Neues, digitales Outfit statt alter Zöpfe

Wie die Transformation beschleunigen?

| Autor / Redakteur: Hadi Stiehl / Manfred Klein

Muss sich nicht auch die Haltung gegenüber den Kunden – den Bürgern und Unternehmen – ändern, um diese für Online-Services zu gewinnen?

Rosenboom: Sie sprechen damit einen ganz wichtigen Punkt an. Um Bürger und Unternehmen gleichermaßen für eGovernment-Services zu begeistern, müssen die Dienste einfacher in der Ausgestaltung und Ausführung, dadurch einfacher ­erfassbar werden. Ihr Zuschnitt muss sich zudem mehr an den ­Anforderungen der Kunden orientieren, anstatt wie bisher nahezu ausschließlich an internen Erfordernissen und Vorgaben.

Beispielhafte Projekte in Deutschland für mehr Benutzernähe sind die sogenannten Bürger- und Geschäftskonten. Die Portal-Teilnehmer hinterlegen ihre eindeutige Identität nur einmalig und zudem sicher. Danach können sie sich über ihre Identität immer wieder und gegenüber vielen eGovernment-Diensten authentisieren, ohne sich Authentisierungskriterien merken und jedes Mal erneut eingeben zu müssen.

Außerdem sollten für eine höhere Akzeptanz der Online-Services weitere Einstiegshürden fallen. So kann es nicht sein, dass die Bürger für die Authentisierungsgeräte aufkommen müssen, als Voraussetzung dafür, solche Services abrufen zu können. Die Strategie in der Verwaltung wird stattdessen in die Richtung gehen müssen, Anreize für die Nutzung digitaler Services zu setzen. Nur ein Beispiel von vielen: eine abgesenkte Gebühr für die Verlängerung eines Personalausweises, wenn diese online erfolgt. Über Verwaltungs-Portale anderer europäischer Staaten gehören derartige Anreize bereits seit einiger Zeit zur gängigen Online-Praxis.

Sie haben die Investitionen angesprochen, die notwendig wären, um die digitale Transformation in der deutschen Verwaltung schneller voranzubringen. Ist somit das Geld, dass dafür bereitgestellt werden müsste, ein wesentliches Hindernis auf dem Weg in eine digitalisierte Verwaltung?

Rosenboom: Lassen Sie mich in diesem Kontext auf ein Beispiel näher eingehen. Eine digitalisierte Verwaltung setzt natürlich eine stärkere Vernetzung der Software- und Anwendungslandschaften ­voraus, dies trotz historisch gewachsener Verwaltungsstrukturen. Dies bedeutet nicht zwangsläufig, dass in teure Systemneuanschaffungen investiert werden muss. Oft reicht es dazu aus, die unterschiedlichen digitalen Plattformen in der Form interoperabel zu machen, dass sie untereinander Daten austauschen können.

Zu einer rascher voranschreitenden digitale Transformation gibt es für die Verwaltung ohnehin keine Alternative. Das Anfang 2017 verabschiedete Onlinezugangsgesetz verpflichtet sie, ihre Dienste binnen der nächsten knapp fünf Jahre digital zugänglich zu machen. Dieses Ziel werden die Verantwortlichen in der Verwaltung nur erreichen und umsetzen können, wenn sie dafür Sorge tragen, dass die Portale von Bund, Ländern und Kommunen soweit ausgebaut werden, dass sie zu einem behörden- und verwaltungsübergreifenden Gesamt-Portal-Verbund formiert werden können – inklusive attraktiver eGovernment-Services. Nur unter dieser Voraussetzung werden in Deutschland in absehbarer Zukunft Bürger und Unternehmen von überall Zugriff auf alle notwendigen digitalen Verwaltungsdienste erhalten, sei es auf Bundes-, Länder- oder kommunaler Ebene.

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Oft liegt es ja auch an komplexen und langwierigen Softwareprojekten. Software, die dann auch noch...  lesen
posted am 05.05.2018 um 15:00 von Unregistriert


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