Informationsplattformen Wie Kommunikation die öffentliche Sicherheit verbessert

Autor / Redakteur: Thomas Mierschke / Gerald Viola

Ob und welches technische Präventionsverfahren zur Wahrung der inneren Sicherheit zweckmäßig und vertretbar ist, wird aus politischer und fachlicher Sicht überaus kontrovers diskutiert. Unstrittig jedoch ist: Nur durch enge Koordination unterschiedlicher Landes- und Bundesbehörden sowie nichtstaatlicher Hilfs- und Rettungsdienste lassen sich Krisensituationen rechtzeitig erkennen, Massenveranstaltungen effektiv schützen und Schäden bei eingetretenen Notlagen wirksam begrenzen. Voraussetzung für ein optimal abgestimmtes Vorgehen aller Beteiligten ist eine organisationsübergreifende Kommunikationsplattform.

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( Archiv: Vogel Business Media )

Als technische Basis dafür bietet sich das Architekturmodell intelligenter Informationsnetzwerke (IIN) von Cisco an: Ein IIN nutzt vorhandene IP-Netzwerke als Ausgangspunkt und versorgt neben dem Sprach- und Datentransport praktisch jedes analoge oder digitale Funksystem. Auch Überwachungskameras sowie Bewegungssensoren oder Gebäudezutrittskontrollen lassen sich nahtlos integrieren und technische Signalquellen dadurch mit verschiedenen Kommunikationsanwendungen kombinieren. Da sämtliche sicherheitsrelevanten Applikationen im IIN ihre gemeinsame Infrastrukturbasis finden, sinken die Managementkosten trotz gestiegener Funktionalität. Bei künftigen Erweiterungen werden zudem geringere Investitionsmittel benötigt, um das Sicherheitsniveau weiter zu verbessern. Großveranstaltungen wie die Fußballweltmeisterschaft oder das Oktoberfest in München versetzen die verantwortlichen Einsatzkräfte in höchste Alarmbereitschaft. Unter Umständen geht es um Leben und Gesundheit Tausender Menschen. Aber auch der Alltag unserer mobilen Gesellschaft stellt die Sicherheitsbehörden von Bund und Ländern vor wachsende Herausforderungen. So untermauern nicht zuletzt die jüngst in Regionalzügen der Bundesbahn aufgefundenen Kofferbomben die Dringlichkeit neuer Kooperationsformen zur Abwehr terroristischer Bedrohungen.

Optimale Kooperation braucht effiziente Kommunikation

Unabhängig davon, wie gut die Zusammenarbeit innerhalb von Einzelorganisationen funktioniert – bei der externen Kommunikation mit anderen Behörden werden viele der heute genutzten technischen Systeme den Anforderungen des 21. Jahrhunderts nicht mehr gerecht. Herkömmliche analoge Funksysteme sind zum Beispiel vielerorts schon mehr als zwanzig Jahre lang im Einsatz. Gerade bei Großeinsätzen können Verständigungsprobleme wegen schlechter Übertragungsqualität und fehlender Kanalkapazität die Ausübung hoheitlicher Aufgaben beeinträchtigen. Zudem sind die vorhandenen Analogsysteme grundsätzlich nicht abhörsicher und müssen daher durch verschlüsselte Digitalübertragung abgelöst werden. Bund und Länder wollen bis 2010 eine entsprechende Funkinfrastruktur aufbauen, die allen „Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben“ (BOS) gemeinsam zur Verfügung steht.

Bei der Errichtung einer universellen Netzwerkinfrastruktur, die heutige und künftige Sicherheitsansprüche mit der notwendigen Kosteneffizienz verbindet, ist der geplante Sprach- und Datenfunk für BOS zweifellos ein wichtiges Element – aber nur eines unter vielen. Worauf es entscheidend ankommt, ist: all diese Bausteine einzubetten in eine gemeinsame Infrastrukturlösung. Ziel muss es sein, eine hoch integrierte Plattform zu schaffen, um die Aktivitäten verschiedener Organisationen mit jeweils unterschiedlicher Trägerschaft und eigenständigem Aufgabenprofil optimal zu koordinieren. Derart vernetzte Sicherheitsorganisationen agieren dann auf der Grundlage eines gemeinsamen Lagebildes als eine Art „virtuelle“ Gesamtorganisation.

Integration sorgt für Investitionsschutz

Den adäquaten Architekturrahmen dafür liefern intelligente Informationsnetzwerke (IIN) von Cisco. Dahinter steht ein ganzheitlicher Netzwerkansatz, der in Wirtschaft und Industrie weltweit bereits messbare Erfolge bringt. Als Ausgangspunkt dienen vorhandene IP-Netzwerke, die im IIN durch zusätzliche „Intelligenz“ aufgewertet werden. Gemeint ist zum Beispiel die Fähigkeit eines Netzwerks, neue Anwendungen und Funktionen schnell und aufwandsarm zu übernehmen. Es kann dann jeden nur denkbaren Informationstyp situationsgerecht auf praktisch beliebigen Endgeräten bereitstellen.

Der geplante BOS-Digitalfunk wäre im IIN-Szenario nichts anderes als eine zusätzliche Netzwerkanwendung – optimiert für spezielle Digitalfunkgeräte. Dabei stehen quasi automatisch alle bereits installierten Netzwerkfunktionen uneingeschränkt zur Verfügung. Das betrifft unter anderem die Sicherheitsverfahren der Basisinfrastruktur wie Verschlüsselungsdienste, Mechanismen zur Abwehr von Hackerangriffen und zum Schutz vor Viren oder Würmern. In keine dieser Funktionen muss erneut investiert werden. Mit dem Cisco IP Interoperability and Collaboration System (IPICS) lassen sich neue Digital- und vorhandene Analogfunktechnik während der gesamten Migration parallel betreiben, und zwar bei vollständiger Interoperabilität beider Technologien. Durch die Einführung verbesserter Kommunikationsfunktionen für BOS verlieren früher geleistete Investitionen ihren Wert somit nicht.

Effektive visuelle Überwachung

Auch jenseits mobiler Funkkommunikation trägt die Integrationskraft eines Cisco IIN maßgeblich zur Verbesserung der öffentlichen Sicherheit bei. Da ein IIN prinzipiell jede Art digitalisierbarer Information zu übertragen vermag, lassen sich insbesondere Überwachungskameras mit großem Vorteil in die Gesamtlösung einbeziehen. So erkennt eine intelligente Software anhand von Bildvergleich und Bewegungsmustern beispielsweise einen herrenlosen Koffer auf einem Bahnhof automatisch. Per Netzwerk justiert sich dann der Neigungswinkel der nächstgelegenen IP-Kamera. Das Objekt wird fokussiert. Die Kamera zoomt heran und sendet den Bildausschnitt an den wachhabenden Sicherheitsmitarbeiter, zum Beispiel auf das Display seines IP-Telefons.

Betriebs- und Wartungskosten werden signifikant gesenkt

Auch hierfür können vorhandene Analogkameras im Sinne des Investitionsschutzes weiterhin im Einsatz bleiben. Sie lassen sich über entsprechende Adapter und digitale Video-Server beispielsweise nahtlos mit der Lösung Cisco IP Video Surveillance integrieren. Neuere Digitalmodelle sind heute ohnehin überwiegend IP-fähig. Statt kostspieliger Koaxialverkabelung lassen sie sich über gängige Ethernet-Buchsen direkt an das Netzwerk anschließen und (sofern die Netzkomponenten dies unterstützen) per Power over Ethernet (PoE) mit Strom versorgen. In einem Wireless LAN können Kameras zudem drahtlos angebunden werden, sodass sich ihr Standort schnell und aufwandsarm verändern lässt – etwa, wenn ein bestimmtes Areal nur temporär observiert werden soll.

Durch Video over IP entfällt die Notwendigkeit von Parallelinvestitionen in den Auf- oder Ausbau separater Übertragungswege für zahlreiche Videoüberwachungssysteme im öffentlichen Raum. Weil Betrieb und Wartung der gesamten Videotechnik von der zentralen Netzwerkadministration übernommen werden, reduzieren sich Betriebs- und Wartungskosten signifikant. Nicht zuletzt lassen sich durch Video over IP auch Videokonferenzen zwischen Angehörigen unterschiedlicher Organisationen ad hoc einberufen.

Die Kommunikation verbessert sich, und Zeit und Kosten werden eingespart – Zeit, die in akuten Krisensituationen unter Umständen Leben retten kann.

Zusammenfassung

Intelligente Informationsnetzwerke sind prädestiniert als Rahmenarchitektur für organisationsübergreifende Kommunikationsnetzwerke. Damit wird verhindert, dass sich der Einsatz moderner Technologien in Einzelsystemen ohne ausreichende Integration erschöpft und diesbezügliche Investitionen „versanden“. Integration ist das zentrale Stichwort bei der Errichtung einer zukunftsfähigen Plattform: Nur wenn sämtliche Kommunikations- und Überwachungssysteme über ein gemeinsames Netzwerk betrieben werden, lässt sich das Potenzial innovativer Technologien zur Verbesserung der öffentlichen Sicherheit optimal realisieren. Und nur so bleiben frühere und künftige Investitionen langfristig geschützt und werden laufende Kosten wie auch der Kapitalbedarf der Infrastruktur nachhaltig begrenzt.

(ID:2007305)