Smart-City-Studie

Wien und London führen Digital-Ranking an

| Autor: Manfred Klein

Beste deutsche Stadt ist übrigens Berlin. Die Bundeshauptstadt schafft es immerhin noch unter die Top 50
Beste deutsche Stadt ist übrigens Berlin. Die Bundeshauptstadt schafft es immerhin noch unter die Top 50 (© Connect world - stock.adobe.com)

Wien, London und die kanadische Stadt St. Albert setzen nach einer weltweiten Studie der Unternehmensberatung Roland Berger in vorbildlicher Weise digitale Lösungen für ein besseres urbanes Leben um. Diese Städte setzten auf diese Technologie unter anderem in den Bereichen Energie, Mobilität, Gesundheit und Bildung, teilte das Beratungsunternehmen am Donnerstag in Wien mit.

Laut den Autoren der Studie „Smart City Strategy Index 2019“ konnte sich die österreichische Hauptstadt erneut an der Spitze des internationalen Rankings behaupten. Allerdings konnte sich Wien nur knapp gegen London behaupten.

Obwohl also zwei europäische Städte auf ganz oben auf dem Siegertreppchen stehen, überzeugten laut Studie, jedoch vor allem asiatische Metropolen mit ihren Smart City-Konzepten. Auffällig ist, sei nach wie vor 90 Prozent der betrachteten Städte keine ganzheitliche Strategie hätten, so die Autoren. Und auch bei der Umsetzung gebe häufig Nachholbedarf: Erfolgreiche Smart Cities setzten ihre Strategie dagegen mit zentralen Entscheidungsorganen und Pilotprojekten um.

Angesichts steigender Einwohnerzahlen und zunehmender Herausforderungen wie Verkehr, Luftverschmutzung oder unzureichende Infrastruktur setzten Städte weltweit auf digitale Technologien als Lösungsansatz. Doch erst wenn diese durch ein Smart City-Konzept miteinander vernetzt und aufeinander abgestimmt werden, können die einzelnen Maßnahmen ihre Wirkung voll entfalten. So gehörten zu einem eMobilitätskonzept immer auch ein Verkehrsmanagementsystem und ein intelligentes Lademanagement. Dafür brauche es eine ganzheitliche Strategie, die zentral geplant und gesteuert werde.

Wien habe ganz in diesem Sinne nicht nur mit vernetzten Lösungen für Mobilität und Umwelt, sowie einem fortschrittlichen eHealth-Ansatz und – ein Novum in den deutschsprachigen Ländern – offenen Verwaltungsdaten überzeugt, sondern hat auch eine standardisierte Fortschrittskontrolle für alle Smart City-Projekte eingeführt. Gesteuert werde alles durch die zentrale Smart City Agency, die technische Kompetenzen bündelt und zudem die Interessen von Stadt, Service- und Lösungsanbietern sowie der Regierung koordiniert.

Mehr Städte mit expliziter Smart-City-Strategie, aber oft Probleme bei der Umsetzung

Wie wichtig die zentrale Steuerung ist, zeige die Analyse, so die Autoren: „So haben zwar immer mehr Städte eine Smart-City-Strategie, ihre Zahl hat sich von 87 beim ersten Smart City-Index 2017 auf heute 153 deutlich erhöht. Allerdings gibt es Nachholbedarf bei der Umsetzung.“

Suche man nach den Gründen dafür, zeige sich, dass das Problem meist nicht in den Strategien selbst liege, sondern vielmehr an unklaren Verantwortlichkeiten und der fehlenden Koordination aller beteiligten Gruppen durch eine kompetente Stelle.

Umgekehrt seien jene Städte, die ein zentrales Entscheidungsorgan wie die Smart City Agency in Wien oder den Chief Digital Officer in London hätten, erfolgreich in der Umsetzung und führen dementsprechend im Ranking. Zudem hab sich gezeigt, dass auch die rechtlichen Rahmenbedingungen eine wichtige Rolle beim Erfolg einer Smart-City-Strategie spielen. Im Mittelpunkt steht hier vor allem der Datenschutz, der von den nationalen Regierungen so ausgestaltet werden muss, dass die Städte Daten rechtssicher nutzen können und diese gleichzeitig geschützt bleiben, raten die Autoren der Studie.

Die Smart-City-Ideen in den untersuchten Städten sind sehr vielfältig: So tragen in London Straßenlaternen und Parkbänke nicht nur Luftqualitätssensoren, sondern dienen auch als WLAN-Spots und Ladepunkte für Elektrofahrzeuge. Singapur betreibt ein digitales Identifikationssystem und führt intelligente Beleuchtungssysteme, autonome Shuttles und Telemedizin ein. Die Bandbreite der Einsatzbereiche in den einzelnen Städten ist dabei durchaus gewollt. Vorausgesetzt, die Herangehensweise bleibt ganzheitlich, vernetzt und wird klug geplant und umgesetzt.

Zugunsten von Wien sprachen demnach nicht nur Verkehrslösungen, sondern auch eine starke Bürgerbeteiligung und das transparente Offenlegen vieler Daten zu Forschungsprojekten, Finanzen und Stadtplanung. Für das Ranking wurden weltweit 153 Städte nach 31 Kriterien analysiert. Beste deutsche Stadt ist Berlin, das sich den Angaben zufolge zumindest unter den Top 50 platzieren konnte.

Unter den ersten 15 Städten sind nicht zuletzt chinesische Städte wie Shanghai und Shenzhen zu finden. Auch wenn Digitalisierung seit vielen Jahren ein Megatrend sei, hätten viele Städte erst in jüngster Zeit eine große Strategie-Dynamik entwickelt, sagte Studienleiter Thilo Zelt.

Auch viele kleinere und mittlere Städte kümmerten sich verstärkt darum. In Deutschland rage in diesem Feld Darmstadt als positives Beispiel heraus. München habe sein Potenzial noch nicht ausgeschöpft, meinte Zelt. Wien habe auch damit überzeugt, dass es in einer eigenen Agentur die Umsetzung der digitalen Projekte koordiniere und den Erfolg kontrolliere.

Hier finden Sie die Digitale Agenda der Stadt Wien.

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