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EuroCloud-Vorstand äußert sich kritisch Wer die Digitalität fordert, darf Europa und die Europäer nicht vergessen

Autor / Redakteur: Thomas von Bülow * / Florian Karlstetter

Die Herausforderung bei der Digitalität ist gar nicht so sehr eine technische, als vielmehr eine gesellschaftliche und wettbewerbspolitische, meint EuroCloud-Vorstand Thomas von Bülow und erklärt, warum.

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Wie steht es um die vielzitierte Digitalität und warum wird das Thema Cloud Computing in Deutschland noch immer verhältnismäßig stiefmütterlich behandelt? Ein Erklärungsansatz von EuroCloud-Vorstand Thomas von Bülow.
Wie steht es um die vielzitierte Digitalität und warum wird das Thema Cloud Computing in Deutschland noch immer verhältnismäßig stiefmütterlich behandelt? Ein Erklärungsansatz von EuroCloud-Vorstand Thomas von Bülow.
(© JiSign - Fotolia.com)

Als ich 2013 in einem Vortrag die Büchse der Pandora bemühte, um die Folgen einer Kombination von Cloud und BDA (Big Data Analytics) darzustellen, bekam ich nur wenig Zustimmung. Dennoch: Die Digitalität erinnert an Prometheus, der den Menschen das Feuer brachte.

Auf die Digitalität verzichten werden wir ebenso wenig wie einst auf den Gebrauch des Feuers. Ist die Büchse erst geöffnet, kann sie nicht mehr geschlossen werden. Allerdings ist noch längst nicht ausgemacht, ob die Digitalisierung unser Haus wärmt oder verheert. Was geschieht, liegt einzig und allein an uns. Was ist zu tun?

Politischen Willen formulieren

Eigentlich eine Binse: Wenn die Digitalität Europa zugutekommen soll, muss sich Europa für eine europäische Digitalität stark machen. Mit Günther Oettinger kann ich nur fordern: Europa braucht die Digitalunion! Was heißt das konkret?

Wir brauchen eine Einstellung pro Cloud Computing und BDA. Wir brauchen natürlich in der Breite ein deutlich besseres Verständnis von Chancen und Risiken und wir müssen den Optimierungspfad als politischen Willen formulieren. Deutschland und Frankreich sollten ihrer Rolle als Treiber der EU gerecht werden und, gerne mit Unterstützung der baltischen Vorbildländer, einen Vorstoß machen.

Noch haben wir diese Aufbruchsstimmung nicht. Noch sind in Deutschland die Schritte zaghaft. Die wenigsten Unternehmen kennen den Bedarf an Bandbreite, die Menge an Daten und die Relevanz des zu gewinnenden Wissens aus den Daten der nächsten Jahre. Dennoch steht schon jetzt fest: Dobrindts Breitbandinvestitionen sind ein Tropfen auf dem heißen Stein.

Unsere nachindustrielle Gesellschaft (21 Prozent industrielle Produktion am BIP) verändert sich radikal. Viele traditionelle Geschäftsmodelle sind bereits überholt und technologische Umbrüche finden in mooreschem Tempo statt. Wollen sie im globalen Wettbewerb bestehen, haben Deutschland und Europa gar keine andere Chance, als disruptive Technologien schneller zu adaptieren.

Die Adaption muss neu geregelt, aber nicht reguliert werden!

Disruptive Technologien verändern aber nicht nur Technologien. Sie verändern den Menschen und wie er lebt. Das macht sie so heikel. Nehmen wir Extremszenario IPv6: Zukünftig wird jedes Produkt, ob Auto, Jacke, Teppich oder Türträger, eine IP-Adresse und Software haben. Alles, was digitalisiert werden kann, wird digitalisiert werden. Und alles, was vernetzt werden kann, wird vernetzt werden. Ständig!

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