Definition

Was ist Kameralistik?

| Autor / Redakteur: Leofinja / Manfred Klein

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Die Kameralistik ist ein Stil in der Buchhaltung, der sich ausschließlich auf die Gegenüberstellung erhaltener und fälliger Zahlungen bezieht. Sie dient als Basis für den Jahresabschluss und wird immer häufiger von der Doppik abgelöst.

Die Bezeichnung Kameralistik leitet sich aus dem lateinischen Camera für Zimmer/Gewölbe ab. Diese Herleitung zeigt auf, dass es sich bei diesem Stil in der Buchhaltung um eine solitäre Gegenüberstellung aus den Einnahmen und Ausgaben handelt. Vor allem in Kirchen und in der Öffentlichen Verwaltung wird die Kameralistik verwendet, während sich die Privatwirtschaft eher auf die doppelte Buchführung konzentriert. Aber auch Kommunen und Verwaltungen denken um, da sich die Differenz aus positivem und negativem Saldo nicht nur auf reine Zahlungen und Ausgaben beschränken lässt.

Ein traditionelles System wird überholt

In traditioneller Vorzeit galt die Kameralistik als einzige richtige und völlig ausreichende Methode zur Buchhaltung. Dem Begriff liegt auch die Bezeichnung Kämmerer, der Verwalter der früher königlichen und später städtischen "Schatztruhe" zugrunde. Die Kameralistik beruht auf einem Haushaltsplan, in dem sich Einnahmen und Ausgaben gegenüberstehen. Hingegen bleiben

  • Abschreibungen
  • Rückstellungen
  • Schulden
  • und Sachvermögen

in der Kameralistik unberührt. Aus diesem Grund wird der Buchhaltungsstil immer häufiger von der Doppik abgelöst, in der nicht nur finanzielle Bereiche, sondern auch Außenstände und Sachwerte im Vermögen Anrechnung finden. Es ließe sich durchaus behaupten, dass die Kameralistik ein aussterbender und immer seltener verwendeter Begriff aus der Buchhaltung ist.

Die Kameralistik geht aufs 18. Jahrhundert zurück

Im 18. Jahrhundert galt die Kameralistik als innovativer Fortschritt. Heute zeigen sich die Richtlinien zu eng und begrenzend, was diesem Stil eine altbackene und nicht mehr zeitgemäße Note verleiht. Durch die mangelnde Flexibilität in der Darstellung kann es bei Abrechnungen im kameralistischen Stil zu Problemen und der Aussparung von Vermögen sowie nicht finanziellen Verbindlichkeiten kommen. In der Kirche wird die Kameralistik auch heute noch verwendet, während Kommunen und städtische Verwaltungen eine Lösung vom 18. Jahrhundert anstreben und die Doppik mit mehr Flexibilität nutzen.

Der kameralistische Haushaltsplan

Dieser beinhaltet zahlreiche Anlagen, was sich auf die Transparenz und Übersichtlichkeit auswirkt. Mit Sammelnachweisen, Deckungsvermerken und Übertragbarkeits- sowie Sperrvermerken wirkt die Kameralistik durch ihre Anlagen der gewünschten Transparenz entgegen und erweist sich als schwierige und undurchsichtige Form der Buchhaltung. Die moderne Verwaltung kann sich nicht mit der einseitigen Buchhaltung abfinden, da das Anlagenvolumen zu hoch und damit mangeltransparent ist.

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