Städtische Infrastruktur

Wie Frederiksberg eines Tages zur Smart City wurde

| Autor / Redakteur: Christian Boeckmann / Susanne Ehneß

Autofahrer können drei verschiedene App-Anbieter wählen, um ihre Parkvorgänge mit dem Smartphone zu starten, zu stoppen oder zu verlängern
Autofahrer können drei verschiedene App-Anbieter wählen, um ihre Parkvorgänge mit dem Smartphone zu starten, zu stoppen oder zu verlängern (Bild: © EasyPark)

EasyPark hat das Parken im dänischen Frederiksberg digitalisiert. Heute gibt es eine ­bargeldlose Abrechnung – ohne Papiertickets und Parkaufkleber. Und demnächst kommt eine schnelle Parkplatzsuche dazu.

Am Anfang stand ein echtes Verkehrsproblem: Als vor einigen ­Jahren die dänische Hauptstadt Kopenhagen ihre Parkgebühren erhöhte, stellten tausende Pendler und Touristen ihre Autos einfach in der Nachbargemeinde Frederiksberg ab. Denn dort waren die Parkplätze kostenlos oder zumindest wesentlich billiger.

Die Folge: massive Staus und Verkehrsprobleme. Die Gemeinde­verwaltung von Frederiksberg schaltete Poul Eldrup, den Chef des Parkplatzmanagements, ein. Er sollte die Gebühren für öffentliche Parkplätze verdoppeln und ein System fürs Anwohnerparken einrichten – aber ohne zusätzliche Betriebskosten.

Spagat geschafft

Eldrup beauftragte den schwedischen Mobile-Parking-Spezialisten EasyPark. Und der überraschte mit einer Komplettlösung.

Im April 2015 ging Europas erste vollständig digitale Park-Infrastruktur in Betrieb. Zuerst klang es wie ein echter Spagat: Bei gleichbleibenden Kosten die Verkehrsbelastung verringern und das ­Parken für Autofahrer komfortabler machen. EasyParks Lösung: Ein Dutzend Schnittstellen der städtischen Park-Infrastruktur verbinden sich in einem zentralen System:

  • On Street: Autofahrer können drei verschiedene App-Anbieter wählen (darunter EasyPark), um ihre Parkvorgänge mit dem Smartphone zu starten, zu stoppen oder zu verlängern. Gezahlt wird nur noch die tatsächliche Parkzeit – und das bargeldlos. Zu wenig oder zu viel eingeworfenes Münzgeld spielt keine ­Rolle mehr.
  • Off Street: Die städtischen Parkhäuser sind mit Kameras an den Ein- und Ausfahrten ausgestattet. Diese registrieren die Nummernschilder der Fahrzeuge ­(License Plate Recognition, LPR), Gebühren werden im Hintergrund dem jeweiligen EasyPark-Account zugerechnet. Warte­zeiten an Schranken und Kassenautomaten gehören damit der Vergangenheit an.
  • Die Autos der Car-Sharing-­Anbieter DriveNow und Car2Go geben ihre Parkzeiten automatisch weiter. Bei Autos des Herstellers Volvo ist EasyPark im ­Infotainment-System integriert. Dort lassen sich Parkvorgänge bequem regeln.
  • Wer eine der öffentlichen Ladesäulen für Elektroautos anzapft, bezahlt ebenfalls auf Wunsch via EasyPark-Account.
  • Über die Website der Gemeinde verwalten 30.000 Bürger ihre Anwohnerparkberechtigungen. Aufkleber für die Autos sind überflüssig, da die Kontrolleure über ihre LPR-Lesegeräte mit dem System kommunizieren.
  • Alle Abrechnungen laufen über einen Account, sodass die Autofahrer ihre Kosten im Blick behalten.

Die digitalisierte Park-Infrastruktur bescherte der Gemeinde derweil keine Mehrausgaben und auch keinen Mehraufwand. Im Gegenteil: An den Parkplätzen entlang der rund 110 Kilometer Gesamtstraßenlänge stehen nur noch 18 Parkautomaten (die ohne Papierticket funktionieren). Die Anwohner verwalten ihre Parkausweise selbst und entlasten so die Verwaltung.

Fazit

Fazit nach einem Jahr: Vor dem Projekt wickelte EasyPark rund 5.000 Transaktionen pro Monat ab, danach waren es schnell 25.000 – und die Zahl steigt weiter. Der Anteil des Mobile Parkings liegt ­inzwischen bei 86 Prozent. Das klassische Ticket ist verschwunden. Und die Verkehrsströme aus Kopenhagen haben sich deutlich verringert.

Poul Eldrup: „Durch das System von EasyPark haben wir unseren Umsatz deutlich gesteigert. Mich stört nur, dass wir parallel Parkautomaten installiert haben. Die hätten wir uns gespart, wenn wir gewusst hätten, wie viele Autofahrer übers Smartphone parken.“

Der erste Schritt Richtung Smart City ist gemacht. Das Zusammenführen aller Autoverkehrsdaten ermöglicht der Gemeinde Frederiksberg weitere Innovationen. „Demnächst steht eine datenbasierte Parkplatzsuche zur Verfügung“, sagt Morten Hother Sørensen, CEO von EasyPark Dänemark.

Und von den Erfahrungen, die das Unternehmen in Frederiksberg sammelt, sollen künftig auch deutsche Kommunen profitieren. Zum Beispiel die rund 80, in denen die Mobile-Parking-App von EasyPark bereits läuft.

Weitere Informationen

Ein Kurzvideo zur EasyPark-Lösung gibt es auf Youtube:

Kommentar zu diesem Artikel abgeben
Was machen die Touristen ? Bleiben weg !  lesen
posted am 08.09.2018 um 10:04 von Unregistriert


Mitdiskutieren
copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 44449044 / Kommune)