Shared Services:

Wegbereiter der vernetzten Republik

09.01.2007 | Autor / Redakteur: Thomas Mierschke / Gerald Viola

Verbinden Verwaltungen und Bürger: Shared Services
Verbinden Verwaltungen und Bürger: Shared Services

Generell hat das Shared-Service-Konzept all jene Dienstleistungen im Visier, die nicht zu den Kernaufgaben einer Verwaltungseinheit gehören. Gleichartige Kontextfunktionen werden bei diesem Modell behördenübergreifend gebündelt und von einem spezialisierten Shared Service Center (SSC) erbracht. Zunächst stehen dabei unmittelbare Effekte im Vordergrund: vor allem verringerte Prozesskosten und höhere Servicequalität. Interessant sind Shared Services aber auch aus anderem Grund: Sie verschaffen dem Dienstleistungsgedanken in der Verwaltung breitere Geltung und bringen neue, funktionell orientierte Beziehungen hervor.

Genau besehen macht dieses heranwachsende Beziehungsgeflecht das eigentliche Modernisierungspotenzial der Shared-Service-Idee aus. Denn daraus entsteht allmählich eine ebenso leistungsfähige wie flexible „Networked Virtual Organization“ (NVO), die perspektivisch auch nichtstaatliche Organisationen, Wirtschaftsunternehmen und Bürger miteinander vernetzt. Konkrete Ansätze dafür zeichnen sich in Ländern und Kommunen ab, insbesondere im Bereich der informations- und kommunikationstechnischen Versorgung. Der vorliegende Beitrag beleuchtet die Chancen und Herausforderungen des Modells deshalb am Beispiel von Shared-IT-Services.

Entgegen manchem Vorbehalt schränken Shared Services die Gestaltungs- und Entscheidungsfreiheit von Verwaltungen in keiner Weise ein. Denn ein SSC übernimmt immer nur unterstützende Kontextfunktionen. Aus Sicht des SSC sind alle angeschlossenen Organisationen Kunden: Was dort Kontext war, wird hier zum Kerngeschäft. Die Bündelung von Prozessen, die sich bei vielen Kunden gleichen, geht mit Standardisierung einher. Dadurch steigt die Effizienz, und Professionalisierung verbessert die Servicequalität. Behörden verlieren demnach nichts im Shared-Service-Szenario. Stattdessen gewinnen sie hinzu – nämlich neuen Spielraum, um sich mit Priorität auf die eigenen Kernkompetenzen zu konzentrieren.

Intelligentes Netzwerk – die Basis für Shared-IT-Services

Besonders fortgeschritten ist die Adaption des Shared-Service-Modells durch Öffentliche Verwaltungen im Bereich IT und Telekommunikation. Zum einen, weil schon das Rechenzentrum der sechziger und siebziger Jahre eine Vorform des modernen SSC repräsentiert und das Konzept von daher nicht fremd ist. Zum anderen aber, weil die Evolution früherer Datennetze hin zu intelligenten Informationsnetzwerken (IIN) optimale Bedingungen schafft für den Austausch von informations- und kommunikationstechnischen Leistungen über Behörden- und Abteilungsgrenzen hinweg.

Intelligente Netze können als Weiterentwicklung des Konvergenzgedankens gesehen werden. Sie liefern damit insbesondere eine gemeinsame Infrastrukturbasis für herkömmliche Datenanwendung wie auch für Sprach- und Videokommunikation. Technischer Hintergrund ist die Fähigkeit des Internetprotokolls (IP), jede Art digitalisierbarer Information zu übertragen. Prinzipiell lassen sich also auch die Signale anderer technischer Systeme via IIN verarbeiten, zum Beispiel Rauch- und Bewegungsmelder, Überwachungskameras oder Gebäudezutrittssysteme.

„Intelligent“ im Sinne des IIN-Konzepts von Cisco wird ein konvergentes Netzwerk aber erst durch weitere Eigenschaften seiner Architektur. An erster Stelle ist die sogenannte Virtualisierung zu nennen: Dienste und IT-Ressourcen werden hierbei konsequent getrennt. Speichermedien sind beispielsweise nicht länger an diese oder jene Verwaltungsapplikation gebunden. Stattdessen werden bislang verteilte, aber isolierte Ressourcensilos, zu einem gemeinsamen virtuellen Pool zusammengefasst, der dann allen Anwendungen organisationsweit zur Verfügung steht. Inwieweit dies als Shared-IT-Services realisiert werden kann und welche konkreten Kosteneinsparungen damit einhergehen, zeigt das folgende Beispiel:

Inhalt des Artikels:

Kommentar zu diesem Artikel abgeben

Schreiben Sie uns hier Ihre Meinung ...
(nicht registrierter User)

Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
Kommentar abschicken
copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de/ (ID: 2007304 / Standards & Technologie)