Informationsgesellschaft

Wider die digitale Sorglosigkeit

| Redakteur: Manfred Klein

IT-Sicherheit in Deutschland – ein Vergleich

Sind wir in Deutschland bei diesem Thema überhaupt auf dem neuesten Stand, sind wir wissenschaftlich gut aufgestellt? Und wie sieht es in der Wirtschaft aus – haben wir gute Produkte und haben wir gute Fachleute? Wissen die Unternehmen denn, an wen sie sich wenden können, wessen Beratung und welchen Produkten sie vertrauen können?

Esken: Ich denke schon, dass die IT-Sicherheitsforschung ganz gezielt gefördert werden muss, wenn wir Schritt halten wollen. Die Studienordnungen der Informatik müssen die IT-Sicherheit verpflichtend in den Fokus nehmen, und wir müssen die duale und die Hochschulausbildung von IT-Sicherheitsfachleuten stärken, denn wir haben einen eklatanten Mangel an gut ausgebildeten Fachkräften.

Arendt: Am Ende kommt es aber auch darauf an, durch einen gewissen Nachfragedruck die technologische Entwicklung voranzutreiben. Denken Sie nur an die Umwelttechnologie – da sind wir in Deutschland technologisch führend geworden, weil eine strenge Gesetzgebung den Takt vorgegeben hat. Ich denke, es ist notwendig, die verschiedenen Welten nicht mehr so zu trennen, wie wir es bisher getan haben: Ohne Kooperation kommen wir nicht weiter. Und die Zusammenarbeit sollte sich nicht nur auf Unternehmen beziehen, sondern auch den Staat und die Verwaltung einbeziehen. Wir haben etwa 1.200 Wissenschaftler, die tagtäglich das Internet durchforsten. Warum nutzt der Staat die Daten eines solchen Lagebildes nicht für sich?

Wenn Sie mich mit Ihrer Kampagne, mit Bildungsanstrengungen und Mitarbeiterschulung erreicht haben, dann verzweifle ich aber immer noch an der Installation einer Mail-Verschlüsselung – einfach ist da leider gar nichts. Und Unternehmen sehen das vermutlich genauso?

Esken: Ja, den Vorwurf müssen sich die Hersteller schon gefallen lassen: Sicherheitslösungen sind oft zu kompliziert und zu schwerfällig, weil sie sich an Fachleute in den großen Unternehmen richten, an Spezialisten, die sich ohnehin alltäglich mit der Thematik IT-Sicherheit beschäftigen.

Arendt: Der Erfolg großer amerikanischer Anbieter liegt nicht einmal in ihrer Qualität, sondern in ihrer Nutzerfreundlichkeit. Wenn wir eine sichere (IT-) Zukunft anstreben, brauchen wir „security by default“, also Sicherheit als selbstverständlicher Grundbestandteil der Systemarchitektur jeder Anwendung und jedes Endgeräts. Und die Anwendung muss für jeden Nutzer, für jedes Unternehmen auch ohne spezifische Vorkenntnisse zu bewältigen sein.

Wenn Sie den Lesern kurz und knackig und zum Weitererzählen mitgeben sollten, worüber wir gesprochen haben – was würden Sie sagen?

Esken: Wenn wir Vertrauen und Zuversicht in die Digitalisierung stärken wollen, dann müssen wir Mut machen für den kulturellen Wandel, wir müssen aber auch Bewusstsein und Verständnis für die Angreifbarkeit von IT-Systemen schaffen und gleichzeitig in die Verlässlichkeit, in Vertrauen und Akzeptanz für IT-Sicherheitstechnik, Verschlüsselung und andere Sicherungsverfahren investieren.

Arendt: … und bis die Anwendung von IT-Sicherheit so selbstverständlich ist wie das Anschnallen im Auto, ist es noch ein weiter Weg. Die Digitalisierung lässt uns aber nicht viel Zeit, sie bestimmt weite Teile unseres alltäglichen Lebens mit rasanter – und für uns alle – ungewohnter Geschwindigkeit. Und hier sind Politik und Wirtschaft gefordert, schnell und entschlossen und mehr gemeinsam zu handeln.

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Die Ambivalenz liegt auf der Hand. Jeder muss begreifen, eine 100-%ige Sicherheit wird es nicht...  lesen
posted am 18.03.2016 um 13:01 von Unregistriert


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