Definitionen

Was ist digitale Souveränität?

| Redakteur: Manfred Klein

Allgemein wird unter Digitale Souveränität die Fähigkeit zu ausschließlicher Selbstbestimmung verstanden
Allgemein wird unter Digitale Souveränität die Fähigkeit zu ausschließlicher Selbstbestimmung verstanden (© aga7ta – Fotolia)

Immer häufiger verwenden Wirtschaft und Politik die Begriffe „Technologische Souveränität“ und „Digitale Souveränität“. Doch sie finden sich nicht mehr nur schlagwortartig in Reden, sondern haben inzwischen auch Eingang in die politische Programmatik gefunden. Doch was genau ist unter Digitale Souveränität zu verstehen und wie wird sie geschaffen?

Als digitale Souveränität wird das selbstbestimmte Entscheiden und Handeln von Personen, Betrieben und anderen Institutionen im digitalen Raum verstanden. Hierzu gehört auch die Fähigkeit, Geschäftsgeheimnisse von Forschungseinrichtungen sowie Unternehmen und die Privatsphäre von Personen, bestmöglich zu schützen. Sowohl die Menschen als auch wissenschaftliche Institutionen und Wirtschaftsbetriebe sollen hierbei die Hoheit über ihre eigenen Datenschutz- und Sicherheitsinteressen behalten und nicht in unausweichliche Abhängigkeiten geraten. Erreichen lässt sich die digitale Souveränität lediglich durch das Zusammenwirken verschiedener Akteure, wie Kammern/Wirtschaftsverbände/Wirtschaftsunternehmen, Politik/Verwaltung und die Verbraucher.

Welche Schlüsselvoraussetzungen gelten?

Bereits im Jahr 2015 hat das Bundesministerium das Positionspapier „Leitplanken Digitale Souveränität“ veröffentlicht. In folgende drei Kernbereiche lassen sich die hierin beschriebenen Schlüsselvoraussetzungen für gesellschaftlich und unternehmerisch souveränes Handeln sämtlicher beteiligter Akteure in der globalen Datenwelt gliedern:

Sichere und leistungsfähige Infrastruktur: Als elementare Voraussetzungen für innovative und marktfähige Produkte werden insbesondere der weitere Ausbau von Mobilfunknetzen und Breitbandnetzen der fünften Generation gesehen. Gesellschaft und Wirtschaft sollen in digitalen Netzen ferner geschützt und vertraulich kommunizieren können, ohne eine Datenmanipulation zu befürchten.

Beherrschung von Technologien und Schlüsselkompetenzen: Im Einzelnen geht es um den Aufbau und die Weiterentwicklung von Kompetenzen u.a. in folgenden Bereichen:

--> Hardware-Kompetenzen: z.B. Micro- und Nanoelektronik, Speicher- und Kryptochips, Sensoren, Microcontroller

--> Software-Kompetenzen: von der reinen Programmierkenntnis über länderübergreifende Plattformentwicklungen bis hin zu Sicherheitstechnologien und Mensch-Maschine-Schnittstellen

--> Smart und Big Data: Erhöhung des Datenschutzes und Schaffung rechtlicher Rahmenbedingungen, um die Schutzinteressen des Einzelnen und die wirtschaftliche Datennutzung in Einklang zu bringen

--> IT-Sicherheit: Verlässlichkeit, Sicherheit und Qualität von digitalen Dienstleistungen und Produkten

Cloud-Dienste und digitale Produktion: Reduzierung rechtlicher Unsicherheiten und Schutz vor Datenverlusten und unberechtigter Zugriffe Dritter

--> Mobile Business: Erhöhung des Schutzes vertraulicher sowie sensibler Daten und Schaffung von Netzwerksicherheit im mobilen Bereich

--> Digitale Bildung: Befähigung der Bevölkerung, mit der Digitalisierung umgehen zu können.

Innovationsoffene Rahmenbedingungen : Um digital souveräne Systeme zu schaffen, soll Chancen technologischer Entwicklungen und Innovationen stärker gefördert werden. Ferner sollen Startups und innovative Wachstumsunternehmen im Bereich der Innovationsförderung von Verbänden, Kammer und staatlichen Stellen aktiv unterstützt werden.

Fazit

Allgemein wird unter Digitale Souveränität die Fähigkeit zu ausschließlicher Selbstbestimmung verstanden. Gekennzeichnet wird die Selbstbestimmungsfähigkeit durch Unabhängigkeit und Eigenständigkeit. Digital souveräne Systeme verfügen bei digitalen Schlüsselkompetenzen und -technologien und entsprechenden Plattformen und Diensten über eigene Fähigkeiten auf internationalem Spitzenniveau. Ferner sind sie in der Lage, selbstbewusst und selbstbestimmt zwischen Alternativen vertrauenswürdiger und leistungsfähiger Partner zu differenzieren, diese verantwortungsvoll und bewusst einzusetzen und sie im Bedarfsfall weiterzuentwickeln und zu veredeln. Nicht zuletzt können sie ihre Funktionen im Inneren sichern und ihre Integrität nach außen schützen.

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