ePayment aus Bürger- und Behördensicht Was Kommunen bei Bezahlverfahren beachten müssen

Autor / Redakteur: Dr. Gerrit Seidel / Susanne Ehneß

Das Internet hat viele neue Dienstleistungen ermöglicht. Dazu gehören auch die aktuellen Entwicklungen des Electronic Government. Das Abwickeln von kommunalen Prozessen über elektronische Medien nimmt immer mehr zu, getrieben von den Bedürfnissen der Bürger und der technischen Entwicklungen.

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Das Abwickeln kommunaler Prozesse über elektronische Medien nimmt zu
Das Abwickeln kommunaler Prozesse über elektronische Medien nimmt zu
(Bild: Sofort AG)

Mehr und mehr Ämter bieten virtuelle Behördengänge an, der neue Personalausweis ist mit elektronischen Zusatzfunktionen ausgestattet, und eine Menge Anträge können bereits online ausgefüllt werden. Das eGovernment macht Bürger unabhängiger von Öffnungszeiten und Kommunen und verbessert die Wirtschaftlichkeit und die Effizienz im öffentlichen Sektor.

Ein wichtiger Schritt im virtuellen Behördengang ist das Bezahlen. Da der Austausch von Dienstleistung gegen Geld selten direkt erfolgen kann, stoßen manche Bezahlverfahren (beispielsweise die Barzahlung bei Abholung) im Internet an ihre Grenzen. Für Behörden wie für Bürger sind deshalb Bezahlverfahren nötig, die eine Reihe von Anforderungen erfüllen, die speziell auf die Erfordernisse des Internets zugeschnitten sind. Deshalb gilt es bei der Auswahl des richtigen Bezahlverfahrens einiges zu beachten.

Gesamtkosten eines Payment-Verfahrens

Meist geht es beim Bezahlen auf Online-Seiten von Behörden um die Freischaltung von Dokumenten oder das Bezahlen von Gebühren und Bußgeldern. Aus Sicht der Behörden muss in diesen Fällen gewährleistet sein, dass Zahlungen sicher, schnell und günstig abgewickelt werden. Sicher bedeutet in dem Zusammenhang, dass der Geldbetrag sicher auf dem Konto der Stadtkasse ankommt.

Nicht alle Zahlverfahren sind dafür geeignet, beispielsweise liegt das Risiko eines Zahlungsausfalles bei Kreditkarten bei 0,4 Prozent, bei Zahlung auf Rechnung sogar bis zu 1,1 Prozent. Auch die Lastschrift offenbart hier Schwächen: Die Abbuchung kann mehrere Wochen lang widerrufen werden. Die darauf hin entstehenden Kosten für Mahnwesen und Inkasso sind ärgerlich und zudem teuer.

Dieser Punkt berührt einen ganz entscheidenden Punkt bei der Auswahl eines geeigneten Bezahlverfahrens: Die Gesamt-Kosten (die so genannten „Total Cost of Payment“) eines Payment-Verfahrens. Häufig werden bei der Auswahl nur die Gebühren eines Zahlverfahrens beachtet, nicht jedoch die entstehenden Folgekosten beziehungsweise die indirekten Kosten. Dazu gehören zum Beispiel Ausfallkosten, Aufschaltkosten sowie weitere Prozesskosten. Die Unterschiede bei den Gesamtnutzungskosten sind hoch, wie Studien belegen: Von 0,4 Prozent (Vorkasse) bis hin zu 3 Prozent (Rechnung, Inhouse-Lösung) des Verkaufspreises liegt die Spanne. Dazwischen liegen bekannte Bezahlverfahren wie Sofortüberweisung (0,7 Prozent), Pay Pal (1,8 Prozent) und Kreditkartenzahlung (2 Prozent).

Auch die Schnelligkeit eines Bezahlvorgangs ist eine wichtige Größe in der Online-Abwicklung von Dienstleistungen und Services. Die Behörde braucht eine schnelle, wenn nicht sogar umgehende Nachricht über den Geldeingang. Nur dann können Dokumente zum Download freigegeben werden, beziehungsweise Gebühren als bezahlt markiert werden.

Für diese Art von Transaktionen, die häufig auch im Micropayment-Bereich (die Begleichung von Klein- und Kleinstbeträgen) angesiedelt sind, gibt es spezielle Bezahlverfahren. Dazu zählen beispielsweise Click&Buy und Direktüberweisungsverfahren wie Sofortüberweisung. Direktüberweisungsverfahren basieren auf dem Online-Banking des jeweiligen zahlenden Bürgers und die Behörde erhält eine Echtzeitnachricht über die getätigte Transaktion und den sicheren Geldeingang. Diese Verfahren sind so konzipiert, dass das Geld später nicht zurückgeholt werden kann. Damit können Inhalte sofort freigeschaltet werden.

eGovernment-Gesetz schreibt Sicherheit und Verbreitung vor

Der Autor: Dr. Gerrit Seidel, CEO der Sofort AG und Senior Vice President DACH Klarna
Der Autor: Dr. Gerrit Seidel, CEO der Sofort AG und Senior Vice President DACH Klarna
(Bild: Sofort AG)
Neben einem sicheren Geldeingang und günstigen Gesamtkosten spielen auch die Faktoren Komfort und Verbreitung bei Zahlverfahren für die Behörden eine Rolle. Bürger erwarten einfache und komfortable Wege zu Bezahlen, am besten mit Bezahloptionen, die sie aus dem Online-Handel kennen. Zu den sieben am meisten verbreiteten Bezahlmethoden gehören laut eCommerce-Händlern Überweisung, Pay Pal, Sofortüberweisung, Kauf auf Rechnung, Kreditkartenzahlung, Nachname und Lastschrift .

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Damit erfüllen diese genannten Bezahlverfahren auf jeden Fall eine wichtige Voraussetzung des eGovernment-Gesetzes (EGovG) nach Sicherheit und Verbreitung eines ePayment-Verfahrens. Nur dann, wenn Behörden und Ämter verbreitete Zahlungsverfahren einsetzen, können möglichst viele Bürger am eGovernment teilnehmen.

Die Verbreitung ist bei der Auswahl von Bezahlverfahren durchaus zu beachten, so gibt es in Deutschland rund 20 Millionen Kreditkarten, aber mehr als 40 Millionen Onlinebanking-fähige Konten, auf denen beispielsweise Direktüberweisungsverfahren basieren. Damit können dann auch Bürger ohne Kreditkarte oder mit schwacher Bonität – in diesem Fall wäre die Bezahlung per Lastschrift ausgeschlossen – Gebühren oder Mahnkosten bezahlen. Außerdem ist die einfache Handhabung ein wichtiges Kriterium bei der Entscheidung für ein Bezahlverfahren. So funktioniert die Sofortüberweisung beispielsweise ohne vorherige Registrierung. Der Nutzer benötigt lediglich seine Online-Banking-Zugangsdaten und muss sich kein weiteres Passwort merken.

Vorherrschendes Thema: Sicherheit

Die reinen Internet-Bezahlverfahren profitieren vom steigenden Online-Geschäftsverkehr, sie gewinnen deutliche Marktanteile hinzu, wie Umfragen zeigen. Das vorherrschende Thema bei Verbrauchern ist dabei die Sicherheit des Bezahlvorgangs, bei der Auswahl eines Bezahlverfahrens sind deshalb Zertifikate besonders zu beachten, beispielsweise vergibt der TÜV Siegel für „geprüftes Zahlungssystem“ beziehungsweise „geprüfter Datenschutz“.

Ebenfalls hoch geschätzt wird von Verbrauchern die universelle Einsatzmöglichkeit eines Bezahlweges. Das wird umso deutlicher, je mobiler der elektronische Geschäftsverkehr wird. Heute wird erwartetet, dass das Bezahlen von überall aus mit dem Smartphone, dem Tablet oder am PC beziehungsweise Laptop bewerkstelligt werden kann. Dafür bieten ePayment-Verfahren die besten Voraussetzungen, denn sie sind perfekt auf die Bedürfnisse der Online-Welt zugeschnitten, und ihre DNA ist digital.

Paycode

Wie komfortable, medienbruchfreie, endgeräteübergreifende Zahlungen aussehen können, lässt sich am besten mit dem Paycode beschreiben: Der Paycode ist der Bezahllink der bekannten Sofortüberweisung und ist mit einem Link auf einen vorausgefüllten digitalen Überweisungsträger vergleichbar. Der Paycode kann als Zahlencode oder als QR-Code beispielsweise auf eine kommunale Rechnung, wie der Abrechnung der Stadtwerke, gedruckt werden.

Der Verbraucher scannt dann mit seinem Smartphone den Code ein und landet direkt auf der Website der kommunalen Einrichtung. Alternativ kann er den vermerkten Zahlencode auch direkt auf der Website der Behörde eingeben. Im nächsten Schritt gelangt der Nutzer zu einem vorausgefüllten Überweisungsträger, der nur noch mit PIN und TAN des eigenen Onlinebankings freigegeben werden muss. Das erleichtert und beschleunigt den Bezahlvorgang erheblich, zudem gibt es kein Vertippen oder eventuelle Zahlendreher mehr – das Zahlformular der Sofortüberweisung wird anhand des Codes automatisch mit allen Zahlungsdaten (wie Empfänger, Bankverbindung, Verwendungszweck, Rechnungsnummer) ausgefüllt. Der Paycode schlägt eine Brücke von Online und Offline, damit wird Bezahlen unkompliziert und zeitgemäß für Verbraucher und Behörde.

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