Soziale Netzwerke in der Schule

Wenn Lehrer und Schüler zu Freunden werden

Seite: 2/5

Firma zum Thema

Bayern

Den bayerischen Lehrkräften steht die private Nutzung sozialer Netzwerke grundsätzlich frei, allerdings wirke der Beamtenstatus „auch jenseits der eigentlichen Dienstgeschäfte“, so das Bayerische Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst. Das Verhalten der Beamten, aber auch der Tarifbeschäftigten, müsse „im privaten Umgang ebenfalls der Achtung und dem Vertrauen gerecht werden“, die der Beruf erfordere. „Die daraus resultierenden Pflichten zielen darauf, das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Sachorientierung, Unparteilichkeit und Effizienz der Aufgabenwahrnehmung im öffentlichen Dienst zu schützen“.

Durch eine Kommunikation auf sozialen Netzwerken übernehme der Lehrer besondere Verantwortung. „Insbesondere wenn Sie selbst einen Bezug zu Ihrer amtlichen Stellung herstellen, werden Sie daran gemessen, ob Ihr Verhalten den legitimen Ansprüchen an die Öffentliche Verwaltung gerecht wird“, heißt es im entsprechenden Lehrer-Leitfaden. Durch die Weiterverbreitung durch Dritte müssten Lehrer auch außerhalb ihres örtlichen Betätigungsfeldes „für ihr Verhalten einstehen“.

Treten Lehrer als Privatperson auf, sollen sie „bitte deutlich machen“, dass man nicht für den Dienstherrn spreche. Die allgemeine Pflicht zur Verschwiegenheit über Angelegenheiten, die im Rahmen der amtlichen Tätigkeit bekannt geworden sind, gelte auch für die Nutzung in sozialen Netzwerken. Und: Dies gelte auch bei Nutzung von Nicknames oder bei einer Anonymisierung der Informationen.

Berlin

Die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft hat zwar öffentlich bekundet, dass die Berliner Schulen auf den Einsatz von Facebook verzichten sollen. Verbindliche Vorgaben für einen „restriktiven Umgang“ mit sozialen Netzwerken wurden von der Senatsverwaltung jedoch nicht erlassen. Sie vertraut vielmehr darauf, dass die Lehrkräfte ohne Vorgaben „verantwortungsvoll“ mit sozialen Netzwerken umgehen.

„Die vielen Anfragen, die uns erreichen, zeigen jedoch, dass in den Schulen – bei den Schulleitungen und den Lehrkräften – eine erhebliche Verunsicherung über den rechtmäßigen Einsatz dieser ‚neuen Kommunikationsmedien‘ besteht“, erklärt Dr. Alexander Dix, Berliner Beauftragter für Datenschutz und Informationsfreiheit. Verbindliche Vorgaben seien daher dringend erforderlich. Denn: Die Lehrkraft sei, ganz gleich, in welchem Zusammenhang sie mit ihren Schülern in Kontakt tritt, immer auch eine Vertreterin der Schule. „Die Schüler können sich daher nicht freiwillig für eine Freundschaft mit der Lehrkraft entscheiden, da für sie nicht auszuschließen ist, dass mit der Absage der Freundschaftsanfrage schulische Nachteile verbunden sind“, so Dix. Eine Facebook-Freundschaft zwischen der Lehrkraft und den Jugendlichen ermögliche zudem den wechselseitigen Einblick in die jeweiligen Profile des anderen und die dort hinterlegten Daten und Fotos. Dadurch lasse sich die gebotene Trennung zwischen dienstlichen und privaten Angelegenheiten (Distanzgebot) der Lehrkraft nicht mehr gewährleisten.

Darüber hinaus sei eine Facebook-Nutzung zur schulischen Kommunikation nicht mit dem Erziehungsauftrag der Lehrkräfte vereinbar, da das Geschäftsmodell des Unternehmens darauf ausgerichtet sei, die Informationen aus dem Kommunikations- und Nutzungsverhalten der jugendlichen Mitglieder zu vermarkten. „Dass dabei den eigenen ökonomischen Interessen des Unternehmens der Vorrang vor den Persönlichkeitsrechten der Jugendlichen eingeräumt wird, ist offensichtlich“, meint Dix.

Brandenburg

Das Potsdamer Ministerium für Bildung, Jugend und Sport mahnt einen sensiblen Umgang mit Schülerdaten an, verbietet eine Kommunikation via Facebook aber nicht.

(ID:42757133)