IT-Lösungen in der Medizin

Was die IT künftig in der Klinik leisten kann

| Redakteur: Hendrik Härter

Die IT-Initiative „Entscheiderfabrik“ im Rahmen der mit gut 4.500 Ausstellern weltgrößten Medizinmesse „Medica“. Gute IT ist nicht nur für den Patienten im Krankenhaus überlebensnotwendig
Die IT-Initiative „Entscheiderfabrik“ im Rahmen der mit gut 4.500 Ausstellern weltgrößten Medizinmesse „Medica“. Gute IT ist nicht nur für den Patienten im Krankenhaus überlebensnotwendig (Medica)

Was kann die IT im Krankenhaus leisten? Und wie viel darf sie kosten? Nicht erst seitdem die Industrieverbände einen festen Platz für die Informationstechnologie in der Gesundheitswirtschaft einfordern, sind solche Fragen bedeutsam – sie sind es sicherlich schon länger.

Es gibt ein Ziel, das nahezu alle Leistungserbringer in der Gesundheitswirtschaft eint: Es ist der Kampf gegen die Bürokratie. Die Kodierarbeit nimmt trotzdem zu, die Klagen aus dem ärztlichem und pflegerischen Dienst über zu viel Bürokratie ebenfalls. Eine Waffe dagegen kann die Informationstechnologie liefern, wie sie die IT-Initiative „Entscheiderfabrik“ im Rahmen der mit gut 4.500 Ausstellern weltgrößten Medizinmesse Medica 2014 (12. - 15. November) in Düsseldorf vorstellen wird. Fünf Projektgruppen informieren dann über die Resultate ihres Engagements zu den so genannten fünf „IT-Schlüssel-Themen 2014“, die im Februar auf dem „Entscheider-Event für IT und Medizintechnik in der Gesundheitswirtschaft“ von Entscheidern aus dem Krankenhausbereich in einem Wettbewerb aus zwölf Themen-Vorstellungen als besonders relevant gewählt wurden.

Patientendaten stehen im Mittelpunkt

Eines dieser fünf IT-Schlüssel-Themen ist zum Beispiel die prozessoptimierte Darstellung und Nutzung von Patientendaten aus den Krankenhausinformationssystemen (KIS). Eine neue Software soll helfen, Dokumente und Befunde auszulesen und in die richtigen ICD- und OPS-Codes zu übersetzen. Diese Codes sind für die Abrechnung mit den Krankenkassen notwendig. Ziel ist dabei nicht nur die Entlastung des Personals und das Aufzeigen bisher unberücksichtigter Leistungen zur Abrechnung, sondern auch eine Qualitätsverbesserung der Abrechnung.

Stefan Uhl, stellvertretender. kaufmännischer Direktor am Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Trier, meint, dass das Tool auch die MDK-Sicherheit (MDK = Medizinischer Dienst der Krankenkassen) erhöhen kann. Dass dies notwendig ist, belegt eine Zahl: Im Jahr 2013 fanden sich in dieser Einrichtung 13,5 Prozent, also 3600 der stationären Fälle im Prüfverfahren des MDK wieder.

Die Vor-Ort-Prüfungen durch den MDK sind nicht nur für die Mitarbeiter im Medizincontrolling sondern auch für die zuständigen DRG-beauftragten Ärzte der betreffenden Abteilungen sehr zeitraubend: „Auf die Schnelle“ ist es häufig schwierig, in der Flut von Dokumenten genau die Stelle wiederzufinden, die beispielsweise eine Nebendiagnose und den dadurch verursachten Mehraufwand notwendig machten. Das Krankenhaus gerät unter den Generalverdacht, eine überhöhte Rechnung abgegeben zu haben – obwohl die Leistung erbracht wurde und sinnvoll war. Nicht umsonst weisen die Krankenkassen auf eine schlechte Kodierqualität hin – und machen damit medialen Druck auf die Krankenhäuser. Das neue Software-Tool von 3M soll es nun beispielsweise ermöglichen, genau die wichtige Stelle der Dokumentation im Dokument schneller und zielgerichteter zu finden.

Die genauen IT-Kosten sind schwer bezifferbar

Auch wenn Arbeitserleichterung das Ziel mancher Entwicklung ist: „Die Kosten der IT werden immer noch als ,soda‘ ,ehda‘ bezeichnet: Sie sind SOwieso DA“, schildert Ralf Boldt vom Klinikum Oldenburg. Er arbeitet an einem Klinikum, das zu jenen Modellkrankenhäusern zählt, nach denen die Fallpauschalen berechnet werden. Dennoch ist selbst hier unbekannt, wie hoch genau die Kosten für die EDV in den Abteilungen sind. Doch dies könnte sich demnächst ändern. Die erste Version eines entsprechenden normierten IT-Leistungskatalogs für Krankenhäuser soll bis zum Beginn der Medica fertig sein. Ähnliches gilt für die Definition eines Erfassungs- und Kalkulationstools für IT-Leistungen. Das erinnert nicht nur zufällig an die Fallpauschalen. Ganz ähnlich der entsprechenden Kalkulation soll dies lernfähig sein und aktuelle Entwicklungen wie eine verstärkte Einbindung von mobilen Geräten aufgreifen. Parallel dazu wird an der passenden Software gearbeitet, die eine nutzerfreundliche Anwendung des Kalkulationsschemas und des standardisierten Katalogs ermöglicht.

Ein Ziel ist die Definition von „benchmarkfähigen“ Kennzahlen, wie die durchschnittlichen IT-Kosten pro Arbeitsplatz, durchschnittlichen Kosten pro Gigabyte Speicher oder die IT-Kosten pro Pflegetag. Das könnte dann zukünftig in einem Vergleich der Krankenhäuser unter einander münden. Mit solchen Zahlen könnte in der Folge jede Abteilung und jeder Chefarzt berechnen, wie viel die IT-Ausstattung kostet – und ob dies dem von ihm erwarteten Nutzen entspricht. „Möglicherweise führt das zu einem bewussteren Umgang mit den Kosten“, meint Boldt. Unter dem Motto „IT-Controlling als Wegbereiter vom reinen Cost-Center zum strategischen Service-Center“ leistet dazu eine Gruppe im Rahmen der Entscheiderfabrik Vorbereitungsarbeit, von denen alle Krankenhäuser profitieren – zum Wohle aller.

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