Der FIT-Kongress in Berlin

Warum Frauen in der IT immer wichtiger werden

| Autor: Sylvia Lösel

Die strahlenden Siegerinnen mit ihrer Auszeichnung „Women of the year“, die in sieben Kategorien und in Silber, Gold und Platin vergeben wurde.
Die strahlenden Siegerinnen mit ihrer Auszeichnung „Women of the year“, die in sieben Kategorien und in Silber, Gold und Platin vergeben wurde. (Bild: Vogel IT-Akademie)

Was bedeutet die Digitalisierung für die Gesellschaft – und für die Zukunft von Frauen? Welche Stärken können letztere einbringen und wo stehen sie sich oft selbst im Weg? Der FIT-Kongress lieferte mit interessanten Keynotes, einer motivierten Podiumsdiskussion und einem bunten Rahmenprogramm viele Impulse.

Die Jungs haben die kritische Masse und deshalb sind die Spielregeln im Berufsleben männlich – mit dieser These trat Keynote-Sprecherin Diana Coso, CEO bei Axians, beim FIT-Kongress vor die rund 140 Teilnehmerinnen. Der Kongress, der das erste Mal stattfand, will genau dies schaffen: Die Spielregeln weiblicher machen und den Frauen im Berufsleben ein Netzwerk bieten. Dabei steht beim Auftakt in Berlin ein weiteres Thema ganz oben auf der Agenda: die Digitalisierung und die Auswirkungen, die der zunehmende Einsatz von künstlicher Intelligenz auf die Gesellschaft haben wird. In seiner Eröffnungs-Keynote entwirft Professor Dr. Franz-Josef Radermacher vom Institut für Datenbanken und KI der Universität Ulm, ein Zukunftsszenario, bei dem vor allem hoch qualifizierte Arbeitnehmer ihren Job verlieren könnten. Umso wichtiger sei es, sich auf die Stärken der Menschen zu besinnen, die im Vergleich zu den Maschinen unter anderem auf der Gefühlsebene liegen.

Sich Stärken bewusst machen

Und beim Thema Gefühle, Empathie und Orchestrierung haben die Frauen ein wichtiges Wörtchen im Arbeitsleben der Zukunft mitzureden. Denn wenn es darum gehe gesamtheitliche, integrative Lösungen zu entwickeln, wie sie Digitalisierungs-Projekte meist bedingen, sind die Frauen ihren männlichen Kollegen um einiges voraus, findet Jutta Gräfensteiner, Channel-Chefin bei Cisco, bei ihrem Vortrag. Während Männer beim Feature-Vertrieb die Nase vorne haben, punkten Frauen bei der digitalen Orchestrierung. Deshalb könnte mit dem Zeitalter der Digitalisierung auch das Zeitalter der Frauen anbrechen – wenn sie sich nicht weiterhin selbst im Wege stehen. Ja-Sagen, wenn es um neue Aufgaben geht und die eigenen Stärken herausstellen – das sind zwei wichtige Punkte, bei denen Frauen sich traditionell eher schwer tun.

Strategien entwickeln

Und so motivierte Regina Mehler, CEO der Women Speaker Foundation, die Teilnehmerinnen ihres Workshops dazu, bei jeder möglichen Gelegenheit das eigene Auftreten zu üben. Unter dem Motto „Lets get loud“ forderte Alexandra Schwarze von VisionVoice die Teilnehmerinnen ihres Workshops dazu auf, die eigene Meinung laut kundzutun und sich nicht von Männer-Runden einschüchtern zu lassen. Doch Frauen hin, Männer her, der einheitliche Tenor auf dem Kongress war, dass Diversifizierung gut tut. Gemischte Teams arbeiten effizienter und kreativer. Deshalb ist für Schwarze „Diversity der Treibstoff der Digitalisierung“.

Doch um es zu gemischten Teams auf allen Ebenen zu schaffen, gilt es zunächst einmal, „die männliche Firewall“ zu durchbrechen, wie es Coso formuliert. Frauen müssten sich ihre Rechte selbst erkämpfen. „Die Jungs machen das nicht für uns“ – forderte sie ihre Geschlechtsgenossinnen dazu auf, selbst die Initiative zu ergreifen, und eben nicht abzuwarten, bis jemand auf sie aufmerksam wird.

Weitere Impulse für weibliche Strategien nahmen die Kongress-Teilnehmerinnen von einer spannenden Podiumsdiskussion mit, die von Nicole Dufft, Mitgründerin und Partnerin von Fibonacci & friends, professionell geleitet wurde. Mit ihr diskutierten Doris Albiez, Geschäftsführerin von Dell EMC Deutschland, Barbara Koch, Geschäftsführerin bei Tech Data Advanced Solutions, Vera Schneevoigt, Geschäftsführerin Fujitsu Technology Solutions und Sabine Smentek, Staatssekretärin in Berlin.

Philosophisch wurde es am Ende des Kongress-Tages mit der Philosophin Rebekka Reinhard. Sie forderte dazu auf, sich einmal bewusst zu machen, wofür man lebt und das Tempo zu verringern. Denn nur wer wie „eine Schnecke ist“, bekomme Nuancen mit, die bei Höchstgeschwindigkeit gerne einmal übersehen würden.

Nach einem interessanten und informativen Tag ging es dann weiter mit einem Gala-Abend und der mit Spannung erwarteten Preis-Verleihung für die „Women of the year“ – ein Award, der in sieben Kategorien verliehen wurde.

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