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EU-Dienstleistungsrichtlinie Wichtiger Schritt zur Verwaltungsmodernisierung

Autor / Redakteur: Petra Krickl / Gerald Viola

Der EU-Binnenmarkt und eine stetig zunehmende Datenflut stellen die Öffentliche Verwaltung vor neue Herausforderungen. So hat sich beispielsweise die Anzahl der zu bearbeitenden eMails in den letzten fünf Jahren pro Mitarbeiter mehr als verfünffacht. Insgesamt hat die Menge der Dokumente und Dateien massiv zugenommen.

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( Archiv: Vogel Business Media )

Ein Großteil davon ist unstrukturiert, das heißt, nicht in ein entsprechendes ERP- oder CRM-System eingebunden. Die Suche der Mitarbeiter beispielsweise nach gültigen Versionen und aktuellen Inhalten beansprucht mittlerweile 20 bis 30 Prozent der Arbeitszeit.

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Die zunehmende Unterstützung der Verwaltungsarbeit durch leistungsfähige Informations- und Kommunikationstechnik hat darüber hinaus auch dazu geführt, dass sogenannte „heterogene Systemlandschaften“ mit unterschiedlichsten Schnittstellen, Standards, Benutzeroberflächen und mit differierender Anwendungslogik entstanden sind. Das bedeutet, bisher eingesetzte IT-Lösungen und -Systeme konzentrieren sich im Wesentlichen auf einzelne Abläufe und Prozesse; die darin enthaltenen Daten und Informationen sind ebenfalls in unterschiedlichen Quellen und Formaten verfügbar.

Das führt unter anderem dazu, dass der reibungslose Datenaustausch innerhalb einer Verwaltung und mit anderen Verwaltungen sowie mit Bürgern und Unternehmen erheblich erschwert ist. Dies blockiert eine volle Entfaltung der möglichen Nutzbarkeit der eingesetzten Informationstechnik, was letztlich sogar zusätzliche Kosten verursacht.

Effizienz durch Dienstleistungsrichtlinie

Bedingt durch die heterogene Architektur müssen sich Fachverfahrensanwender immer wieder an neue Bedienungskonzepte gewöhnen. Sie müssen die richtigen Fachverfahren auswählen, die richtigen Informationen an der richtigen Stelle zur Verfügung stellen. Darunter leidet nicht nur die Qualität der Entscheidungsfindung an sich, sondern auch die Effizienz sowie Transparenz in der täglichen Arbeit und die Freude des Mitarbeiters am Einsatz moderner Arbeitsinstrumente. Gefragt sind hier entsprechende Applikationen, die insbesondere vor dem Hintergrund einer steigenden Datenflut, heterogener Systemlandschaften sowie zukünftiger Herausforderungen ein effizienteres Arbeiten und eine grundsätzliche Verwaltungsmodernisierung ermöglichen.

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Ein wichtiger Schritt zur Verwaltungsmodernisierung ist die Umsetzung der EU-Dienstleistungsrichtlinie, die Ende 2009 in Kraft treten wird. Ziel ist es, allen europäischen Unternehmen und Unternehmensgründern die gleichen Bedingungen für ihre Geschäftstätigkeit in einem einheitlichen europäischen Markt zu gewährleisten und bürokratische Hindernisse abzubauen. Im Rahmen der Umsetzung soll ein flächendeckendes Netz einheitlicher Ansprechpartner geschaffen werden. Jeder Antragsteller soll über eine zentrale Stelle alle nötigen Verfahren und Formalitäten, beispielsweise für eine Gewerbeanmeldung, online im Internet abwickeln können.

Um dabei ein Höchstmaß an Sicherheit und Qualität zu garantieren, ist gerade die Vernetzung dezentraler IT-Infrastrukturen eine große Herausforderung. Die EU-Dienstleistungsrichtlinie unterstützt somit nachhaltig die Bemühungen in Deutschland, ihre Verwaltungsstrukturen zu modernisieren.

Eine wichtige flankierende Maßnahme ist das Deutschland-Online-Projekt EU-DLR, das Microsoft und das Fraunhofer-Institut FOKUS für offene Kommunikationssysteme in Berlin als Partnerunternehmen des Projektes unterstützen. Das Microsoft-Lösungskonzept zur EU-DLR baut auf den Forschungsergebnissen des Fraunhofer FOKUS Institutes auf.

Das Fraunhofer-Institut FOKUS hat einen Demonstrator entwickelt, der anschaulich zeigt, wie eine technologie- und lösungsunabhängige Kommunikation aussehen kann.

„Erstmals können wir in unserem eGovernment-Labor demonstrieren, wie ein System aussehen muss, das Ende 2009 den Anforderungen der EU-Dienstleistungsrichtlinie genügt“, beschreibt Professor Radu Popescu-Zeletin, Direktor des Fraunhofer-Instituts FOKUS in Berlin, die Ziele der Entwicklung. „Der Prototyp, der auf Basis von Microsoft-Technologien und -Produkten entwickelt wurde, bietet dem Antragsteller nur noch einen Ansprechpartner für Information, Beratung und Koordination – und das für den gesamten Prozess einer Gewerbeanmeldung.“

Der Demonstrator zeigt beispielhaft den Zugang des Antragstellers über das Internet und zeigt vor allem die Herausforderung der Anbindung der unterschiedlichen Verwaltungseinrichtungen in den Genehmigungsprozessen auf. Basis für die technische Realisierung ist das Konzept des Modernen Verwaltungsarbeitsplatzes von Microsoft. Dieser sorgt für eine Homogenisierung der IT-Strukturen und unterstützt somit alle Verwaltungsabläufe.

Der Demonstrator ist eine Studie, die unter Berücksichtigung der Interoperabilität den Nachweis der Realisierbarkeit des Architekturkonzepts erbringt. Denn eines ist klar: „One Stop Government“ erfordert einen Arbeitsplatz, der den Anforderungen der EU-DLR gerecht wird. Statt Individuallösungen greifen Standardkomponenten, die den Einheitlichen Ansprechpartner unterstützen und sich in die Infrastruktur der Kammern und Ämter nahtlos einfügen. Unter der Federführung eines Microsoft Technologie-Partners wurde eine effektive und effiziente Lösung auf Basis des Modernen Verwaltungsarbeitsplatzes sowie den Erkenntnissen aus der Kooperation mit Fraunhofer entwickelt.

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Vorteile für die Kunden der Öffentlichen Verwaltung

  • Ein umfassendes Internet-Angebot im Rahmen der EU-DLR vereinfacht die Wirtschaftsförderung, beispielsweise eine Standortberatung bei der Planung expansiver Maßnahmen von Unternehmen.
  • Innovative Technik verbessert die überregionale Vernetzung. Dies begünstigt unter anderem eine unkomplizierte Ansiedlung von Unternehmen aus allen EU-Ländern. Hier werden notwendige Behördenwege einem heutzutage mehr als flexiblen Arbeitsmarkt angepasst. Darüber hinaus werden verwaltungstechnische Vorgänge im Besonderen für mittelständische Unternehmen beschleunigt. Sowohl in- als auch ausländische Antragsteller profitieren von einer vereinfachten, schnelleren Abwicklung ihrer Anfragen und Anträge durch Schaffung des Einheitlichen Ansprechpartners (EAP). Dank der EU-DLR werden Verwaltungsvorgänge insgesamt verschlankt. Antragsteller können sich jederzeit über den aktuellen Status ihrer Anliegen informieren. Zudem ist jeder kommunale Sachbearbeiter in der Lage, mühelos die Rolle des Einheitlichen Ansprechpartners (EAP) zu übernehmen.

Eine wichtige Voraussetzung zur fristgerechten Einführung der EU-DLR ist die Interoperabilität. Ein gemeinsamer Standard erleichtert dabei vieles. Besonders sinnvoll ist dieser unter anderem bei der Herausforderung, die Anbindung von Fachverfahren zu realisieren. Denn grundlegende Basis für eine technologieübergreifende und lösungsunabhängige Kommunikation sind Standards und interoperable IT-Systeme.

In der Gesamtbetrachtung bietet der Moderne Verwaltungsarbeitsplatz für die EU-DLR eine Menge Vorteile. Diese reichen von Kosteneffizienz, Reduktion des Schulungsaufwands durch die bekannte Office-Bedieneroberfläche und die einfache Administrierbarkeit über eine hohe Flexibilität hin zur problemlosen Integration existierender Fachverfahren.

Chance für Verwaltungsmodernisierung

Insgesamt stellt die fristgerechte Einführung der EU-Dienstleistungsrichtlinie die Verwaltungen zwar vor große Herausforderungen. Sie ist aber auch als Chance zu sehen: Mit der EU-DLR wird ein Meilenstein für eGovernment in Deutschland gelegt und kann Anstoß für die grundlegende Verwaltungsmodernisierung sein, bei der nicht das Verfahren, sondern der Anwender im Mittelpunkt steht.

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