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Oracle will künftig mehr in SPARC-Prozessoren investieren Warum Oracle mit SPARC langfristig nicht erfolgreich sein kann

| Autor / Redakteur: Rüdiger Spies / Katrin Hofmann

Gerade ist die Oracle Open World in San Fransisco zu Ende gegangen. Zum Abschluss haben sowohl Larry Ellison als auch Scott McNealy über Innovationen gesprochen, und dass Oracle in Zukunft mehr Investionen in die SPARC-Prozessoren, mySQL als auch in Solaris machen will. Allerdings muss sich wohl die Industrie darauf einstellen, dass SPARC nicht überleben wird.

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Rüdiger Spies, Independent Vice President Enterprise Applications, IDC
Rüdiger Spies, Independent Vice President Enterprise Applications, IDC
( Archiv: Vogel Business Media )

Insbesondere bei den SPARC-Prozessoren steht gegen mehr Investionen in diese, dass Sun in den letzten Jahren finanziell nicht besonders erfolgreich gewesen ist. Mit anderen Worten: die bisher getätigten Investionen in SPARC haben nicht den Return gebracht, den Sun gebraucht hätte.

Das ist aber auch nicht weiter verwunderlich. Die Entwicklungsgeschwindigkeit für Prozessoren wird durch die Fortentwicklung von x86-Prozessoren – und bisher noch eingeschränkt durch die Entwicklungsgeschwindigkeit von Nvidia-Graphik-Prozessoren – bestimmt. Intel und ADM geben damit den Takt an. Der Massenmarkt, der durch diese Prozessorarchitektur bedient wird, erlaubt die größten Gewinne im Prozessorsegment. Nur solche Prozessoren, die einen Massenmarkt bedienen können, erwirtschaften die notwendigen Gelder, um wiederum genug in zukünftige Prozessorweiterentwicklungen zu investieren.

Sun gibt an, in dieser Dekade bereits sieben Millionen SPARC-Prozessoren ausgeliefert zu haben. Nach IDC-Prognosen werden bis Ende 2010 zirka 177 Millionen Windows 7-Lizenzen verkauft werden. Das bedeutet etwa die gleiche Größenordnung an x86-Prozessoren. Folglich wird durch die schnellere Weiterentwicklung der x86-Prozessoren der Leistungsabstand zwischen RISC-Systemen wie SPARC und x86 immer geringer. Also wird die Motivation, einen höheren Preis für ein RISC-System wie einen SPARC-Prozessor auszugeben, immer geringer. Folglich stehen immer weniger Investitionsgelder für die SPARC-Architektur zur Verfügung.

Massive Investitionen nötig

Aus diesem Grunde sagen die IDC-Prognosen, dass der Anteil an Legacy-RISC-Prozessoren à la SPARC, PowerPC und anderen, gegenüber x86, ständig weniger wird. Um SPARC längerfristig überlebensfähig zu halten, hat Oracle also nur die Chance, die Investitionen in die SPARC-Technologie massiv zu erhöhen. Dabei muss Oracle gleichzeitig einen Massenmarkt für die Chips erschließen. Die erste Bedingung kann nur durch ein Subventionieren aus anderen Geschäftszweigen von Oracle erfolgen, was wiederum heißt, dass die Gesamtmarge sinkt. Auch die zweite Bedingung hat insgesamt wenig Aussicht auf Erfolg erfüllt zu werden, weil der Preis pro Prozessor so enorm hoch kalkuliert werden müsste, damit sich eine Produktion überhaupt noch rechnet.

Weiterhin ist zu berücksichtigen, dass der Markt neben x86-Prozessoren nicht unbesetzt ist. IBM hat sich beispielsweise mit dem Cell-Prozessor, der zwar auf den Prinzipien des PowerPC aufbaut, aber dennoch „anders tickt“, einen Massenmarkt als Embedded-Technologie erschlossen. Nvidia bedient mit seinen hochparallelen Graphik-Chips einen anderen Massenmarkt.

Insgesamt bleibt Oracle strategisch also praktisch kein Spielraum. Oracle muss die SPARC-Technologie durch andere Bereiche zunehmend mehr subventionieren. Das allerdings passt nicht in das Investitionskonzept von Oracle, nur profitable Bereiche weiterhin zu unterstützen. Wenn es auch rückwirkend betrachtet um die innovative und geachtete SPARC-Architektur schade ist, so muss sich die Industrie wohl darauf einstellen, dass SPARC nicht überleben wird. Die einzig offene Frage ist, wie lange es dauern wird.

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