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Mobilfunkausbau Wi-Fi 6E für wachsende Datenmengen unverzichtbar

| Autor: Julia Mutzbauer

Im Zeitalter der digitalen Vernetzung ist eine zuverlässige WLAN-Verbindung entscheidend, um immer größere Datenmengen zu übertragen. Die Bundesregierung will dazu die Einführung von 5G-Netzen bis 2025 realisieren. Vor diesem Hintergrund empfiehlt die Wi-Fi Alliance den neuen Wi-Fi-Standard 6E. Darüber hat eGovernment Computing mit ­Kevin Robinson, Senior Vice President Marketing bei der Wi-Fi Alliance, gesprochen.

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Der neue Wi-Fi-Standard 6E ermöglicht höhere Geschwindigkeiten und Datendurchsatzraten bei der WLAN-Nutzung
Der neue Wi-Fi-Standard 6E ermöglicht höhere Geschwindigkeiten und Datendurchsatzraten bei der WLAN-Nutzung
(© deepagopi2011 - stock.adobe.com)

Weshalb ist der neue Wi-Fi-Standard 6E für den 5G-Ausbau ­erforderlich?

Robinson: Gerade die aktuelle Situation der Pandemie zeigt eindrucksvoll die Bedeutung einer schnellen und verlässlichen Internetverbindung. Besonders der Einsatz in systemrelevanten Bereichen, wie der Telemedizin und in Krankenhäusern, hat zugenommen und sich als essenziell für die sichere und effiziente Patientenversorgung erwiesen. Auch der Wechsel in das Homeoffice oder auf Homeschooling, der durch Schulschließungen und Quarantänemaßnahmen bedingt war, wäre ohne Wi-Fi nicht möglich gewesen.­

Besonders bei der Arbeit von zuhause aus ist eine verlässliche Internetverbindung wichtig. Doch aufgrund der stark wachsenden Anzahl von Wi-Fi-Geräten kommt es zu Überschneidungen auf den verfügbaren Sendefrequenzen. Deshalb ist die Lizenzierung des Frequenzbands 6 Gigahertz (GHz) dringend nötig, um eine weitere Überlastung zu verhindern – allein in Deutschland soll es bis 2023 über eine halbe Milliarde Wi-Fi-Geräte geben. Wi-Fi 6E arbeitet mit einem größeren Frequenzspektrum, das mehr Kanäle und somit eine größere Bandbreite bietet. Der neue Wi-Fi-Standard kann so auch an stark frequentierten öffentlichen Orten eine herausragende Internetverbindung gewährleisten.

Können Sie mir ein konkretes Beispiel nennen?

Robinson: Denken Sie zum Beispiel an die zurzeit überall veranstalteten Videokonferenzen. Aufgrund der wachsenden Daten­volumina, die dabei übertragen ­werden, benötigen wir höhere Datendurchsatzraten für eine zufriedenstellende Performance. Hier darf es nicht zu Unterbrechungen der Übertragung kommen. Das hat große Bedeutung für die Praktikabilität und die persönliche Erfahrung bei der Nutzung solcher Dienste. Es ist deshalb unerlässlich, dass die Regulierungsbehörden die 6-Gigahertz-Technologie fördern, um die Nutzungserwartungen im privaten und beruflichen Umfeld, aber auch die von staatlichen Einrichtungen, zu erfüllen.

Ein Beispiel aus der Industrie: Möchte ein IT-Manager ein Wi-Fi-Netzwerk aufbauen, steht ihm im 6-GHz-Netz ein Frequenzbereich von 1.200 Megahertz zur Verfügung – weit mehr als in den aktuell genutzten Wi-Fi-Frequenzen. So hat er die Möglichkeit, mehrere­ und breitere Kanäle zu verwenden, auf welchen die Geräte miteinander kommunizieren können. Das bedeutet nicht nur höhere Bandbreite, sondern auch mehr Flexibilität, da sich die Funkfrequenzen nicht überschneiden und es so zu keinem Qualitätsverlust kommt. Die 6-GHz-Frequenz kann außerdem nur von neuen, dem Standard entsprechenden Geräten genutzt werden und ist so weit weniger ausgelastet als 2.4 GHz oder 5 GHz.

Wo sehen Sie die wichtigsten Anwendungsbereiche?

Robinson: Die größere Bandbreite und geringeren Latenzzeiten von Wi-Fi 6E spielen vor allem eine wichtige Rolle für Industrie-Anwendungen und das IoT (Internet of Things). Diese Vorteile werden unter anderem auch im eGovernment-Bereich benötigt, in dem ­große Datenvolumina verarbeitet werden. Von der größeren Bandbreite, der höheren Stabilität und geringeren Latenz können aber auch andere Bereiche profitieren. Zum Beispiel im Gesundheitswesen die Telemedizin oder auch bei Verbraucheranwendungen wie AR (Augmented Reality) und VR (Virtual Reality), Video-Streaming-Dienste und Gaming.

Wie ist es denn um die Reichweite bestellt? Es ist doch so, dass Wände höhere Frequenzen behindern?

Robinson: Das ist richtig. Bei höheren Frequenzen sinkt die Reichweite, wenn die Verbindung durch Wände geht. Deshalb ist neben dem Ausbau von 5G die Einführung des Wi-Fi-Standards in Deutschland so wichtig. Denn nur mit Wi-Fi 6E kann auch im Innenraum die Internetanbindung in Gigabitgeschwindigkeit sichergestellt werden.

Der Trend bei der Netzwerkentwicklung geht hin zu mehr Netzwerkkapazität. Dabei werden mehr Zugangspunkte mit kleineren Abdeckungsbereichen genutzt. Zum Beispiel in Hotels ist es oft so, dass sich dort jeweils ein Zugangspunkt in jedem Raum befindet und nicht mehr nur wenige Punkte im Hotel. So kann ein optimales Nutzungserlebnis für alle Gäste gesichert werden.

Wie sieht es mit der IT-Sicherheit aus? Gerade in Deutschland ist man ja sehr skeptisch beim Thema Datensicherheit.

Robinson: Wi-Fi blickt auf eine lange Geschichte von Sicherheitsstandards zurück. Der aktuelle Sicherheitsstandard ist WPA3. Das ist ein Standard, der für die Anwendung im Finanz- und Militärbereich entwickelt wurde. Dieser zielt darauf ab, die Authentifizierung und Verschlüsselung weiter zu verbessern und macht Verbindungen somit noch sicherer. ­Datensicherheit ist in Deutschland ein großes Thema. Wi-Fi stellt jedoch lediglich die Konnektivität zur Verfügung. Durch die WPA3-Verschlüsselung ist man beispielsweise zu Hause in seiner eigenen IT-Umgebung und in seinem eigenen Netzwerk geschützt. Wi-Fi kann viele unterschiedliche Modelle der Datenübertragung unterstützen. Doch prinzipiell ist der Schutz der Daten eine Frage der Netzwerktechnik.

Der Interviewpartner Kevin Robinson, Senior Vice President Marketing bei der Wi-Fi Alliance
Der Interviewpartner Kevin Robinson, Senior Vice President Marketing bei der Wi-Fi Alliance
(© Wi-Fi Alliance)

Viele Regierungen haben Zweifel, wenn es um chinesische ­Anbieter geht. Brauchen wir in Europa eine eigene 5G-Lösung?

Robinson: Das Wi-Fi-Ökosystem ist unabhängig von der verwendeten System-Infrastruktur. Jede Regierung entscheidet, ob sie die eigenen Systeme oder Systeme aus anderen Ländern verwendet. Manche nutzen die chinesische, manche die europäische und manche die US-amerikanische Infrastruktur. Die Standards der Wi-Fi Alliance unterstützen jedoch jede Entscheidung. Dazu kommt, dass die Wi-Fi-Technologie in offenen Strukturen entwickelt wurde. Deshalb haben Unternehmen aus der ganzen Welt die Möglichkeit, den Wi-Fi-Standard zu nutzen und sich umfassend darüber zu informieren. Am Ende des Tages verschafft die Nutzung des Wi-Fi-Standards große Flexibilität.

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Hintergrund
Über die Wi-Fi Alliance

Die Wi-Fi Alliance ist ein weltweites Netzwerk von Unternehmen, das die Einführung und Weiterentwicklung von Wi-Fi global vorantreibt. Die Zertifizierung der Wi-Fi Alliance ist inter­national anerkannt. Das Gütesiegel Wi-Fi Certified kennzeichnet Produkte mit nach­gewiesener Inter­operabilität, Abwärts­kompatibilität und höchsten Sicherheitsstandards. Die Organisation wurde 1999 unter dem Namen Wireless Ethernet Compatibility Alliance (WECA) gegründet und 2002 in Wi-Fi Alliance umbenannt. Seit 2000 wurden mehr als 50.000 Zertifizierungen durchgeführt.

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Über den Autor

 Julia Mutzbauer

Julia Mutzbauer

Redaktion, eGovernment Computing