Definitionen

Was ist Digitalfunk (in Behörden)?

| Redakteur: Manfred Klein

(Bild: aga7ta – Fotolia.com)

Digitalfunk ist jede Art von Funkkommunikation, die auf einer digitalen Codierung basiert. Der digitale Funk löst allmählich den analogen Funk ab. Der Digitalfunk gilt als sicherer und effizienter als der analoge Funk. Gerade Behörden mit Sicherheitsaufgaben legen darauf erhöhten Wert?

Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) setzen bereits seit längerem auf den digitalen Funk. Dieser bietet einen erhöhten Sicherheitsstandard und eröffnet vollkommen neue Übertragungsmöglichkeiten. Der Digitalfunk basiert auf TETRA – einem Standard für den digitalen Bündelfunk. Die Entwicklung des Funkstandards begann direkt nach dem Zweiten Weltkrieg. Die damaligen Funkgeräte entsprachen einem veralteten Standard und waren sehr unhandlich. Außerdem führte eine übermäßige Nutzung zum Zusammenbruch des Funknetzes, was in Gefahrensituationen äußerst riskant war.

In den 60er Jahren beauftragte der Staat verschiedene Institutionen mit der Entwicklung eines Digitalfunks. Mittlerweile profitieren Behörden von handlichen Geräten in Smartphone-Größe. Bis zum Ende der 80er Jahre wurde ausschließlich Sprache übertragen – später kamen digitale Telegramme hinzu. Dies war mit herkömmlichen Funksystemen nicht zu bewerkstelligen. Die Sprachkanäle brachen stellenweise durch Überlastungen zusammen. Einsatzkräfte wie Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst sind aber auf ein funktionierendes System angewiesen.

Der neue Digitalfunk sollte ein eigenständiges System darstellen, das von nationaler Stelle aus geleitet wird. Außerdem sollten Unbefugte vom Abhören vertraulicher Nachrichten gehindert werden. Der Funkstandard TETRA eignete sich als offener ETSI-Standard ganz besonders für eine Weiterentwicklung.

Was ist TETRA?

Die Abkürzung TETRA steht für „Terrestrial Trunked Radio“ und bezeichnet einen digitalen Bündelfunk, der für verschiedene Mobilfunkdienste gedacht ist. Mit Hilfe von TETRA lassen sich Funknetze zur Behörden-Kommunikation aufbauen. Der TETRA-Standard ermöglicht die Nutzung von drei Verschlüsselungsstufen:

  • Keine Verschlüsselung: Die Sprache wird hinter dem Mikrofon digitalisiert und direkt übertragen.
  • Verschlüsselung: Die Verschlüsselung erfolgt über den Funkschlüssel des jeweiligen Gerätes.
  • Ende-zu-Ende-Verschlüsselung: Das Signal wird nur am Endgerät und nicht auch an den Vermittlungsstellen entschlüsselt.

Das deutsche Behördenfunknetz wird als TETRA BOSNET bezeichnet und erfordert eine Teilnehmerkarte. Die Schlüsselkarte wird nur an berechtigte Teilnehmer vergeben, weshalb ein Eindringen in das Funknetz durch Unbefugte ausgeschlossen ist. Die jeweiligen Funknetze werden von den Regierungspräsidien der Bundesländer geplant, wobei die Standorte geheim gehalten werden.

Die deutschen BOS arbeiten in einigen Bereichen weiterhin mit Analogfunk. Da im BOSNET der offene Funkstandard TETRA verwendet wird, existieren zahlreiche Endgeräte. Zu den Herstellern gehören Unternehmen wie Sepura, Cassidian, Motorola und Cleartone.

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 44717138 / eGOV_Definitionen)