EuroCloud-Vorstand äußert sich kritisch

Wer die Digitalität fordert, darf Europa und die Europäer nicht vergessen

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Nationale Alleingänge führen hier nicht zum Ziel (siehe Energiewende in Deutschland), sondern zu Verunsicherung, weil keine individuellen Verbesserungen beim Bürger spürbar werden.

Wer kann sich heute eine Million sich autonom bewegender Elektromobile vorstellen? Die meisten Menschen wollen das nicht. Nicht nur, weil sie nicht wirtschaftlich sind und bis 2020 auch nicht sein können, sondern weil Vertrauen als wichtige Grundlage dafür fehlt – ebenso wie internationale Standards und Infrastrukturen.

Risiko: Überalterung, Wohlstand, Egozentrik

Eine der größten Gefahren für eine gewinnbringende Nutzung der Digitalität liegt in der alternden westeuropäischen Gesellschaft. Sollten sich die bereits existierenden Entschleunigungstendenzen weiter durchsetzen, laufen wir Gefahr, das Wertschöpfungspotenzial von etwa 250 Milliarden Euro in den nächsten zehn Jahren anderen zu überlassen. Was dagegen zu tun wäre, ist bekannt: Wir brauchen eine investitionsfördernde digitale Wirtschaftsordnung auf nationaler und europäischer Ebene. Wir müssen eine Vision entwickeln und umsetzen, die als soziale Marktwirtschaft nicht nur die großen Unternehmen, sondern auch den Mittelstand mitnimmt, der die Herausforderung zwar zu erkennen scheint, aber noch nicht in der Lage ist, sie zu bewältigen.

Ein weiteres Risiko besteht ironischerweise in dem derzeit günstigen Wirtschaftsklima. Unser Wohlstand macht uns bequem. Wir drohen dadurch exogene Faktoren zu übersehen, die die europäische Wirtschaft von außen umgestalten. So zum Beispiel Asien. In einer solchen Situation ist eine erhöhte Flexibilität der Wirtschaftssubjekte – Produzenten, Dienstleister wie auch Konsumenten – wichtig. Nur so können wir zumindest eine adäquate Reaktionsfähigkeit erreichen. Dafür bieten sich gerade Cloud Computing und BDA an.

Riskant ist auch die weit verbreitete egozentrische Sichtweise. Statt mit Gender Mainstreaming, aktiver Sterbehilfe und Social Freezing auch auf höchster politischer Ebene nur um uns selbst zu kreisen, sollten wir lieber verstehen wollen, wo die eigentlichen Bedürfnisse der Masse der Menschen liegt. Dabei helfen ebenfalls Cloud Computing und BDA. Denn persönlicher Datenschutz führt zu wirtschaftlichem und gesellschaftlichem Datenschutz. Mehr Wissen schützt und mehr „Cloud“ bedeutet mehr Wissen. Daher wäre es fatal, wenn Datenschutzbehörden in Ihrem Übereifer uns bei der Wahl des Umgangs mit freiwillig geteilten Daten bevormunden.

Aufklärung schafft Vertrauen

Thomas von Bülow, EuroCloud Vorstand, Ressort Research & Innovation
Thomas von Bülow, EuroCloud Vorstand, Ressort Research & Innovation
(Bild: EuroCloud)

Vor uns liegt noch ein weiter Weg. Risiken müssen erkannt und analysiert werden. Befindlichkeiten müssen aus der Welt geschafft, ein politischer Wille muss formuliert, angegangen und international umgesetzt werden. Die Aufgabe mag enorm erscheinen, doch sie anzugehen ist alternativlos.

Und unsere Chancen stehen gut. Denn das Verständnis und ein international vorbildlicher Einsatz dieser mächtigen digitalen Technologien auf Basis des Humanismus und des deutschen Grundgesetzes konformen Rechtsverständnisses schaffen Vertrauen. So werden Ängste abgebaut und Chancen genutzt. Es gibt keinen Grund, warum uns das nicht gelingen sollte. Schließlich haben wir einst sogar das göttliche Feuer gebändigt.

* Thomas von Bülow, EuroCloud-Vorstandssprecher Ressort Research & Innovation und Geschäftsführender Gesellschafter bei der Bitobito GmbH

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