Kommunen im Cloud-Zeitalter Wien sagt Ja zur Informationstechnologie

Redakteur: Manfred Klein

Digitale Agenden sind angesagt in den Metropolen der Welt. In der Hansestadt Bremen arbeitet man ebenso an solchen Strategien wie in New York, San Francisco, oder Singapur. Doch der Wiener Ansatz geht weit über bisherige Vorhaben hinaus. eGovernment Computing stellt den strategischen Gesamtansatz vor.

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(David Bohmann / PID)

Wien ist wohl nicht zu Unrecht eine der weltweit beliebtesten Städte. Davon zeugen nicht nur die 12 Millionen Touristen aus aller Welt, die sich Jahr für Jahr durch die alte Residenzstadt der Habsburger Monarchie drängeln, auch die internationale Mercer-Studie von 2014, in der die Lebensqualität in 221 Städten weltweit verglichen wurde, bescheinigte Wien nun schon zum sechsten Mal in Folge den ersten Rang.

Der Zuspruch zeigt sich auch am Bevölkerungswachstum der Donaumetropole. Jahr für Jahr wächst die Stadt durch Geburt und Zuzug um rund 25.000 Einwohner, sodass die Stadtplaner davon ausgehen, dass im Jahr 2029 über 2 Millionen Menschen in Wien leben werden.

Organisationsstrukturen ändern sich

Angesichts dieser Erfolgsbilanz stellt sich die Frage, wozu dann noch eine Digitale Agenda? Die Antwort ist relativ einfach: Wir leben in einem Zeitalter in dem alle wesentlichen Infrastrukturen, Organisationen und Lebenswelten unserer Gesellschaft digitalisiert werden. Das verändert Prozesse und Geschäftsmodelle in allen gesellschaftlichen Bereichen in einschneidender Weise, ob in der Energiewirtschaft, dem Gesundheitswesen, der Bildung, der Mobilität, der Gesellschaft, oder in der Politik.

Technologisch treiben Big Data und – unter dem Schlagwort „Internet der Dinge“ – die totale Vernetzung virtueller und materieller Welten diese Entwicklung.

Die dadurch angestossenen Veränderung erfassen inzwischen alle Lebensbereiche – auch die Art und Weise,wie sich sich Institutionen jeder Art, also auch Verwaltungen, organisieren. Dr. Philipp Müller von CSC Deutschland bringt das so auf den Punkt: „Institutionell verändern wir uns von ‚Inside-out-‘ zu ‚Outside-in‘ Organisationen. In der Industrie wird dies zurzeit mit dem Begriff Industrie 4.0 beschrieben, in der Verwaltung mit Open Government“.

Und natürlich haben sich auch die Anforderungen, die Bürger und Unternehmen an ihre Verwaltungen stellen, dramatisch verändert. Das weiß auch Ulrike Huemer, seit März diesen Jahres CIO der Stadt Wien. „Die Nachfrage nach kommunalen IT-Dienstleistungen nehmen mit jedem Tag zu.“ Mobile Apps etwa würden immer mehr nachgefragt und müssten rund um die Uhr verfügbar sein.

Inzwischen verwaltet Wien eines der größten IT-Netze Europas. Vom einfachen PC bis zum städtischen Wasser- und Kanalnetz: Es gibt fast keinen Bereich mehr, der inzwischen nicht elektronisch gesteuert wird.

Dazu Ulrike Huemer:„Das ist ein internationaler Trend, eine technische Errungenschaft, die nicht aufzuhalten ist. Dabei sind IT-Security und Datenschutz ganz wichtige Themen.“

IT als strategisches Unterscheidungsmerkmal

Die dadurch notwendige Neuausrichtung öffentlicher Dienstleistungen auf die Bedürfnisse und die Lebenssituation der Bürger und Unternehmen erzwingen aber auch einen radikale Perspektivwechsel der Öffentlichen Verwaltungen auf ihr Tun, ist Huemer überzeugt. Gleichzeitig eröffneten sich so für die Verwaltungen erstaunliche Potenziale zur Effizienzsteigerung.

So sei es zum Beispiel denkbar, so Huemer, einen Bürger schon im Vorfeld darüber zu informieren, dass sein Ausweis demnächst ablaufe. Und zwar auf dem Kommunikationskanal, der dem Bürger am Liebsten sei.

Diese zahlreichen Anforderungen und Chancen bergen jedoch auch ebenso viele Risiken. Risiken denen immer wieder Kommunen erliegen. Die Wiener bringen das in ihrer IT-Planung so auf den Punkt: „Die IKT-Standortplanung basiert auf punktuell eingebrachten Einschätzungen und Konzepten einiger Ambitionierter, die die Lage primär aus ihrer subjektiven Perspektive betrachten.“ Die Folge, so die Verantwortlichen: Man arbeite mit fachspezifisch betrachteten Stückwerken. Es fehle der Gesamtüberblick, man verliere an Schlagkraft und überlasse die Treffsicherheit der IKT-Strategie dem Zufall.

Aufbrechen soll diesen Trend unter anderem die Plattform zur Digitalen Agenda (siehe Interview Seite 6). Überhaupt bilden partizipative Ansätze die Basis des Vorhabens. Dazu Ulrike Huemer: „Wir verwenden partizipativen Ansätzen wie Ideen- und Kollaborationsplattformen. Unser Ziel ist es, Experten und Bürgern in unserer Strategie Prozesse einzubeziehen. Auf diese Weise können wir die Intelligenz unserer Bevölkerung und der Weisheit der Vielen optimal nutzen.“

Dieser Anspruch findet auch in Strategie zur Digitalen Agenda seinen Ausdruck. Schon hier wird versucht, die unterschiedlichsten sozialen Gruppen zu beteiligen. Schüler werden ebenso angesprochen wie Senioren, Wissenschaftler und Investoren. Es gibt sogar ein Projekt mit dem man versucht, das Fachwissen von eher schüchternen Experten für die Digitale Agenda zu nutzen.

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Die Tabellen zeigen zudem, dass die Digitale Agenda darauf ausgelegt ist, alle Bereiche des digitalen Zeitalters zu integrieren. Industrie und Forschung werden ebenso berücksichtig, wie das Bildungs- und Gesundheitswesen.

Wien präsentiert damit einen Ansatz, der das Lebenslagenprinzip auf ganz andere Art beim Wort nimmt. Auf dem Weg zur Umsetzung wird es sicherlich Verzögerungen und Neuorientierungen geben. Nicht nur weil das Vorhaben der Wiener so komplex ist, sondern auch,weil es von vorne herein als langjähriger Prozess geplant wurde, der Wien in die erste Liga der Kommunen des digitalen Zeitalters bringen soll. Bei den mobilen Anwendungen zeigt die Strategie übrigens schon Früchte.

Weitere Informationen zur Digitalen Agenda Wiens

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