Neues, digitales Outfit statt alter Zöpfe

Wie die Transformation beschleunigen?

| Autor / Redakteur: Hadi Stiehl / Manfred Klein

Welche zusätzlichen, regulatorischen Maßnahmen werden für diese Zielerreichung getroffen werden müssen?

Rosenboom: In der Verwaltung wird es zusätzlich darum gehen, die bestehende Schriftformerfordernis in Kombination mit einer händischen Unterschrift kritisch zu hinterfragen, um sie im Folgeschritt durch eine qualifizierte ­elektronische Signatur zu ersetzen. Denn diese qualifizierte elektronische Signatur ist wiederum die ­Voraussetzung dafür, durchgängige digitalisierte Prozesse herausbilden und umsetzen zu können.

Mit diesen durchgängig digitalisierten Prozessen werden die Verantwortlichen eine Datenerfassung und Datenhaltung in konsolidierten Registern voranbringen müssen, auf die dann unterschiedliche Verfahren werden zugreifen können. Der Nationale Normen­kontrollrat (NKR) hat für die anstehende Modernisierung der deutschen Registerlandschaft bereits die notwendige Entwicklungsvorarbeit geleistet.

Aber auch in dieser Hinsicht bleibt noch viel zu tun. Wir reden heute von über 200 unterschiedlichen Registern für Bürger und Unternehmen, die digitale Dienste in Anspruch nehmen wollen, die sich immer wieder neu gegenüber den einzelnen Registern anmelden und jeweils gesondert ihre persönlichen, in der Regel unveränderten Basisdaten eingeben müssen. Die redundante Mehrfacherhebung führt nicht nur bei Bürgern, Unternehmen und in der Verwaltung zu Mehrkosten, sondern zudem zu Eingabefehlern. Sie eröffnet außerdem Missbräuche, sobald bewusst voneinander abweichende Mehrfachmeldungen eingegeben werden.

Von fragmentarischen zu durchgängigen digitalen Verwaltungsprozessen: Welche technischen Mittel stehen dafür zur Verfügung?

Rosenboom: Auf jeden Fall wäre es ein Fehler, fragmentarische und zudem papiergestützte Prozesse zu „elektrifizieren“ und damit für die Zukunft fortzuschreiben. Nur durchgängige digitale Prozesse führen zu einer effizienten und effektiven Verwaltung und gegenüber Bürgern und Unternehmen zu einem zeitgemäßen Online-Auftritt.

Für die notwendige Neugestaltung der Prozesse kann die Verwaltung auf in Unternehmen bereits seit langem bewährte Methoden des Prozessmanagements und der Geschäftsprozessoptimierung in Form von Business Process Management (BPM) und Decision Modelling Notification (DMN) zurückgreifen.

Für die notwendige Durchgängigkeit dieser Prozesse müssen die Projektverantwortlichen natürlich zuvor den angestrebten eGovernment-Auftritt in seiner Gesamtheit konzeptionell erfassen. Die anstehende Herausforderung ist aber mehr als nur Prozessgestaltung und -umsetzung. Auch Inhalte in Form von Datenbeständen und das Zusammenspiel von Verfahren muss dafür durchdrungen werden.

Und was ist für den notwendigen mentalen Wandel in den Behörden notwendig?

Rosenboom: Dafür wird eine gehörige Portion an Innovationsfreude, experimenteller Bereitschaft und Investitionen aufgebracht werden müssen. Die Größenordnung der Herausforderung sollte keinesfalls unterschätzt werden. In der Verwaltung muss die Bereitschaft wachsen, alte Zöpfe abzuschneiden, stattdessen ein neues, digitales Outfit und ein internes Umdenken zu wagen.

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Oft liegt es ja auch an komplexen und langwierigen Softwareprojekten. Software, die dann auch noch...  lesen
posted am 05.05.2018 um 15:00 von Unregistriert


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