Microsoft bringt Windows 10 am 29.Juli Windows 10: auf der Zielgeraden

Redakteur: Klaus Länger

Am 29. Juli wird Microsoft die fertige Version von Windows 10 an die ersten User ausliefern. Wir klären, was man vom neuen Windows erwarten kann und welche Versionen es geben wird.

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Microsoft bringt bei Windows 10 das Startmenü zurück. Allerdings mit Kacheln und Live-Tiles für Apps.
Microsoft bringt bei Windows 10 das Startmenü zurück. Allerdings mit Kacheln und Live-Tiles für Apps.
(Bild: IT-BUSINESS)

Für Windows 8 hat Microsoft eine Menge Kritik einstecken müssen. Speziell Anwender von klassischen Desktop-PCs und Notebooks ohne Touchscreen fanden die neue Kachel-Optik des Startscreens und das Fehlen des gewohnten Start-Buttons eher befremdlich. Auch das eilig nachgeschobene Windows 8.1, nun mit Start-Button, konnte die Gemüter nur teilweise besänftigen.

Viele User hatten immer noch ein Problem mit der Mischung aus Desktop- und Touch-Elementen. Das zeigen auch die Nutzerzahlen, die immer noch ein gutes Stück unter denen von Windows 7 liegen.

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Mit Windows 10 soll nun alles besser werden: Desktop-Anwender bekommen wieder ein Startmenü und Tablet-Anwender eine fast durchgehend für Touch optimierte Oberfläche. Und bei 2-in-1-Geräten erkennt das Betriebssystem sogar selbst, ob man das Gerät als Notebook oder Tablet nutzt und schaltet die Darstellung entsprechend um.

Das neue Startmenü im Desktop-Modus nimmt allerdings Elemente des Startscreens auf und enthält ebenfalls konfigurierbare Live-Tiles in Kachelform.

Neben System- und Desktop-Programmen sind hier auch Apps aufgelistet. Die nehmen aber bei Windows 10 im Desktop-Modus nicht den gesamten Screen ein, sondern starten in Fenstern mit Titelleiste. Im Tablet-Modus werden Apps und herkömmliche Windows-Programme in der Fullscreen-Ansicht gestartet. Die von Windows 8.1 gewohnte Möglichkeit, den Screen für mehrere Apps zu teilen, gibt es auch bei der 10er-Version des Microsoft-Betriebssystems. Die bei Windows 8 und 8.1 über die Charms-Leiste zugänglichen Einstellungen der Apps sind nun über ein Hamburger-Menü in der Titelleiste untergebracht. Bei schon an Windows angepassten Apps gibt es eine Optionsleiste am linken Rand.

Weitere Neuerungen für Anwender

Mit virtuellen Desktops hat Microsoft bei Windows 10 eine Funktion eingeführt, die Linux-Anwender schon seit Jahren kennen. Microsoft hatte virtuelle Desktops nur als optionales Power-Toy für Windows XP im Angebot. Bei Windows 10 ist die Funktion in den Task-Umschalter integriert, der in der Taskleiste neben dem Cortana-Suchfeld beziehungsweise -Icon zu finden ist.

Und damit sind wir bei einer der wesentlichen Novitäten bei Windows 10: der digitalen Assistentin Cortana. Diese Software übernimmt, mit Bing im Hintergrund, die Websuche, erinnert an Termine, gibt Routen zu Zielen aus und zeigt News sowie das Wetter an. Cortana nimmt Fragen und Kommandos via Tastatur oder, auf entsprechend ausgestatteten Rechnern, auch mittels Mikrofon und Spracherkennung entgegen. Und sie antwortet mit Sprachausgabe. Ein Windows-10-Rechner kann auch so konfiguriert werden, dass das Mikro aktiv ist und das Betriebssystem auf „Hey Cortana“ wartet, um die Assistentin zu starten, die übrigens eine weibliche Künstliche Intelligenz im Spiel Halo als Namensgeberin hat.

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Auch Cortana auf Windows-10-Rechnern ist in gewissen Grenzen lernfähig. So erschließt die Software aus Positionsdaten, wo man arbeitet oder wo man zuhause ist und wann man üblicherweise Haus oder Arbeitsplatz verlässt. So bekommt man rechtzeitig Hinweise zu Route und Fahrzeit. Auch bei Terminen mit Ortsangabe erinnert Cortana rechtzeitig an den Abfahrtstermin unter Berücksichtigung des Verkehrs. Welche Daten Cortana sammelt und sammeln darf, kann der Anwender selbst einsehen.

Viele Spracheingaben, etwa das Kommando, eine eMail an eine bestimmte Person zu schreiben, quittiert Cortana derzeit noch mit dem Hinweis auf spätere Updates. Sie ist genauso eine „Work in Progress“, wie der neue Webbrowser Edge, der den Internet Explorer ersetzt. Er basiert auf einer gleichnamigen neuen Engine, die schneller und standardkonformer ist, als die Trident-Basis des bisherigen Internet Explorer.

Mit dem Lesemodus hat Microsoft ein Feature integriert, das andere Browser schon länger bieten: Ein Online-Artikel kann in ein lesefreundlicheres Format übertragen werden. Neu ist dagegen eine Funktion, mit der man einzelne Webseiten quasi einfrieren, mit Anmerkungen versehen und über Kanäle wie Twitter, Facebook oder Onenote teilen kann. Die Seite selbst mit allen Links bleibt dabei voll funktionsfähig. Besonders gut können Anmerkungen auf Tablets mit Stift gemacht werden. Webseiten lassen sich nun auch ohne zusätzliche Software als PDF speichern.

Später soll Edge auch noch mit Plugins erweitert werden. Microsoft orientiert sich dabei an Googles Chrome. Bei den Windows-10-Versionen für professionelle Anwender ist der Internet Explorer 11 zusätzlich vorinstalliert, da viele ältere Firmenanwendungen ActiveX benötigen und Edge nur noch HTML5 unterstützt.

Die aus Windows 8 und 8.1 bekannte Charms-Leiste wird durch ein Info-Center ersetzt. Es erlaubt einen schnellen Zugriff auf Funktionen wie die WLAN-Verbindung, Bluetooth, die Display-Helligkeit oder den Stromsparmodus bei Mobilgeräten. Zudem werden Meldungen von Programmen oder Apps wie eMail oder Twittter angezeigt.

Die primäre Systemsteuerung nennt sich jetzt „Alle Einstellungen“ und ist modernisiert und für die Touch-Bedienung optimiert. Praktisch ist die Anzeige der Speichernutzung. Man sieht nun auf einen Blick, wie viel Platz auf Festplatte oder SSD etwa durch Bilder, Dokumente oder Musik belegt wird. Im Bereich „Apps und Features“ wird nun auch angezeigt, welchen Platz herkömmliche Windows-Programme auf dem Massenspeicher belegen. Die bisherige Systemsteuerung ist aus Kompatibilitätsgründen ebenfalls noch vorhanden, da manche Programme oder Gerätetreiber eigene Systemsteuerungsapplets installieren. Die sind dann aber auch über das neue Einstellungsmenü zugänglich.

Eine wichtige Neuheit für viele Heimanwender wird DirectX 12. Die jüngste Version der Grafik- und Spiele-API steht nur auf Windows 10 zur Verfügung. Sie wird nicht nur neue Funktionen für Spiele-Entwickler bereit stellen, sondern vor allem für eine höhere Performance bei Spielen sorgen, da die GPUs unmittelbarer angesprochen werden können und DX12 auch die CPU-Cores effizienter nutzt. Besitzer der Spielekonsole Xbox One werden Games auf Windows-10-Rechner streamen können.

Auf der folgenden Seite lesen Sie, wer Windows 10 gratis bekommen wird.

Feedback von den Usern

Windows 8 ist quasi unter Ausschluss der Öffentlichkeit entstanden. Selbst innerhalb von Microsoft hatte nur die Windows-Division Zugriff auf die Vorversionen. Für die Entwicklung von Windows 10 hat Microsoft eine 180-Grad-Wende hingelegt: Jeder PC-Anwender konnte sich bei dem Insider-Programm anmelden, hatte so Zugriff auf Vorabversionen von Windows 10 und konnte den Entwicklern Feedback zu Fehlern oder Wünschen für Funktionen geben.

Mehr als fünf Millionen User haben diese Möglichkeit genutzt. Sie werden die finale Version von Windows 10 auch als erste erhalten, sofern sie über eine Windows-7-, 8- oder 8.1-Lizenz verfügen. Alternativ können Anwender auch Insider bleiben und erhalten weiterhin aktualisierte Builds unter den Bedingungen des Insider-Programms. Das gilt auch für alle User, die bisher mit Windows XP oder Vista gearbeitet haben.

Wer bekommt Windows 10?

Windows 10 soll nach dem Willen Microsofts auf möglichst vielen PCs Einzug halten und dort frühere Windows-Versionen ab Windows 7 ersetzen. Um das zu erreichen, bieten die Redmonder allen Besitzern eines legalen Windows mit Einzelplatzlizenz ab Version 7 die Möglichkeit, binnen 12 Monaten gratis auf Windows 10 umzusteigen. Dabei ist es gleichgültig, ob es sich um ein vorinstalliertes OEWM-Windows, eine Systembuilder- oder eine Vollversion handelt.

Beim Upgrade erhält man Windows in der Ausstattungs-Variante, die man auch vorher hatte. Nutzer von Windows 7 Home bekommen also Windows 10 Home, Windows 7 Professional oder Ultimate werden zu Windows 10 Professional. Das Gratis-Upgrade ist allerdings nur für den Rechner gültig, auf dem es installiert wurde und es ist nicht auf andere PCs übertragbar. Es gilt aber für die komplette Lebensdauer des PCs. Wie die genau definiert wird, will Microsoft am 29. Juli kommunizieren.

Falls Windows 10 nicht gefällt oder nicht rund läuft, hat der Anwender die Möglichkeit, bis zu 30 Tage nach der Installation diese rückgängig zu machen und behält damit seine ursprüngliche Lizenz für die ältere Windows-Version. Danach erlischt diese und kann auch nicht auf einen anderen Rechner übertragen werden.

Nach den Insidern werden alle User Windows 10 erhalten, die das neue Betriebssystem für sich reserviert haben. Hier wurde an viele Nutzer der älteren Windows-Versionen ab 7 eine Benachrichtigung verschickt, die als Windows-Logo rechts in der Taskleiste erscheint und das Update auf Windows 10 auch anstößt. Andere werden diese Benachrichtigung erst später erhalten, da Microsoft das Update schrittweise durchführt, damit die Download-Server nicht unter der Last in die Knie gehen. Für Enterprise-Kunden gibt es kein Gratis-Windows, die Enterprise-Version wird aber dem 1. August ganz normal im Rahmen der gewohnten Volumenlizenzen ausgerollt.

Für alle, die keine Windows-Lizenz besitzen, die für ein Upgrade qualifiziert, wird es Windows 10 auch als Vollversion und wohl auch als Systembuilder-Version geben. Was Windows 10 kosten wird, hat Microsoft noch nicht kommuniziert.

Auf der folgenden Seite lesen Sie, welche Windows-10-Versionen es geben wird..

Neunmal Windows 10

Windows 10 wird zunächst in vier verschiedenen Versionen für PCs, Tablets und Notebooks erscheinen: Windows 10 Home für Heimanwender, Windows 10 Pro für Profi-Anwender und kleinere Unternehmen ohne Volumenlizenz, Windows 10 Enterprise für größere Firmen und Windows 10 Education für den Bildungsbereich. Die Pro-Version bietet zusätzlich die Möglichkeit, einer Domäne beizutreten und Gruppenrichtlinien anzuwenden. Zudem können Datenträger per Bitlocker verschlüsselt werden und eine Fernsteuerung mittels Remote-Desktop ist möglich.

Die Enterprise- und die Education-Versionen verfügen über den gleichen Funktionsumfang. Der Startscreen und der Zugriff auf Apps sind per Gruppenrichtlinie konfigurierbar. Bei auch privat genutzten Rechnern findet mit Enterprise Data Protection (EDP) eine klare Abgrenzung zwischen persönlichen und geschäftlichen Containern und Apps statt.

Windows 10 wird aber auch auf weiteren Geräten Einzug halten. Für Smartphones und neue Tablets mit einem Screen unter acht Zoll Diagonale kommen Windows 10 Mobile und Windows 10 Mobile Enterprise. Dazu kommen noch eine spezielle Internet-of-Things-Version von Windows 10, sie löst die bisherigen Embedded-Versionen ab, sowie später weitere Varianten für die Xbox One und die Augmented-Reality-Brille Hololense.

Apps für Windows 10 sollen sich ohne großen Aufwand so programmieren lassen, dass sie als Univerals Apps auf allen Windows-10-Geräten funktionieren, also auch auf Smartphones, der Xbox One und der Hololense.

Windows als Service

Das Warten auf Service-Packs wird bei Windows 10 der Vergangenheit angehören. Microsoft will das neue Windows kontinuierlich durch Funktionsupdates verbessern und erweitern. So wird etwa Cortana neue Tricks lernen und auch der Edge-Browser wird um noch fehlende Funktionen ergänzt. Diese Funktionsupdates kommen automatisch und sie können nicht ignoriert oder blockiert werden. Microsoft nennt das „Current Branch“.

In diesen Update-Bereich fallen zunächst auch die die Professional-, die Enterprise- und die Education-Versionen. Allerdings haben die Administratoren in Firmen die Option, für Updates in den Bereich „Current Branch for Business“ zu wechseln. Hier können Updates vor der Installation erst einmal getestet werden. Zudem können Updates hier über ein Peer-to-Peer-Verfahren im lokalen Netz verteilt werden und ihre Verwaltung lässt sich in das Microsoft System Center integrieren. Nach einer Frist von wahrscheinlich 120 Tagen müssen Funktionsupdates aber auch hier installiert werden.

Für Firmen, die Windows 10 etwa für die Steuerung von Geräten wie Computer-Tomographen oder Oszilloskopen einsetzen wollen und daher auf einen fest definierten Funktionsstand über mehrere Jahre hinweg angewiesen sind, können Windows 10 Enterprise als Long-Time-Service-Version nutzen. Hier werden nur Sicherheitsupdates automatisch installiert.

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