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Wie Gemeinden selbst ein LTE-Netz bauen

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Apropos Infrastruktur: Können Sie die genutzten Komponenten skizzieren?

Lemke: Ja, es gibt acht Basisstationen Huawei eNodeB und 15 stationäre Terminals, auch als Customer Premise Equipment, kurz CPE, bezeichnet. Es gibt eine Richtfunklösung für die Verbindung zwischen eNodeB und Enhanced Packet Core (EPC), der bis zu einem Gigabit pro Sekunde beherrscht. Darüber hinaus ist für die End-to-End-Abwicklung der Verbindung noch ein Übergang in das Internet nötig, das heißt: Es gibt einen ISP-Übergang. Der wird allerdings nicht von Huawei zur Verfügung gestellt, sondern von einem lokalen Service Provider. In Ożarowice hat der Systempartner „STIMO“ einen zentralen Internet-Hub bereitgestellt und per Leitung mit dem EPC verbunden. Die Verantwortung für das Routen des Verkehrs liegt demnach bei STIMO.

Welches Equipment brauchen die Kunden?

Lemke: Die entsprechenden Geräte – Smartphones, Dongles usw. – müssen die entsprechende Frequenz beherrschen, also 3.5 oder 3.6 GHz. Das ist heute generell nicht der Fall, und es werden spezifische Terminals benötigt. Die CPE-Ausstattung stammt vom asiatischen Markt, wo das Spektrum stärker verbreitet ist. Außerhalb Asiens gibt es aber Anstrengungen, dieses Spektrum mittelfristig für mobiles Breitband zu aktivieren. Es besteht also die Hoffnung, dass dieses Band in den kommenden drei bis vier Jahren in hierzulande allgemein verfügbaren Geräten integriert wird.

Inwieweit unterscheidet sich die beschriebene Infrastruktur von der eines klassischen Mobilfunkanbieters?

Lemke: Die LTE-Basistechnologie ist tatsächlich die gleiche wie bei einem öffentlichen Anbieter. Einzige Einschränkung: TDD-LTE 3.5 wird bisher außer im Vereinigten Königreich und im polnischen Beispiel von niemandem in Europa verwendet.

Könnte das Netz in Polen dann nicht auch wie ein reguläres Mobilfunknetz genutzt werden oder stehen stationäre Zugänge im Vordergrund?

Lemke: Im Prinzip ist das Netz mobil nutzbar. Im Augenblick ist es aber darauf ausgelegt, nur Datenverkehr zu transportieren. Es gibt also keine eingebettete Sprachlösung. Im Prinzip könnten Sie IP-Telefonie aber mit jedem OTT Voice Provider nutzen. Für eine VoLTE-Anwendung bräuchten Sie allerdings zusätzliches Equipment: Dann wären Sie erst mit einer kleinen IMS-Schicht und einem Applikationsserver für die VoLTE-Vermittlung vollständig ausgestattet.

Wäre eine Integration in ein vorhandenes Mobilfunknetz möglich?

Lemke: Die Basisstationen könnten auch durch Umkonfiguration des Backhaul-Routings in ein vorhandenes Mobilfunknetz integriert werden. Das ist im Prinzip möglich, aber wegen der genutzten Frequenzen sehr ungewöhnlich. Man könnte das Netz auch parallel zu den existierenden Frequenzen betreiben. Dann ist das Thema Mobility noch zu überwinden, denn im Moment macht niemand Mobility zwischen 3.5, 2.6, 2.1, 1.8 GHz usw.

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