NEGZ veröffentlicht Studie zum Employer Branding

Wie die Verwaltung die besten Köpfe gewinnt

| Autor: Manfred Klein

Prof. Astrid. Nelke und Andreas Steffen vom NEGZ haben die Personalpolitik der Öffentlichen Verwaltung untersucht
Prof. Astrid. Nelke und Andreas Steffen vom NEGZ haben die Personalpolitik der Öffentlichen Verwaltung untersucht (Bild: © NEGZ)

Der Kampf um die besten Köpfe hat längst die Öffentlichen Verwaltungen erreicht. Ein Grundlagenpapier des Nationalen eGovernment Kompetenzzentrums (NEGZ) will nun eine Diskussion darüber in Gang bringen, wie dieser Kampf zu gewinnen ist.

eGovernment Computing sprach dazu mit den Verfassern des Grundlagenpapiers Prof. Dr. Astrid Nelke und Andreas Steffen.

Frau Prof. Dr. Nelke, Herr Steffen, was verstehen Sie eigentlich genau unter einer „Employer Branding-Strategie“, und was ist die Zielsetzung der Standortbestimmung?

Nelke: In Zeiten des Fachkräftemangels versuchen immer mehr Institutionen, sich durch eine starke Arbeitgebermarke – die sogenannte Employer Brand – als attraktiver Arbeitgeber zu positionieren, um gute Beschäftigte zu halten und neue Talente zu gewinnen. Employer Branding sollte dabei immer einer langfristigen Strategie folgen. Dieser Prozess setzt sich im Idealfall aus den Phasen Analyse, Strategie, Durchführung sowie Evaluation zusammen. Dabei ist es entscheidend, seine Hausaufgaben zunächst in der eigenen Organisation zu machen und die Beschäftigten mit ins Boot zu holen. Erst anschließend sollte die Arbeitgebermarke nach außen kommuniziert werden. Ganz wichtig: Das Management muss diesen Prozess wollen, anstoßen und aktiv begleiten.

Steffen: Wir wollen mit dieser Standortbestimmung die Diskussion anschieben, um dringend erforderliche Maßnahmen sowohl zur Personalgewinnung als auch -bindung zu unterstützen. Das NEGZ kann hierfür ein Sparringspartner der Verwaltung sein, der Fragen aufwirft, nachahmenswerte Beispiele liefert und konkrete Maßnahmen wie Kulturanalysen und deren Umsetzung unterstützt. Auf allen Ebenen: Bund, Länder und Kommunen, denn das Thema ist dort überall auf der Tagesordnung.

Das NEGZ beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit eGovernment. Was haben ­Personalmanagement und eGovernment miteinander zu tun?

Steffen: Um moderne Verwaltungsleistungen für Bürger und Unternehmen im erforderlichen Umfang und mit der richtigen Qualität anbieten zu können – und diese vorab in den Behörden zu implementieren –, braucht es unbedingt das dafür erforderliche Personal. Und das ist heute noch nicht überall vorhanden. Gleichzeitig tut sich die Verwaltung sehr schwer, sich für diese Zielgruppe als attraktiver Arbeitgeber zu positionieren. Der demografische Wandel schlägt auch hier zu, und der Nachwuchs rennt der Verwaltung nicht die ­Türen ein, um es vorsichtig zu formulieren. Gleichzeitig gilt es auch Veränderungen im Denken und Handeln des Managements anzustoßen. All das, um durch qualifizierte und vor allem engagierte Beschäftigte die Basis für Staats­modernisierung und Verwaltungsdigitalisierung zu schaffen.

Ist der Ansatz des Papiers nicht überholt? Wenn es um die Digitalisierung geht, dann rücken in der Diskussion immer häufiger Themen wie „Blockchain“ und „automatisierte Verwaltung“ in den Mittelpunkt.

Nelke: Es wird nie eine komplett automatisierte Verwaltung geben, da der „Faktor Mensch“ insbesondere in einer digitalisierten Welt von entscheidender Bedeutung ist. Wir wissen alle, dass in den nächsten Jahren viele IT-Fachkräfte der Verwaltung in den Ruhestand gehen – Engpässe sind also programmiert. Und gerade durch einen hohen Automatisierungsgrad gibt es mindestens punktuell besonders erklärungsbedürftige Verwaltungsprozesse; gleichzeitig wird in vielen Lebenslagen der hohe Stellenwert einer persönlichen Betreuung nie komplett entfallen.

Was sind in Ihren Augen die größten Herausforderungen für die Öffentliche Hand im Zusammenhang mit Personalmanagement? Muss sich die Verwaltung zumindest in Teilen nicht neu erfinden, wenn es zum Beispiel um Teilzeitarbeit, Home Office oder die Vereinbarkeit von Beruf und Familie geht?

Nelke: Ja, muss sie. Gleichzeitig fängt die Verwaltung nicht bei null an, denn es gibt bereits viele lobenswerte Beispiele, einige davon haben wir in unserem Papier skizziert. Hierzu gehört unter anderem das „Modellhaus Digitale Verwaltung“ in Köln, das Vorbild für andere Behörden sein kann. Allerdings fehlt Ebenen-übergreifend noch das Gesamtverständnis in der Öffentlichen Verwaltung, dass hier ein dringender Handlungsbedarf vorliegt, der nur durch ein langfristiges, strategisch angelegtes Vorgehen erfüllt werden kann. Hierbei ist hervorzuheben, dass ein solches Verständnis nicht einfach per Dienstanweisung geändert werden kann. Gleichzeitig gibt es nicht „die eine (einzige) Public Employer-Marke“, jede Organisation hat ihre spezifischen Eigenschaften, die entsprechend transparent dargestellt werden sollen, um sich als attraktive Arbeitgeberin zu positionieren.

Das jetzt vorliegende Dokument soll – wie beschrieben – in erster Linie Grundlage eines längeren Diskussionsprozesses sein. Wie soll es mit dem Projekt nun weitergehen?

Steffen: Zunächst freuen wir uns, wenn auch hierüber bekannter wird, dass es Hilfestellungen für Verwaltungen gibt, die den Bedarf selbst zwar deutlich spüren, aber häufig eben keine Best Practices und konkret nutzbare Maßnahmen kennen. Denn die in unserem Positionspapier genannten Erfolgsbeispiele gibt es ja schon vielerorts – nur sind sie in der Breite kaum bekannt. Wir möchten darüber ­hinaus einen Arbeitskreis im NEGZ etablieren, über den sich die Akteure vernetzen und voneinander lernen können. Dort können wir über die Plattform des NEGZ bei Bedarf auch immer weitere Experten hinzuziehen, aus dem Personalbereich wie auch Kommunikations- und spezifische Employer Branding-Experten. Darüber ­hinaus können wir mit dem NEGZ auch die aktive Begleitung von entsprechenden Veränderungsprozessen in einzelnen Verwaltungen ­anbieten, beispielsweise zum Stichwort „Kulturanalyse“.

Auf den Seiten des NEGZ steht das komplette Dokument zum Download bereit.

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Es bleibt zu hoffen, das die Studie auch die Frage der statusrechtlichen Einordnung der...  lesen
posted am 25.11.2016 um 18:19 von Unregistriert


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