Öffentlichkeitsarbeit über soziale Netzwerke

Was Social Media in der Politik kostet

| Autor / Redakteur: Martin Fuchs / Susanne Ehneß

Weitere Kosten

Der Autor: Martin Fuchs
Der Autor: Martin Fuchs (Bild: Martin Fuchs)

Zusätzlich können weitere Kosten entstehen:

  • Online-Monitoring: Worüber diskutieren die Menschen in meinem Wahlkreis? Was wird gerade über Verbraucherschutz getwittert? Oder über das Betreuungsgeld? Solche Themen lassen sich problemlos monitoren. Dafür gibt es kostenlose Tools, aber auch kostenpflichtige.
  • Redaktionssysteme: Spezielle Social-Media-Redaktionssysteme erleichtern es Teams, Social-Media-Kanäle gemeinsam zu bespielen (zum Beispiel Hootsuite, Buffer, some.io). Die Grundversionen sind oft kostenfrei, für erweiterte Funktionen können Jahresbeträge im dreistelligen Euro-Bereich anfallen.
  • Grafiken: Nicht jeder beherrscht Photoshop, aber Infografiken, Sharepics und Fotos vergrößern die Reichweite und Wahrnehmung in vielen Netzwerken. Einige Netzwerke wie Instagram und Snapchat sind reine Foto-Apps. Hierfür kann man ebenfalls zum Teil kostenfreie Anwendungen wie infogr.am, Piktochart oder Canva nutzen. Leichter und schneller geht’s aber mit der Hilfe von Profis, die Visualisierungen erstellen. Freelancer oder Agenturen kosten natürlich Geld. Da eine gut gemachte Infografik mehr sagen kann als viele Textpostings zum gleichen Thema, ist es aber in der Regel gut investiert. Grafiken lassen sich auch mehrmals nutzen und in verschiedenen Kanälen ausspielen.
  • Bildrechte: Im Idealfall hat man bereits eine eigene Fotodatenbank, auf die man zurückgreifen kann. Zudem gibt es Plattformen wie WikiCommons und unzählige weitere Datenbanken mit kosten- und lizenzfreien Bildern. Der Haken: Viele der Fotografen untersagen explizit die politische Nutzung. Möchte man also aussagekräftige Bilder rechtssicher nutzen, kommt man ab und zu nicht um kostenpflichtige Angebote herum. Oft verlangen Fotografen aber nur wenige Euro pro Bild.
  • Bewegtbild: Spätestens seit ­Facebook Videos noch stärker featured und Livestreaming-Apps wie Meerkat und Periscope auf dem Markt sind, setzen auch immer mehr Politiker auf Bewegtbild. Ein mittelpreisiges Smartphone reicht oft schon aus, um eigene Inhalte zu erstellen. Wer es professioneller angehen mag, braucht dafür eigene Technik, Schnittsoftware und Personal mit Videoerfahrung. Das kann schnell teuer werden. Bisher nutzen deshalb nur wenige politische Akteure außerhalb des Wahlkampfes professionelle Unterstützung. Mit kleinem Budget sind in diesem Bereich bereits achtbare Ergebnisse möglich, wie zum Beispiel die Videos von ­Patrick Dahlemann (SPD) zeigen oder der leider eingestellte Video-Podcast (Hurra!) von Dr. Peter Tauber (CDU).
  • Agentur: Nicht jeder Politiker benötigt Beratung, aber vielen würde ich das gerade zu Beginn der Social-Media-Aktivitäten ans Herz legen, um den Strategieprozess und die Konzepterstellung sowie die Schulung von Mitarbeitern professionell zu begleiten. Eine fortlaufende Beratung benötigen aber meines Erachtens hauptsächlich Parlamente, Parteien, Fraktionen und Regierungen. Das muss nicht viel kosten, der Blick von außen ist aber oft Gold wert, schließlich fehlen im Alltag meist Zeit und Muße, um neue Trends und Tools zu entdecken.
  • Weiterbildung: Gerade im Bereich sozialer Netzwerke ändert sich die Welt gefühlt jede Woche. Man muss nicht jeden Trend mitmachen, aber ab und zu sollten auch Politiker und ihre Teams ihr Wissen auffrischen und neue Anwendungen kennenlernen. Weiterbildung ist ein fester Posten im Budget, ab und zu sollte er auch für Social Media genutzt werden.
  • Werbung: Fast jedes Netzwerk bietet die Möglichkeit, Werbung zu schalten. Bereits mit kleinen Beträgen von 5, 10 oder 20 Euro lassen sich erhebliche Reichweitensteigerungen erzeugen. Zielgerichtete Werbung für bestimmte Zielgruppen ist auf ­keinem Weg günstiger als via Social Media.

Das Geld bei Social Media ist aber unschlagbar effizient eingesetzt – vergleicht man es mit den Beiträgen, die Politiker für Plakate, Bürgerfeste und Anzeigen in der Lokalpresse ausgeben.

Gut gemachte Postings können auch organisch und ohne Werbung Millionen Bürger direkt erreichen. Dies haben zuletzt unter anderem Prof. Lars Castellucci (SPD), Cem Özdemir (Grüne) oder Dr. Markus Söder (CSU) bewiesen.

Die Grünen erreichen mit rund 67.000 Facebookfans über 35 Millionen Kontakte pro Jahr auf ­Facebook. Welches Wahlplakat schafft das schon?

Social Media kostet Geld und Zeit. Allerdings – relativ gesehen – weniger als alle anderen Kommunikationsinstrumente. Aber es lohnt sich.

Der Autor: Martin Fuchs berät öffentliche Institutionen und die Politik bei der Nutzung sozialer Medien. Er beobachtet die Europa-, Bundes- und Landespolitik im Netz, mit Fokus auf Social Media.

Die aktuellen Online-Beiträge von Martin Fuchs finden Sie in seinem Blog „Hamburger Wahlbeobachter“.

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