Microsoft ausgewählte Anti-Malware-Software bis zum 14. Juli 2015 weiterhin aktualisieren, darunter „System Center Endpoint Protection“, „Forefront Client Security“, „Forefront Endpoint Protection“ und „Windows Intune“.

Soll XP auf weiteren Rechnern installiert werden, werden Treiber, Updates und Sicherheitspatches benötigt. Diese sollten in einem Archiv lokal abgelegt werden, damit sie noch greifbar sind. Eine weitere Möglichkeit ist, die Festplatte zu beschleunigen. Wie dies funktioniert, können Sie auf unserer Homepage nachlesen.

Angezählt

Dennoch: Über kurz oder lang führt kein Weg an einer Migration vorbei. Verwaltungen, die sich nicht auf quelloffene Software einlassen wollen, scheinen statt das von Microsoft bevorzugte Windows 8 den Vorgänger Windows 7 zu bevorzugen.

Für Support und Updates ist allerdings jede Wahl nur eine mittelfristige: Laut Microsofts Richtlinien zum Produktlebenszyklus beinhalten Unternehmens- und -Entwicklerprodukte, darunter Windows und Office, mindestens zehn Jahre Support, davon fünf Jahre Mainstreamsupport und fünf Jahre Extended Support. Für Windows 7 müsste der Support demnach im Januar 2020 enden, für Windows 8 drei Jahre später.

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