Informationsgesellschaft

Wider die digitale Sorglosigkeit

| Redakteur: Manfred Klein

Aufgaben des Staates?

Müsste der Staat aber nicht mit einer modernen und effizienten, digital gewandelten Verwaltung vorangehen, gerade um zu zeigen, dass im Rahmen der Digitalisierung Sicherheit möglich und Vertrauen gerechtfertigt sind? Warum sind Politik und Politiker so schwer zu überzeugen?

Esken: Bei der Verbesserung des Datenaustauschs für die Flüchtlingshilfe, die der Bundestag vor einigen Wochen beschlossen hat, haben wir gesehen, dass die Politik durchaus handlungsfähig ist. Jetzt folgt die Umsetzung in der Verwaltung – vor uns liegt ein aufschlussreiches Experiment zur digital gestützten Zusammenarbeit über die Grenzen von Verwaltungsebenen und -ressorts hinweg.

Auch kleine und mittlere Unternehmen (KMU) sind gegenüber der Cloud-Technologie, datengetriebenen Geschäftsmodelle und plattformgestützten Wertschöpfungsketten skeptisch, während die Zahl der IT-Sicherheitsvorfälle auch in den KMUs täglich steigt. Was steckt dahinter?

Esken: Die KMUs haben zwar den Mehrwert digitaler Technologien für ihre Produktivität erkannt, doch ihr Augenmerk liegt eher auf Stabilität als auf disruptiver Innovation. Und obwohl die Verunsicherung durch immer mehr cyberkriminelle Angriffe groß ist, fehlt es am grundlegenden Wissen und am Zugang zu IT-Sicherheitsverfahren – und damit am Vertrauen darin.

Arendt: Das sehe ich genauso – wenn wir den digitalen Wandel in Verwaltung, Wirtschaft und Gesellschaft zum Erfolg führen wollen, dann müssen die Menschen den digitalen Technologien und Verfahren vertrauen können, müssen sich damit sicher fühlen. Das IT-Sicherheitsgesetz erhöht – als erster Schritt – die Sicherheit der kritischen Infrastruktur, doch Vertrauen in die IT-Sicherheit kann nicht von oben verordnet werden.

Es braucht also mehr Wissen und mehr Vertrauen in Datenschutz und IT-Sicherheit, damit Menschen und Unternehmen sich auf die Digitalisierung einlassen?

Arendt: Um die Bedeutung und die Wirkmächtigkeit der IT-Sicherheit in das kollektive Bewusstsein der Gesellschaft zu transportieren, müssen wir auf die realen Gefahren hinweisen, gleichzeitig aber auch deutlich machen, dass und wie man sich schützen kann. Die Bedrohungslage ist ja geradezu explodiert: Immerhin wurde allein in den vergangenen beiden Jahren mehr Schadsoftware aufgedeckt als in den zehn Jahren davor zusammen. Wir registrieren an manchen Tagen bis zu 30 Millionen Angriffe weltweit. Und es ist mit einfachen Mitteln aus dem Internet sehr schnell möglich, aus einer bekannten Schadsoftware eine „unbekannte“ zu erstellen, was wiederum weitreichende Folgen hat.

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Die Ambivalenz liegt auf der Hand. Jeder muss begreifen, eine 100-%ige Sicherheit wird es nicht...  lesen
posted am 18.03.2016 um 13:01 von Unregistriert


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