SpaceNet-Vorstand wettert gegen Vorgaukeln falscher Sicherheit

Warum Internet „Made in Germany“ nur Augenwischerei sein kann

| Redakteur: Elke Witmer-Goßner

Sicherheit beginnt in den Köpfen und kann weder durch Einzelinitiativen, noch durch politischen Aktionismus manifestiert werden, ist der prominente Vorstand der SpaceNet AG, Sebastian von Bomhard, überzeugt.
Sicherheit beginnt in den Köpfen und kann weder durch Einzelinitiativen, noch durch politischen Aktionismus manifestiert werden, ist der prominente Vorstand der SpaceNet AG, Sebastian von Bomhard, überzeugt. (Bild: Teteline, Fotolia)

Internationale Cloud-Hoster, Carrier und Provider werben mit dem Slogan „Made in Germany“ und den strengen deutschen Datenschutzauflagen um das Vertrauen potenzieller Kunden. Alles nur Marketingsprüche, findet Sebastian von Bomhard, Vorstand der SpaceNet AG und für seine unkonventionelle Haltung bekannter Pionier der deutschen Hosting-Branche.

Unsere Kollegen von CloudComputing-Insider haben mit Sebastian von Bomhard gesprochen und dabei auch seine Haltung zur De-Mail angesprochen.

Sie machen aus Ihrer Meinung, dass „Sicherheit Made in Germany“ lediglich ein Marketing-Gag sei, keinen Hehl. Warum sind gerade Sie als deutscher Internet-Serviceprovider so kritisch?

Sebastian von Bomhard: Ich liebe klare Ansagen. Internet „Made in Germany“ gibt es einfach nicht. Das Internet ist eben weltweit. Es ist mit herkömmlichen Begriffen manchmal ebenso schwer zu fassen wie gesetzlich zu regulieren. Dies sieht man zum Beispiel bei den Themen Landesgrenzen, Ladenschluss oder Jugendschutz. Auch wenn ein Internetanbieter sein komplettes Angebot in Deutschland aufstellt, ist es doch interessant, welche Hard- und Software eingesetzt wird. Netzwerk- und Security-Equipment ist äußerst selten „Made in Germany“. Firmen aus Taiwan, USA, Russland und Israel stellen das Gros der Hard- und Software-Komponenten, schon EU-Produkte finden sich da kaum. Wer will da kontrollieren, ob nicht einer Hintertüren und andere undokumentierte Nebenwirkungen einbaut?

Aber immerhin unterliegen Unternehmen in Deutschland doch deutschem Recht. Und das ist nun einmal in Sachen Datenschutz bedeutend griffiger als etwa in den USA. Somit sollten Anwender also eigentlich auf der sicheren Seite sein, oder?

Von Bomhard: Das stimmt, allerdings greift das nicht im Falle Internet. Denn das Internet ist eben nicht an nationale Grenzen gebunden und ein deutscher Standort allein sagt erst einmal gar nichts aus. Wenn ein Cloud-Anbieter seinen Hauptsitz beispielsweise in den USA hat, dann unterliegt er US-Recht wie etwa dem Patriot Act, auch wenn die Daten in Deutschland abgelegt sind.

Es muss nicht einmal ein Sitz sein, es reicht sogar schon, dort börsengelistet zu sein. Das heißt, es wird auch in seinen deutschen Niederlassungen auf Daten zugegriffen. Es ist für amerikanische Behörden und Geheimdienste also unerheblich, ob ein Rechenzentrum in Dallas, Dublin oder Düsseldorf steht.

Und selbst wenn das Hosting ausschließlich deutschem und EU-Recht unterliegt, bedeutet das ja nicht automatisch, dass staatliche Stellen nicht auf die Daten zugreifen können, und wenn es im Wege der Amtshilfe ist.

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