Nicht mobilfähig

Webseiten der Universitäten mangelhaft

| Autor: Ira Zahorsky

Studenten nutzen Internetangebote in erster Linie mit dem Smartphone. Daher ist es wichtig, das Universitäten ein mobil angepasstes, so genanntes „responsive“ Internetangebot haben
Studenten nutzen Internetangebote in erster Linie mit dem Smartphone. Daher ist es wichtig, das Universitäten ein mobil angepasstes, so genanntes „responsive“ Internetangebot haben (Bild: ©Robert Kneschke-Fotolia.com)

Die Pluswerk-Hochschulstudie stellt den Webseiten deutscher Universitäten kein gutes Zeugnis aus. Mehr als die Hälfte sei nicht mobilfähig – und das, obwohl immer mehr Studierende mit mobilen Endgeräten darauf zugreifen wollen.

Eine stabile Zahl an Studierenden wird für die Hochschulen immer wichtiger, denn die Gesamtzahl wird in den nächsten Jahren sinken, die Mobiliät steigen, der Konkurrenzkampf um Fördergelder und Mittel der Öffentlichen Hand damit härter werden. Umso wichtiger ist es, die Studierenden mit den eigenen Informationsangeboten im Internet zu erreichen. Die Webseiten der Universitäten spielen hier eine entscheidende Rolle. Sie müssen grundlegende inhaltliche Anforderungen erfüllen, sowie auf die User-Gewohnheiten und die Anwendungsorientierung der (potenziellen) Studenten ausgerichtet sein.

Keine Barrierefreiheit in Sicht

Vor allem Sehbehinderten sollte die Nutzung von Informationen im Internet ermöglicht werden. In puncto Barrierefreiheit haben die Hochschulen jedoch ein länderübergreifend schlechtes Niveau. Unter den deutschen Bundesländern können lediglich die Hochschulen in Brandenburg, z.B. die Brandenburgische Technische Universität, und Mecklenburg-Vorpommern punkten.

Responsive ist Pflicht

Die Altersgruppe zwischen 14 und 29 Jahren nutzt das Internet meist über mobile Endgeräte wie Smartphones oder Tablets. Um diesem Nutzungsverhalten gerecht zu werden, ist ein responsives Webdesign unumgänglich, das heißt, ein Webdesign, das die Seiteninhalte der Bildschirmgröße des jeweils genutzten Endgerät anpasst.

„Rund die Hälfte der deutschen Hochschulwebseiten ist aktuell responsiv“, so Dr. Erwin Lammenett, Mitautor der Studie. „In Österreich und der Schweiz gilt das bereits für zwei Drittel der Webseiten.“ Insgesamt sind jedoch sehr viele Webseiten technisch mangelhaft oder – wie zu 90 Prozent in der Schweiz – sogar ungenügend umgesetzt wurden. „Diese Mängel zeigen sich dann in der Nutzung der Seiten sehr deutlich und hinterlassen beim Nutzer keinen guten Eindruck“, so Lammenett.

Hochschulen in privater Trägerschaft scheinen der Studie zufolge in Sachen Responsivität zumindest in Deutschland aktuell die Nase vorn zu haben.

Google und Facebook als Marketinginstrument

Auch die Suchmaschinen stellen gewisse Anforderungen an Webseiten. Diese zu erfüllen ist wichtig, um überhaupt im Internet auffindbar zu werden. „Die oben beschriebenen technischen Defizite zeigen sich über kurz oder lang sehr deutlich in der Auffindbarkeit bei den Suchmaschinen", beschreibt Lammenett die Folgen.

„Die breite Masse der Hochschulen hat die Suchmaschine als Marketinginstrument noch nicht für sich entdeckt hat. Hier ist vieles dem Zufall überlassen“, fasst Mit-Autor Patrick Lobacher die Ergebnisse zusammen. Als positives Beispiel nennt die Studie unter anderem die Medical School Berlin.

Zur schlechten Auffindbarkeit tragen zudem fehlerhaft programmierte Homepages oder eine fehlende SSL-Verschlüsselung bei. Lediglich 23,3 Prozent der deutschen Hochschulwebseiten weisen ein entsprechendes Zertifikat auf, in der Schweiz sind es etwa ein Drittel (34,9 Prozent), in Österreich rund die Hälfte (45 Prozent).

Auch die sozialen Medien können zur Präsenz und damit zur Wettbewerbsfähigkeit einer Hochschule beitragen. Allen voran ist hier Facebook zu nennen. Twitter, Google Plus, Linkedin oder Pinterest spielen eine mehr als untergeordnete Rolle. Die Schweiz und vor allem Österreich zeigen in diesem Bereich ein deutlich größeres Engagement als Deutschland.

Content-Management-Systeme aktualisieren

Die im Hochschulbetrieb eingesetzten Content-Management-Systeme müssen komplexe Strukturen, Inhalte und Rechtesysteme sowie Lernplattformen und Verwaltungssysteme zusammenführen. In Deutschland und Österreich wird am häufigsten TYPO3 eingesetzt (57/49 Prozent), in der Schweiz nutzt nur ein knappes Viertel die Open-Source-Lösung.

„Wichtig ist wie eigentlich immer im Open-Source-Kontext, dass immer die neueste Version zum Einsatz kommt“, so Magnus Schubert, Vorstand der +Pluswerk AG. „Der durchschlagende Erfolg von TYPO3 im Hochschulkontext lockt fast zwangsläufig Hacker an. Daher gilt es sich schleunigst von veralteten Versionen zu verabschieden und mit den aktuellen Patches entstandene Sicherheitslücken zu schließen.“

Zur Studie

Insgesamt wurden im Zeitraum September 2016 bis Februar 2017 690 Hochschulwebseiten in Deutschland (498), Östereich (86) und der Schweiz (106) untersucht.

Die +Pluswerk-Hochschul-Studie kann hier angefordert werden und ist für Mitarbeiter von Hochschulen kostenfrei. An andere Interessenten wird die Studie gegen eine Schutzgebühr von 850 Euro (inkl. MwSt.) abgegeben.

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