Informationsgesellschaft

Wider die digitale Sorglosigkeit

| Redakteur: Manfred Klein

Sicherheit als Gesamtkonzept

Esken: Leider ist vielen nicht bewusst, dass der Schaden, der beispielsweise durch den Diebstahl von Daten verursacht wird, genauso handfest ist wie der Diebstahl einer „Sache“ in der analogen Welt. IT-Sicherheit kann aber nur funktionieren, wenn die Nutzer die Gefahren ebenso kennen wie die Abwehrmechanismen und Vorsichtsmaßnahmen.

Reicht es denn nicht, die Geräte und die Software sicher zu machen? Warum müssen die Nutzer denn so gut Bescheid wissen?

Arendt: Viele Angriffe nutzen gerade die fehlende Kenntnis einfachster Sicherheitsregeln aus. Das Ausspähen des persönlichen Umfeldes eines Opfers gehört zu den erfolgreichsten Vorgehensweisen. Mit privaten Daten oder kompletten digitalen Identitäten verschafft man sich umfassenden Zugang zu Rechnern und durchdringt und schädigt in der Folge die gesamte IT einer Institution – nur weil ein Nutzer unbedacht den Anhang einer eMail unbekannter Herkunft geöffnet hat.

Esken: Dazu kommt der wachsende Einsatz mobiler Geräte: Smartphones und Tablets sind vernetzte Hochleistungsrechner – und ihre Sicherheit wird behandelt, als handele es sich um ein Telefon. Je mehr die mobilen Endgeräte gleichzeitig privat und beruflich genutzt werden, desto mehr muss ihre Angreifbarkeit ins Bewusstsein von Nutzern und Unternehmen gerückt werden.

Es ist ja aber nicht so, dass diese Informationen nicht zur Verfügung stünden. Wie wollen Sie dieses Bewusstsein und das nötige Wissen wirklich effektiv verbreiten?

Esken: Die reale Gefährdung durch Cyberkriminalität bewusst machen, ohne Ängste zu schüren und dabei deutlich machen: Man kann sich schützen! Dafür braucht es eine professionelle Kampagne, die für die verschiedenen Zielgruppen eine jeweils angemessene Sprache verwendet. Statt unverständlicher Fachbegriffe nutzt man Vergleiche aus dem analogen Leben und setzt die unterschiedlichsten Medien ein: Großflächen-Plakate, TV-Spots und Flyer, aber auch youtube-Videos, Quizzes und Games.

Arendt: Erinnern Sie sich noch, wie in den 70er Jahren der Sicherheitsgurt eingeführt wurde? Die Leute haben das erst verteufelt, dann belächelt und jedenfalls wenig zur Kenntnis genommen. Eine umfangreiche Aufklärungskampagne in Radio und TV verhalf dem Anschnallen mit einprägsamen Slogans zu wachsender Akzeptanz. Heute ist das Anschnallen, gegen das vielen sich vehement gewehrt hatten, den allermeisten in Fleisch und Blut übergegangen. Nur noch für die ganz Unverbesserlichen musste das Anschnallen verpflichtend gemacht und das Nichtbeachten unter Strafe gestellt werden.

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Die Ambivalenz liegt auf der Hand. Jeder muss begreifen, eine 100-%ige Sicherheit wird es nicht...  lesen
posted am 18.03.2016 um 13:01 von Unregistriert


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