Neue Akzente bei der Digitalisierung des Gesundheitswesen

Warum eHealth am Scheideweg steht

| Autor / Redakteur: Prof. Dr. Wilfried Bernhardt / Manfred Klein

Verbesserte Möglichkeiten der Telemedizin – rein virtuelle Arztsprechstunde?

eHealth verbindet man gemeinhin mit der Ausweitung der Telemedizin. Das betrifft Versorgungsleistungen sowie virtuelle Arztbesuche ohne persönlichen Kontakt zum Arzt. Das Fernbehandlungsverbot in § 7 Abs. 4 Musterberufsordnung für Ärzte ist zu überprüfen; das Verbot ausschließlich digitaler Fernbehandlungen zu lockern. Wichtig ist eine sichere Identifizierung von Patient und Arzt zu Beginn des virtuellen Kontakts und eine geschützte Datenverbindung – auch, um Datenschutzrisiken zu verringern. In der Diskussion über eine virtuelle Arztsprechstunde wird man kaum an der Tatsache vorbeikommen, dass immer mehr Bürger in Fällen gesundheitlicher Probleme den Rat auf Websites suchen und damit Gefahr laufen, auf unseriöse Empfehlungen zu vertrauen. Das Aufsuchen eines Wartezimmers wird als zu zeitraubend und auch risikoreich empfunden.

Elementare Voraussetzung für die Erweiterung der telemedizinischen Möglichkeiten ist der beschleunigte Ausbau des Glasfasernetzes wie auch und des 5 G-Netzes. Die neue Bundesregierung muss sich intensiv um die Anbindung insbesondere des ländlichen Raums kümmern. Viele Probleme sind durch fehlende Standardisierung und Interoperabilität entstanden. Deshalb hat bereits das eHealth-Gesetz die Gematik beauftragt, ein Interoperabilitätsverzeichnis bis zum 30. Juni 2017 zu schaffen, um Transparenz herzustellen. Die Gematik sieht mit der Öffnung der Informationswebsite ihren Auftrag als erfüllt an. Ein Blick auf dieses Online-Verzeichnis zeigt aber, dass es praktisch leer ist. Bisher ist eine Steuerung über Standardisierung kaum erfolgt, ein digitaler Datenaustausch zwischen ambulanten Ärzten, Krankenhäusern und Apotheken findet kaum statt. Ohne eine gezielte Förderung des Vorhabens geht es nicht. Ziel sollte nicht eine staatlich verordnete Einheitlichkeit der Programme, sondern eine Steuerung über definierte Rahmenbedingungen sein.

Aber auch dann, wenn Patienten weiterhin den unmittelbaren Kontakt zu den Ärzten bevorzugen oder gesetzlich zumindest beim Einstieg in die Behandlung dazu gezwungen werden, gibt es etliche Verbesserungsmöglichkeiten des Zugangs zum behandelnden Arzt durch ein modernes Praxismanagement, das auch den Patienten Zeit und Aufwand spart, etwas durch ein modernes Terminmanagement und automatische Erinnerungsfunktionen.

Infrastrukturen schaffen: Glasfasernetz und 5G-Mobilfunknetz

Elementare Voraussetzung für die Erweiterung der telemedizinischen Möglichkeiten ist der beschleunigte Ausbau des Glasfasernetzes wie auch und des 5 G-Netzes, das zumk Beispiel auch Operationen aus der Ferne ohne Zeitverlust ermöglicht. Die bisherigen Ziele der Bundesregierung waren nicht ambitioniert und sind dennoch teilweise nicht erfüllt worden. Eine neue Bundesregierung muss sich nicht nur, aber auch wegen der telemedizinischen Herausforderungen intensiv um die Leitungsinfrastruktur kümmern, um die Anbindung insbesondere des ländlichen Raums sicherzustellen.

So verwies die CDU in ihrem Bundestagswahlprogramm auf das Erfordernis, einfacher qualitativ hochwertige medizinische Versorgung für immer mehr Menschen unabhängig von ihrem Wohnort zugänglich zu machen. Modernste Assistenzsysteme sollten Menschen im Alltag von schweren Tätigkeiten entlasten und in vielfältiger Weise unterstützen. Gerade für ältere Menschen sei es besonders wichtig – dabei zu helfen, länger als bisher selbstständig in ihrer vertrauten Umgebung zu bleiben. Wie aber will man diese Ziele erreichen, wenn diese Möglichkeiten nicht nutzen kann, weil es an der erforderlichen Infrastruktur fehlt?

eHealth-Forschung erleichtern

Schließlich müssen Maßnahmen zur Digitalisierung des Gesundheitswesens darauf abzielen, Forschungen zu erleichtern, etwa im Bereich der Gesundheitsökonomie und der Epidemiologie. Dies setzt voraus, über anonymisierte Daten zu verfügen, zumal eine solche Nutzung durch die Datenschutzgrundverordnung auch vorgesehen ist. Die bisherigen Konzepte zur Einführung der eGk erwiesen sich als zu kompliziert. Nur mit einer großen Kraftanstrengung aller wird es gelingen, die großen Chancen der Digitalisierung für das Gesundheitssystem zu nutzen.

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Wie beim E-Government wird eine Karte in den Vordergrund gestellt anstatt der Prozesse. Wie beim...  lesen
posted am 29.11.2017 um 07:44 von woksoll

Endlich ein der Bedeutung des Themas angemessen fundierter Artikel, auch wenn die Überschrift...  lesen
posted am 24.11.2017 um 14:12 von Unregistriert

Die Einführung ist jedoch nach wie vor ungewiss Falsch. Erste Produktkette (CGM) ist zugelassen....  lesen
posted am 23.11.2017 um 09:15 von Unregistriert


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